Getränk

Die besten Weine Chinas

Lenz Maria Moser XV – das ist nicht nur in Österreich ein klingender Name, man kennt ihn von Kalifornien bis nach China. Schließlich war er in den letzten 30 Jahren vor allem für Robert Mondavi rund um den Globus unterwegs. Seit fünf Jahren ist Moser für die Produktion und den Export der Weine von Châteaux Changyu in Ningxia (China) verantwortlich. Bei Wein & Co fand vor kurzem eine außergewöhnliche Verkostung mit den besten Weinen Chinas statt.

 

China ist ein großes Land und hat eine lange Geschichte – auch beim Weinbau. Historische Funde belegen, dass in China seit über 4.000 Jahren Weinbau betrieben wird. Und doch spielt der Weingenuss im modernen China eine untergeordnete Rolle und auch der Weinbau steckt noch im Anfangsstadium. „Bis vor fünf Jahren haben mir auch die teuersten chinesischen Weine keinen Spaß gemacht, aber Dinge ändern sich in China mit dramatischer Geschwindigkeit – auch bei der Weinproduktion“, sagte Lenz Moser vor kurzem bei einem außergewöhnlichen Tasting, zu dem er gemeinsam mit Wein & Co Chef Willi Klinger geladen hatte. Dort wurden zehn der besten chinesischen Weine in einer verdeckten Verkostung zehn österreichischen Top-Weinen gegenübergestellt.


 

Dabei wurden Ikonen der heimischen Rotweinlandschaft wie Bela Rex (Gesellmann), Ried Salzberg (Heinrich), Rosenberg (Markowitsch), Rêve de Jeunesse (Pöckl), Lutzmannsburg Alte Reben (Moric), Steinzeiler (Kollwentz) und Battonage mit den besten Rotweinen Chinas in Zweierflights gegen- beziehungsweise miteinander verkostet. Und siehe da, vor allem die fünf Top-Weine Chinas konnten neben den bekannten Österreich-Granaten durchaus bestehen, wenngleich sie, das sei fairerweise gesagt, zumeist deutlich mehr kosten.

 

Das große Vorbild Bordeaux

„Die Weinkultur in China steht erst am Anfang. Wein wird zumeist als Prestige-Produkt betrachtet und da orientiert man sich an den bekanntesten und teuersten Weinen der Welt – sprich Bordeaux. Deshalb wird momentan auch fast ausschließlich Cabernet Sauvignon angebaut, obwohl sich für die chinesische Küche eigentlich Weißweine besser eignen würden“, erklärte Lenz Moser. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Chinesen ist derzeit noch verschwindend gering und doch haben bei einer groß angelegten Umfrage über 90 Prozent der unter 30-Jährigen angegeben, dass Wein ihr bevorzugtes alkoholisches Getränk wäre. Schließlich sieht man in westlichen Filmen, dass man in guten Restaurants stets Wein trinkt. Und auch die chinesische Regierung sieht die Zunahme des Weinkonsums positiv, weil sie dazu beitragen soll, den übermäßigen Genuss von hochprozentigen Spirituosen zurück zu drängen.


„Sollten tatsächlich alle Chinesen über Nacht anfangen, regelmäßig Wein zu trinken, hätten wir statt eines weltweiten Überschusses plötzlich einen dramatischen Engpass. Doch der Konsum wird wohl eher schrittweise steigen. Über kurz oder lang wird sich China jedoch zu einem der wichtigsten Weinabsatzmärkte der Welt entwickeln und das wird dann auch für die österreichische Weinwirtschaft sehr interessant “, ist Lenz Moser überzeugt. ÖWM-Chef Chris Yorke, der bei dieser hochkarätigen Verkostung ebenfalls dabei war, teilt diese Einschätzung.


 

Exporte und Importe

„Der Export chinesischer Weine wird auf absehbare Zeit ein Nischenprojekt bleiben, auch wenn ich mit aller Kraft daran arbeite, die Weine unseres Château Changyu international bekannt zu machen“, meinte Moser. Momentan sind die Mengen an qualitativen Top-Weinen made in China noch überschaubar und die Nachfrage in China selbst stark steigend. Dennoch ist eine gewisse Präsenz auf traditionellen Weinmärkten wie Europa und den USA vor allem für das Image entscheidend“, so Moser. Die Präsenz auf den Weinkarten von internationalen Top-Restaurants ist dabei laut Moser besonders wichtig.


