Die Schrift zum vierhundertjährigen Jubiläum des Schwarzen Kameels



Das sagte Joel Robuchon: „Bei einem guten Restaurant machen mindestens 50% die Atmosphäre aus.“ Was für Restaurants gilt, muss auch für Bücher über Restaurants gelten. Tatsächlich ist das Buch über die Wiener Innenstadt-Institution (das Wort Institution muss bei jeder Besprechung dieses Ortes einfach mit) namens „Schwarzes Kameel“ ein atmosphärisch äußerst dichtes Werk geworden.
 
Das Buch wirft nicht nur einen Blick auf die in Wien sicher einmalige Zusammensetzung des Kameel-Publikums, welches die Contenance des Service manchmal zweifellos auf eine harte Probe stellt. Es wirft auch einen Blick in die Weinkatakomben im vierten Kellergeschoss und beschreibt gleichzeitig die Demokratisierung dieses Getränks, das in der Bar auch als preisgünstiger Gspritzter zu bekommen ist.
 
Natürlich wird dem Schinkenbrot mit Kren, dem vermutlich berühmtesten Schinkenbrot der Welt, gebührlich Platz eingeräumt. Wie auch der Tatsache, dass man sich im Kameel eigentlich nahezu rund um die Uhr vom Frühstück über Mittag bis zum mitternächtlichen Imbiss stärken und erfrischen kann.
 
Peter Friese, Kameel-Patron, kommt ebenso zu Wort und Bild wie sein bereits zu Lebzeiten legendärer „Kaiser Franz Josef“-Maitre Gensbichler, der keinen Schluck Alkohol trinkt und sich trotzdem auskennt wie wenige andere.
 
Bemerkenswert, wie es dem Fotografen Peter Rigaud dann trotz der neuen und viel strengeren Bildrechte in der EU gelungen ist, immer wieder Menschen und Publikum ins Bild zu setzen, welche ja wie erwähnt so viel zum Gesamtkunstwerk Schwarzes Kameel beitragen. Christian Seilers Texten merkt man große Ortskenntnis und eine gewisse Liebe zum Beschriebenen durchaus an.
 
Das Buch wird dem Touristen Vergnügen bieten und ihm ein Stück Wiener Lebensgefühl vermitteln, wie es auch dem Kameel-Stammgast vielleicht den einen oder anderen neuen Blickwinkel sein Lieblings- Lokal eröffnet.
 
Das Buch ist im CSV erschienen und im Restaurant erhältlich.


Text: Alexander Rabl