Champagner-Flöten ins Ausgedinge



Bereiten Champagner und Sekt einen schnellen Tod: Flöten sind passé.








Warum Champagner aus Weingläsern besser schmeckt


Für guten Sekt aus Österreich gilt das gleiche wie für französischen Champagner. Wer diesen um sein Aroma bringen will, serviert ihn in einer schmalen Sektflöte. Die war einige Jahrzehnte lang modern, gilt aber mittlerweile als hoffnungslos out of date. Denn zwar kann man in der Flöte dem bemerkenswerten Spiel der aufsteigenden Bläschen zuschauen, aber was nutzt dieses Schauspiel, wenn diese keine Chance haben, das Aroma des Sprudels so freizusetzen, dass Nase und Gaumen des Trinkers daran Freude haben. Parfum und Komplexität eines guten Champagners, Spumantes oder Sektes haben in der engen Flöte einfach zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten.


Nicht nur Champagner-Freunde ordern deshalb in Bars und Restaurants Weingläser anstatt der Flöten, auch das Decanter-Magazin nahm sich der Sache unlängst (zum wiederholten Mal) an. Bei den heimischen Spitzen-Glas-Erzeugern Zalto und Riedelglas ist man sich ohnehin längst einig. Auch viele Restaurants servieren – und das weltweit – Champagner lieber in Weingläsern. Wobei sich viele Gäste dadurch anfangs verwirrt fühlen, bis sie den Unterschied merken. Der ist nämlich auf für den größten Laien nachvollziehbar.


Wie sagte es doch schon Maximilian Riedel vor einiger Zeit: „Ich arbeite daran, Champagner-Flöten obsolet zu machen.“ Riedel und Zalto bieten Freunden des Schaumweines klug ausgedachte Glasformen, in denen sich die herrliche Bubbles der Weine, die Duft und Geschmack in sich tragen, perfekt ausbreiten können.


Dass bei Tastings in der Champagner Weingläser schon seit langem das Non-Plus-Ultra sind und dort niemand auf Flöten setzt ist klar. Auch die österreichischen Spitzen-Sekt-Macher wie Ebener Ebenauer oder Bründlmayer servieren ihre Weine in Weingläsern. Für besonders ausdrucksvolle Schaumweine kommen sogar bauchige Burgundergläser in Frage.


Jedenfalls sicher nicht das, was in der Wiener Ballsaison geläufig zu Champagner oder Sekt serviert wird. Rührend altmodisch zum einen, leider auch mangelhaft funktionell zum anderen.


Im The Jane in Antwerpen wird übrigens zum Hauschampagner eine Sektschale serviert. Vielleicht ohnehin der Trend von morgen. 



Text: Alexander Rabl