Das Château Changyu liegt in der Region Ninxia rund 1.300 Kilometer westlich von Peking und ist das älteste Weingut Chinas. Es wurde 1892 von einem chinesischen Diplomaten gegründet, der damals übrigens einen Önologen aus Österreich engagiert hatte. Heute gehört Château Changyu zu einer Investorengruppe, die noch 20 weitere Weingüter betreibt, die sich im Aufbau befinden.




Auch internationale Investoren haben China als Zukunftsmarkt inzwischen entdeckt. Die Domaine Barons de Rothschild produziert mit dem Long Dai einen echten Kultwein, der in China über 300 Euro kostet. In dieser Preisklasse bewegt sich auch der Ao Yun aus dem Hause Moët Hennessy, der ebenfalls verkostet wurde. Ebenfalls sehr gut zeigte sich die Bordeaux-Cuvée Kalavinka von Legacy Park, hinter dem chinesische Investoren stehen. Im Vergleich dazu ist der Cabernet Sauvignon „Purple Air From The East“, den Lenz Moser vor vier Jahren für das Châteaux Changyu gekeltert hat, mit 190 Euro geradezu ein Schnäppchen.

 

Eine Frage des Preises

„Die Preisgestaltung ist ein sehr sensibles Thema, bei dem man viel falsch machen kann. Schlussendlich interessiert den Konsumenten ja nicht, wie unterschiedlich die Produktionskosten in China, Frankreich, Argentinien oder den USA sind“, so Moser. Der Einstiegswein Helan Mountain kostet bei Wein & Co knapp 13 Euro, der Moser Family 33 Euro und der Moser XV 70 Euro. Das sei laut Moser zwar nicht billig, aber doch sehr preiswert. Doch was sagt er zum Preis von 190 Euro für seinen Purple Air from The East? 


Verglichen mit den deutlich teureren Weinen von Rothschild und Moët Hennessy ist er zwar fast ein Schnäppchen, gegenüber den verkosteten Top-Weinen aus Österreich erscheint er jedoch relativ teuer. „Die Mengen sind sehr gering und es stellt sich immer die Frage, in welchen Märkten man mit seinem Top-Wein präsent sein will. Für den chinesischen Heimmarkt ist dieser Wein eher zu günstig positioniert, in Österreich erscheint der Preis nur deshalb hoch, weil unsere besten heimischen Rotweine eigentlich zu billig sind. Für den internationalen Markt erscheint mir der Preis genau richtig“, erklärte Moser.


 

Weiße Raritäten zum Auftakt

Zum Auftakt der Verkostung wurden übrigens zwei richtige Raritäten präsentiert – nämlich echt gute chinesische Weißweine, die von Lenz Moser höchstpersönlich gekeltert wurden. Wie das geht, wenn die Weingärten ausschließlich mit Rotwein bepflanzt sind? Ganz einfach, es handelt sich um Blanc de Noir auf Cabernet Sauvignon Basis. „Die Eigentümer hatten meine Idee, auch Weißwein zu keltern, anfangs belächelt, aber mittlerweile schmeckt er ihnen sehr gut. Außerdem bin es ja ich, der diese Weine verkaufen muss“, sagte Moser. Verkaufsprobleme gibt es jedenfalls keine. Die Mengen sind gering und die Preise vergleichsweise günstig (13 Euro für den Helan Mountain, 25 Euro für den Moser Family).


Gleichzeitig hatte Moser bei diesem Projekt einen wohl bedachten Nebeneffekt der Blanc de Noir-Kelterung im Hinterkopf. Der nach dem Abzug des Weißweins verbleibende Rotwein ist deutlich extraktreicher und vollmundiger. Das ist vor allem bei jüngeren Rebstöcken hilfreich und wertet die Rotweine im mittleren Preissegment auf, ohne dass man zu unlauteren „Tricks“ greifen muss.


Und wer weiß, vielleicht kann Moser die Chinesen ja doch noch von den sensorischen Vorzügen guter Weißweine überzeugen und irgendwann damit beginnen, auch weiße Rebsorten zu pflanzen? Es wäre sicherlich reizvoll, in der Zukunft einmal einen Grünen Veltliner made in China zu trinken.


Text: Wolfgang Schedelberger