Champagner-Produzent möchte Frankreichs Präsident werden.

Taittinger nicht nur im Glas, sondern auch im Ellysée-Palast, so der Wille des Chefs des Champagner-Hauses.


Hat Pierre-Emmanuel Taittinger das Zeug zum Präsidenten Frankreichs?


Die berühmten Champagnermacher hatten immer schon einen Zug zur Größe, manches Mal dann auch zum Größenwahn. Wobei sich das eine und das andere wechselseitig bedingen. Pierre Emmanuel Taittinger hat gerade angekündigt, das Amt des Präsidenten von Frankreich anzustreben. Wie man in Österreich sagen würde – a b’soffene G’schicht?


Taittinger ist von seinem Auftrag überzeugt: "Die Mehrheit der Franzosen wird mich unterstützen und ich werde in neun Monaten Präsident der Republik sein."  Eine Ansage, ohne vorher eine Flasche geleert zu haben? Frankreich befinde sich im "Krieg", sagt der Chef des Familienunternehmens, und zwar in einem ökonomischen und sozialen.

Taittingers Großvater Pierre hatte das gleichnamige Champagner-Haus in den 30er-Jahren gegründet und war 1973/74 Justizminister unter Präsident Georges Pompidou. Sein Enkel hat sich als Champagnermacher, aber bisher nicht als Politiker profiliert. Für seine Kandidatur für die Wahl im Frühjahr 2017 müsste er mindestens 500 Mitglieder gewählter Körperschaften als Unterstützer gewinnen.

Was wichtiger ist oder zumindest auch für Champagner-Freunde relevant, die in Frankreich nicht zu den Wahlberechtigten zählen: Taittingers Jahrgangs-Champagner Comte de Champagne zählt ohne Zweifel zu den besten und berühmtesten Prestige-Champagnern der Welt, die Rosé-Ausgabe (ohne Jahrgang) ist immerhin sehr gut. Der „alltägliche“ Taittinger ist ein vornehmer Vertreter des Schaffens großen Champagner-Winzer, kein Avantgardist - aber sicher ein guter Begleiter fürs Frühstück im Ellysée-Palast.


Text: Alexander Rabl