Die Krise des Champagners ist auch eine Krise des Luxus

Wenig Grund zum Feiern haben die großen Champagnerhäuser Frankreichs.

Am Markt für Schaumweine finden gerade ein paar kleine tektonische Verschiebungen statt. Wobei vor allem die Weine aus der Champagne stark unter Druck geraten. Dabei geht es wie immer um den Preis, denn die Qualität von Champagner ist nicht gesunken, die Preise aber im Vergleich zur Konkurrenz zu hoch.

 

In der Champagne sagt man, dass der Kauf eines Weingartens, wo auch immer, in zehn Jahren zu verdienen wäre. Ab dann wäre ein Unternehmer oder Winzer in der Gewinnzone. Das gibt es kaum in anderen Weingegenden. Die Preise der Champagner liegen deutlich über denen von anderen Schaumweinen, was mit der Qualität und der aufwändigen Zubereitung begründet wird. Doch den Konsumenten ist das mehrheitlich egal.

 

Der Hauptkonsument Frankreich liegt im Luxussegment darnieder, da nach den Attentaten in Paris und Nizza immer weniger betuchte Touristen aus Asien und Übersee ins Land kommen. Weshalb auch die Läden an den Flughäfen, wichtige Umsatzbringer für Champagner, weniger verkaufen. Und weil die wirtschaftliche Lage in Frankreich wenig rosig ist, sparen die Franzosen selbst.

 

Währenddessen macht sich auch im Rest Europas der Trend zu mehr Genügsamkeit bemerkbar und das sogar in der champagnerfreudigen Weihnachtszeit. Außerhalb von Frankreich verzeichnete Champagner beispielsweise in Deutschland einen leichten Rückgang im Umsatz. Cava und Prosecco legten hingegen zu.

 

Problemkind der französischen Weinindustrie ist aber vor allem Großbritannien. Nach der Abwertung des Pfund haben sich dort die Preise für Champagner drastisch erhöht beziehungsweise sind im Begriff, das zu tun. Die Importeure können gar nicht anders als die währungsbedingte Teuerung an die Kunden weiterzugeben. Die sind aber mehrheitlich nicht bereit, höhere Preise zu bezahlen, weil erstens die Konkurrenz aus Italien und Spanien ins Land drängt und zweitens die britische Sektindustrie selbst gerade Gas gibt.

 

Für die großen Champagnerhäuser, die ihr Geschäft mit der Masse machen, wird es deshalb schwer. Doch vielleicht sehen kleine Produzenten in einem stark umkämpften Markt eine Chance, sich zu profilieren.

 

Text: Alexander Rabl