Getränk

25 Jahre Wein aus Istrien

Vor 25 Jahren haben drei junge istrische Winzer damit begonnen, die Tradition des Qualitätsweinbaus nach 50 Jahren sozialistischer Kollektivierung wieder zu beleben. Jetzt haben sich Moreno Degrassi, Ivica Matošević und Franko Kozlović zur Saisoneröffnung im 3-Haubenrestaurant Boškinac eingefunden, um ihr rundes Jubiläum gemeinsam zu feiern.

 

Getroffen haben sich die drei Winzer Mitte Juni auf „neutralem Boden“ – nämlich auf der Insel Pag, die rund hundert Kilometer südlich von Istrien liegt. Das hat vor allem mit der Person des Gastgebers Boris Šuljić zu tun, der vor 15 Jahren mit dem Hotel Boškinac eines der schönsten Boutiquehotels in Dalmatien eröffnet hatte. Zuvor hatte Šuljic bereits Weingärten angelegt – und sich dabei von den befreundeten Winzern aus Istrien wertvolle Ratschläge geholt.


Wie schön, wenn man ein Gala-Dinner im Freien genießen kann.


Zur Saisoneröffnung Mitte Juni hat 3-Haubenkoch Matija Bregeš sein neues Degustationsmenü mit zwölf kleinen Gängen präsentiert und diese mit ausgesuchten Raritäten der anwesenden Winzer aus Istrien begleitet. Was dabei besonders ins Auge stach, war das große Reifepotential der weißen Rebsorte Malvasija, die man in Kroatien anders als in Italien nicht auf dem „i“ sondern auf dem zweiten „a“ betont.

 

Jockeys reiten ihre Fässer

Junge Weinfreunde können sich nicht mehr vorstellen, dass der Ausbau in Holzfässern oder die Füllung in Bouteillen vor der Jahrtausendwende bahnbrechende Neuerungen darstellten. Doch in der kollektivierten Landwirtschaft ging es darum, möglichst hohe Erträge zu erzielen und möglichst kostengünstig zu produzieren. Weine wurden oft sogar ohne Rebsorten-, Jahrgangs- und Herkunftsangaben verkauft.


Die drei Neo-Winzer Moreno Degrassi, Ivica Matošević und Franko Kozlović hatten im benachbarten Friaul gesehen, wie sich auch aus dem weißen Malvasija und dem roten Refosco (in Istrien zumeist Teran genannt) hochwertige Qualitätsweine keltern lassen.


Vor 25 Jahren haben die jungen, wilden Winzer-Pioniere Moreno Degrassi, Ivica Matošević und Franko Kozlović ihre Fässer „geritten“, heute tanzen sie beschwingt auf ihnen.


Natürlich wurden damals nicht alle Weine im Fass ausgebaut, doch das in den 1990er Jahren entstandene Foto der drei fassreitenden Jockeys unterstreicht, wie revolutionär der Einsatz von Fässern damals gesehen wurde. Nach burgundischem Vorbild haben die drei Wein-Pioniere auch eine Charge ihrer besten Weißweine ins Barrique gegeben, was sich rückblickend als Glücksfall zeigt, wie ein 2002er Malvasjia von Kozlović, der beim Gala-Dinner ausgeschenkt wurde, eindrucksvoll belegte.

 

Ehrenrettung einer autochthonen Rebsorte  

Der Malvasija stand damals in Istrien – genauso wie die meisten anderen autochthonen Rebsorten – nicht sonderlich hoch im Kurs. Deshalb haben viele Winzer neue Weingärten mit den international bekannten Rebsorten Chardonnay und Sauvignon Blanc ausgepflanzt. Moreno Degrassi hatte auch Viognier ausgepflanzt, der – nach ein paar Reife – ganz wunderbar schmecken kann, wie sein 2014er Jahrgang, der zum Skampi-Tatar gereicht wurde, bewies.    


Doch zuerst musste man mit den Rebstöcken Vorlieb nehmen, die bereits vorhanden waren und siehe da – wenn man mit Ertragsreduktion im Weingarten und sorgfältiger Kellertechnik arbeitet, zeigten sich auch beim Malvasija überraschend gute Ergebnisse. Davon beeindruckt haben in den Folgejahren auch Neo-Winzer wie Giorgio Clai und Mladen Rozanich mit dem Weinbau begonnen und sich insbesondere mit maischevergorenen Malvasijas international einen Namen gemacht.


Ehrensache: Gastgeber Boris Šuljić macht das Service am Winzertisch persönlich, Franko Kozlović schaut noch etwas skeptisch.


Auch Moreno Degrassi, Ivica Matošević und Franko Kozlović haben mehr oder weniger radikal vinifizierte „Orange-Wines“ im Sortiment, doch ihre besten Malvasijas – darunter auch Lagenweine – sind zumeist ganz klassisch ausgebaut.


Dass die maischevergorenen Malvasijas aus Istrien ihren klassisch ausgebauten Schwestern in den letzten Jahren ein bisschen die Show gestohlen haben, hat vor allem mit dem Hype um derartige „Naturweine“ zu tun, wo istrische Winzer (neben friulanischen Kollegen wie Joško Gravner und Stanko Radikon) absoluter Vorreiter waren. Das soll jedoch nicht den Blick dafür verstellen, dass man Malvasija aus Istrien auch als klassisch gekelterter Weißwein großes Potential besitzt.

 

Rotwein in der Minderheit

Für viele überraschend ist die Tatsache, dass in Istrien überwiegend Weißwein kultiviert wird. Doch auch Rotweine gedeihen in der südlichen Sonne hervorragend. Neben dem schon lange heimischen Teran (manchmal auch Refosk genannt) sind die Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot sehr beliebt. Vielfach ist der Topwein des Hauses eine Cuvée aus Teran und mehreren Bordeaux-Sorte, wie etwa beim TerreBianche Rouge 2009 von Degrassi, der zum Lammgang serviert wurde.


In seiner Jugend zeigen sich reinsortige Terans mitunter etwas ruppig, doch nach ein paar Jahren zusätzlicher Reifung in der Flasche zeigt sich, dass Istrien auch für Rotweine ein guter Boden sein kann.


Text: Wolfgang Schedelberger