Berlin in rot weiß rot


Feinschmeckerin des Jahres Sarah Wiener ©underberg




©Laggner Gruppe 




Josef Laggner ©C.Wojtyczka
















Berlin ist ein guter Boden für österreichische Gastronomen. Waren es in den 1970er Jahren kultige Szene-Lokale wie das Exil oder die Paris Bar, sorgen heute feine Restaurants wie das Horvath und coole Weinbars wie die Cordobar für Furore. Auch hinter der traditionellen Berliner Marke Lutter & Wegener steht mit Josef Laggner ein waschechter Österreicher.

 

Der bekannteste österreichische Gastronom Berlins ist eine Frau. Der Ruf von Sarah Wiener hat allerdings weniger mit ihrem Cateringunternehmen, der eigenen Bäckerei oder dem Restaurant am Hamburger Bahnhof zu tun, sondern mehr mit ihren zahlreichen TV-Auftritten. Das „Gastro-Gen“ hat sie von ihrem Vater Ossi Wiener geerbt. Dieser musste 1969 nach den so genannten Uni-Ferkeleien, bei denen der Aktions-Künstler beteiligt war, Wien verlassen, um einem Prozess zu vermeiden. Er emigrierte nach Berlin und gründete in Kreuzberg das legendäre Künstler-Lokal Exil.

 

Eine besondere Adresse

 

Im Exil am Paul Lincke-Ufer kellnerten auch die beiden Wiener Künstler Michael Würthle und Reinhold Nohal bevor sie 1978 in der Kantstraße die Paris Bar übernahmen und ebenfalls zu lokalen Szene-Größen aufstiegen. Gleichzeitig kam Willy Andraschko nach Berlin und stieg im Café Einstein der Grazerin Uschi Bachhauer ein, das heute insgesamt neun Niederlassungen hat.

Café Einstein, Exil und Paris Bar – das waren bis zum Wendejahr 1989 die drei legendären Österreich-Lokale in Westberlin, die sich durch eine Extraportion Schmäh und Gastlichkeit auszeichneten. 

Nach dem Mauerfall verkaufte Ossi Wiener sein Exil, das nach ein paar

Jahren als einfacher Italiener wieder in österreichische Hände fiel. Edith Berlinger und Dietmar Schweizer übernahmen das Lokal und eröffneten dort das Horváth. Die gemütliche Einrichtung blieb, doch in der Küche gab mit Wolfgang Müller ein weiterer Österreicher Vollgas. Zwei Gault&Millau-Hauben waren die logische Folge. Als sich Müller 2010 überraschend zurückzog, standen Berlinger und Schweizer plötzlich ohne Koch da. Durch Zufall trafen sie Sebastian Frank, der 2008 in Wien den Gault&Millau Newcomer des Jahres gewonnen hatte, damals als Souschef im Tiroler Hotel Interalpen. Dort lernte er die junge Berlinerin Jeannine kennen und lieben und beschloss, mit ihr in ihre Heimatstadt zu gehen. Frank gelang es, die kulinarische Latte des Vorgängers locker zu überspringen und legte sogar noch eins drauf. Schon im zweiten Jahr folgte die dritte Haube. Da Berlinger und Schweizer mit dem Riogrande inzwischen ein weiteres Lokal erworben hatten, trennten sie sich leichten Herzens vom Horvath und verkauften es Frank, der es seither mit seiner Jeannine erfolgreich weiter führt.

 

Österreich im Hintergrund

 

Auf die Frage, ob er sich noch immer als Österreicher oder doch schon als Deutscher fühle, antwortet Josef Laggner gerne: „Ich bin ein Berliner.“ Den Österreicher könne und wolle er nicht ablegen, den Deutschen nicht annehmen – aber Berliner: das geht!

Laggner kam in den späten 1980er Jahren eher zufällig nach Berlin, weil er nach einer Verletzung für die Sommersaison keinen attraktiven Kellner-Posten am Wörthersee ergattern könnte. Mit einer Extra-Portion Schmäh fand er bald eine Stelle im Szene-Griechen Fofi, wo sich bis zum Mauerfall die Berliner-Schauspielerszene traf (die schreibende Kunst hatte das Florian als Stammlokal auserkoren, die bildende Kunst traf sich in der Paris Bar). Als Fofi Akrithakis ihr Kultlokal 1995 verkaufte, war es für Josef Laggner an der Zeit, sich selbständig zu machen. Ihm war klar, dass er etwas Besonderes machen müsse, also hat er gemeinsam mit dem ehemaligen Fofi-Koch die Berliner Kultmarke Lutter & Wegener nach 50 Jahren aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Doch in einem Lokal ist nicht für zwei Chefs Platz, also trennte sich Laggner nach kurzer Zeit vom Lokal in der Schlüterstraße, das sein ehemaliger Partner nach wie vor führt, und eröffnete am Gendarmenmarkt sein eigenes Lokal unter diesem Namen. Heute gehören auch eine Weinhandlung, die Newton Bar sowie das riesige Augustinerbräu dazu.


Auch wenn sich das Lutter & Wegener als Berliner Institution zelebriert („Prosecco haben wir nicht, trinken Sie einen Rieslingsekt“), ist die Liebe zu Österreich unübersehbar. Neben Wiener Schnitzel und Mehlspeisen, findet man zahlreiche österreichische Weine. Sogar die Fruchtsäfte stammen von Bernhard Ott.

Laggner setzt mit dem Lutter & Wegener auf Expansion. Neben einigen anderen Restaurants betreibt Laggner heute drei weitere Lutter & Wegener Dependancen in Berlin sowie Niederlassungen in Hamburg, Bonn, Osnabrück sowie auf Sylt. Und auch in der Villa Solitude, die Laggner in seiner Heimat Bad Gastein erworben hat, verwöhnt er die Gäste mit einem Lutter & Wegener Restaurant. 

 

Deutsch-österreichische Wein-Freundschaft

 

Vor über drei Jahren eröffnete mit der Cordobar ein weiteres Österreich-Lokal, bei dem drei Österreicher (die Miteigentümer Gerhard Retter und Willi Schlögl sowie Koch Lukas Mraz) und zwei Deutsche Christoph Ellinghaus und Jan-Ole Gerster) gemeinsame Sache machen. Eigentlich ist die Cordobar eine Weinbar, in der es Außergewöhnliches aus beiden Ländern zu trinken gibt. Doch trotz des lässigen Ambientes ist auch die Küche ganz hervorragend. Typisch österreichisch kocht Lukas Mraz zwar nicht (genauso wenig wie sein berühmter Vater in Wien), witzige Anspielungen auf seine Heimat wie eine Blutwurst-Pizza mit Kren gibt es hier jedoch regelmäßig.

 

 Links:

www.cordobar.net

www.cafeeinstein.com

www.restaurant-horvath.de

www.laggner-gruppe.de

www.riogrande-berlin.de

www.sarahwiener.de