Arik Brauer 92-jährig gestorben

25/01/2021

Im Beisein seiner Familie starb der österreichische Künstler, Liedermacher und Bühnenbildner Arik Brauer wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag.
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„Ich war so glücklich mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit meiner Kunst und meinem Wienerwald. Aber es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht“, waren laut seiner Familie Arik Brauers letzte Worte.


Bereits seit sechs Jahres bittet der Gault&Millau österreichische Künstler und Künstlerinnen, für die Gestaltung der Restaurant- und Hotel-Urkunde ein Kunstwerk zur Verfügung zu stellen. Anlässlich seines 90. Geburtstages und aufgrund seiner einzigartigen Arbeit fiel die Wahl für das Jahr 2019 auf Arik Brauer, einen der Hauptvertreter des Wiener Schule des Phantastischen Realismus, dessen künstlerische Werke durch detaillierte Kleinarbeit, farbenfrohe Flächen und märchenhafte Atmosphäre vor dem Hintergrund aktueller politischer Ereignisse gekennzeichnet sind.



„Ich hatte das Glück, Arik Brauer persönlich kennenzulernen. Er war ein unglaublich einnehmender Mensch, ein Vorbild im wahrsten Sinn des Wortes: verzeihend im Rückblick, vereinend in der Gegenwart, mit positivem Blick in die Zukunft. Darüber hinaus war Arik Brauer der unprätentiöseste Mensch, den ich jemals getroffen habe. Wenn jemand von uns geht, heißt es oft ein wenig voreilig, diese Person wird niemals vergessen werden. Was mich betrifft, kann ich das in Bezug auf Arik Brauer mit Sicherheit bestätigen“, erinnert sich Gault&Millau-Herausgeber Karl Hohenlohe an den Ausnahmekünstler zurück.


Ausnahmekünstler

Am 4. Jänner 1929 in Wien-Ottakring als Erich Brauer in eine russisch-jüdische Handwerkerfamilie geboren, überlebte er in einem Versteck den Zweiten Weltkrieg. Danach begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste und an der Musikschule Wien und gründete gemeinsam mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Helmut Leherb die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“. Die Erfahrungen und Eindrücke, die er danach während seiner Reisen durch Europa und Afrika unternahm, sollten für sein späteres Schaffen prägend sein. Zuerst als Sänger und Tänzer in Israel, dann als Tänzer im Raimundtheater in Wien tätig, heiratete Brauer 1957 die Israelin Naomi Dahabani und zog nach Paris. Dort feierte er nicht nur die Geburten seiner beiden ersten Töchter Timna und Talja, sondern auch seine erste erfolgreiche Einzelausstellung.




Als Arik Brauer 1964 wieder nach Wien zurückkehrte, waren die Protagonisten der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ bereits populär geworden. Zur gleichen Zeit begann auch seine Arbeit als Bühnenbildner am Zürcher Opernhaus, der Wiener Staatsoper, dem Theater an der Wien und an der Pariser Oper.


Auch als Sänger und Musiker tätig, erreichte Brauers Gesangskarriere in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt. Mit seinen bis heute aktuellen Dialektliedern wie „Sie hab’n a Haus baut“ und „Sein Köpferl im Sand“ trug er maßgeblich zur Geburt des Austropops bei.


Das Leopold Museum widmete ihm anlässlich seines 85. Geburtstags unter dem Titel „Gesamt.Kunst.Werk“ eine Werkschau, 2019 folgte im Jüdischen Museum eine weitere große Ausstellung. Neben zahlreichen anderen Preisen und Auszeichnungen erhielt Arik Brauer das Österreichische Ehrenkreuz 1. Klasse sowie den Preis der Stadt Wien für Malerei und die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold.



Foto oben: (c) Manfred Werner - Tsui via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Tsui