Andreas Caminada baut seinen Gästen ein Wirtshaus

Der Schweizer Meisterkoch und sein Architekt.


In der Casa Caminada wird raffiniert neu interpretierte, herzhafte Bündner Kost serviert.


Die Bäckerei ist der Stolz des Hausherren.


Was viele Spitzenköche gemeinsam haben, ist der Drang zum Wirtshaus, zum „Einfachen“ neben der Hochklassegastronomie. Da schließt sich jetzt auch Andreas Caminada in Fürstenau an, der von den Schweizer Kollegen schon mehrmals zum Koch des Jahres gekürten Chef des famosen Schloss Schauenstein.
 

Traum wird Realität
Dort hat Caminada gleich neben dem Schloss ein in alte Bausubstanz gehauenes Wirtshaus eröffnet, gleich ein paar Hotelzimmer hinzugefügt und damit einen weiteren Schritt gesetzt auf dem Weg zum kulinarischen Dorf innerhalb der kleinsten Stadt der Welt.
 
Erst vor ein paar Wochen legte sich dort der Baustaub. Caminada sagt: „Anfangs stand die Idee, zwei alte Ställe in ein weiteres Puzzleteil des Genussorts Fürstenau zu verwandeln. Und der Wunsch, das Handwerk zurück in die Stadt zu bringen. Jetzt ist unser Traum Realität geworden“.
 
Neben Andreas Caminada als Pächter setzte der Eigentümer, die Heinrich Schwendener-Stiftung, auch für den Bau des Gasthauses auf einen Bündner: Gion A. Caminada verlieh dem Casa Caminada seine unverkennbare Handschrift und schuf ein zeitgemäßes Gebäudeensemble für die Stadtmitte Fürstenaus. Vier Jahre hat die Planung gedauert, zwei Jahre die Bauphase unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen.
 
„Ich baue auf dem Alten auf, weil es ein fester Bestandteil des über Jahrhunderte gewachsenen Stadtgeflechts ist. Aber ich will das Gewesene nicht romantisieren.“, erklärt der Architekt, der sich in seinen Projekten immer wieder mit dem Wandel der Lebensräume in Bergregionen befasst. Denn Eines dürfe man nicht vergessen, so Caminada: „Ich sage immer: Der Tourist schläft im Stall, weil er will – der Bauer tat es, weil er musste.“ 


Produkte aus der Gegend
Bündner Holz und Steine von ebendort spielen als Materialien eine große Rolle. Sie wurden von Bündner Handwerksbetrieben hergestellt oder verarbeitet. Aus der ursprünglichen Bausubstanz rettete der Architekt über 150 Jahre alte Balken – und gab ihnen als edles, mosaikartiges Stirnholzparkett wieder eine tragende Aufgabe. 


Eine besondere Rolle im neuen Gasthaus spielt erwartungsgemäß die Bündner Esskultur. Die Beiz ist das Reich von Mathias Kotzbeck. Der junge Küchenchef hat während zwei Jahren auf Schloss Schauenstein und einer Wintersaison im St. Moritzer IGNIV die kulinarische DNA seines Chefs verinnerlicht.


Auf der Karte stehen Capuns, Pizzoccherie, Nüsslisalat oder Schmorbraten-Ravioli, ein gutes Stück Fleisch vom Hirsch, Reh oder Rind, sowie Gemüse vom Biobauern und aus dem Schlossgarten. „Schnörkellos, unverfälscht und einfach gut,“ lautet Kotzbecks Motto. Wer hört das nicht gerne?  


Blickfang in der neuen Bäckerei nebenan ist ein massiver Backofen. „In diesem Holzofen steckt die Expertise aus 300 Jahren Handwerkskunst“, betont Andreas Caminada stolz. „Ich wollte eine Backstube, weil Brot die Menschen zusammenbringt. Für mich ist die Bäckerei mit ihrem kleinen Laden das Herzstück des ganzen Hauses.“ Für die Gäste und Freunde aus der Umgebung eine Spitzennachricht.


Das Gasthaus erweitert überdies das Übernachtungsangebot der kleinen Stadt um zehn Doppel- und Familienzimmer im Casa Caminada. Eine erfolgreiche Zimmerreservierung im kleinen Caminada-Reich rückt damit wieder in den Bereich des Möglichen.


Im Keller der Casa finden sich bereits Reiferäume für Bündner Käse, Würste und Fleischspezialitäten. Daneben wartet eine große Speisekammer darauf, mit Eingemachtem und Vorräten für den Winter gefüllt zu werden. Und Platz ist auch noch: «Mir schwebt eine Art kulinarisches Archiv Graubündens vor», beschreibt der Gastgeber seine Pläne.
Es scheint, als müsste man mehr Zeit einplanen, wenn man sich demnächst zum vielleicht spannendsten Restaurant der Schweiz aufmacht.

 

Casa Caminada
Schlossgass 77
7414 CH-Fürstenau

Tel.: +49 (0)176 800 84 340


Text: Alexander Rabl