Ein französisches Gesetz gegen Verschwendung von Lebensmitteln



Weniger wegwerfen bedeutet mehr für Wohlfahrtorganisationen und ihre "Tafeln"










In Frankreichs Supermärkten darf nichts mehr weggeworfen werden


Ein neues Gesetz verbietet Supermärkten in Frankreich, nicht verkaufte Lebensmittel wegzuwerfen. Das französische Gesetz ist weltweit ein Novum. Lebensmittel, welche Supermärkte sonst vernichten oder wegschmeißen würden, müssen in Frankreich ab jetzt an Wohltätigkeitsorganisationen und an die Tafeln gespendet werden. Das gilt für alle Supermärkte ab einer Größe von 400 Quadratmetern. Das Gesetz wird bereits seit einem Jahr auf den Weg gebracht, nun hat der französische Senat es einstimmig beschlossen. Halten sich Händler nicht daran, drohen ihnen Bußen von bis zu 75.000 Euro oder Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren.


Aktivisten in Frankreich haben lange für dieses Gesetz gekämpft, jetzt hoffen sie, dass der Rest der Europäischen Union sich daran ein Beispiel nimmt und ähnliche Gesetze auf den Weg bringt. In anderen Ländern gibt es freiwillige Programme, die es den Händlern einfacher machen sollen, Lebensmittel an karitative Organisationen zu spenden, allerdings landen durch geltende Regulierungen am Ende doch die meisten Lebensmittel in der Tonne.


Jacques Bailet ist Vorsitzrnder der Fédération française des banques alimentaires, dem Verband der französischen Tafeln. Im Gespräch mit dem Guardian beschrieb er das neue Gesetz als „positiv und von starker Symbolkraft.“ Dadurch können die Tafeln mehr und vor allem nahrhafteres Essen ausgeben.


„Zur Zeit können wir nicht alle Nährstoffe abdecken: Wir haben zu wenig Fleisch sowie Obst und Gemüse“, so Bailet gegenüber der britischen Tageszeitung. „Jetzt bekommen wir davon hoffentlich mehr.“


Die meisten Lebensmittel kann man auch noch ohne Bedenken essen, obwohl sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Dieses Datum ist ein Schätzwert der Hersteller, bis wann Eigenschaften wie beispielsweise Geschmack und Aussehen mindestens behält. Viele Verbraucher würden keine Lebensmittel über dem Mindesthaltbarkeitsdatum kaufen, daher landen sie bei den Händlern oft einfach im Müll. Frankreich steht nicht allein vor einem riesigen Berg mit vermeidbaren Lebensmittelabfällen. Essensverschwendung ist ein weltweites Problem, vornehmlich ein westliches Problem. Die Schuld dafür tragen Endverbraucher und auch der Handel.


Gespannt wartet man auf vergleichbare Aktionen beziehungsweise Gesetze in Österreich. Die Zahl der Tonnen an im Jahr vernichteten Gemüse, Obst, Brot und Milchprodukte ist um ein vielfaches zu hoch. Und die Konkurrenz an den heimischen „Tafeln“ wird größer. 


Text: Alexander Rabl