Ein Trio in der Schlossküche











































Dass ein Restaurant auf Anhieb zwei Hauben erhält, ist bemerkenswert – vor allem, wenn es sich bei den Betreibern um Quereinsteiger handelt. Doch die Geschichte von Markus Katschnig und Martin Prückler sowie ihres Küchenchefs Roland Pieber ist genauso bemerkenswert wie die Location des Restaurants Balthasar in der Schlossküche Walpersdorf.   

 

Mit ihrer Schlossküche Walpersdorf haben Markus Katschnig und Martin Prückler einen richtigen Blitzstart hingelegt. Der junge steirische Küchenchef Roland Pieber hat dem Balthasar (so der Beiname der Schlossküche) auf Anhieb zu zwei Hauben im aktuellen Gault&Millau Guide verholfen, obwohl erst im Mai 2016 aufgesperrt wurde.


Der bekannte Gartenmöbel- und Einrichtungsspezialist Markus Lederleitner erstand 2013 das Schloss Walpersdorf und hat es mit gewaltigem Aufwand mustergültig renoviert. Neben dem wohl elegantesten Showroom des Landes sorgen Ausstellungen und Konzerte für Leben in den alten Gemäuern. Die wunderbar renovierte Kapelle steht für Hochzeiten zur Verfügung. Von Mai bis Oktober ist dieses imposante Märchenschloss eine der spektakulärsten Eventlocations Österreichs.

 

Ein Steirer startet im Traisental durch

Diese werden zumeist von der Schlossküche gecatert – aber natürlich ist das Balthasar vor allem einmal ein Restaurant, das von Donnerstag bis Sonntag durchgängig geöffnet hat. Mit dem jungen Steirer Roland Pieber haben die beiden Neo-Gastronomen einen richtigen Glücksgriff gemacht. Pieber hat mehrere Jahre bei Gerhard Fuchs im Kreuzwirt gearbeitet und war zuletzt als Küchenchef im Fontana Royal tätig.

Er beschränkt sich fast ausschließlich auf regionale und saisonale Grundprodukte, weiß diese jedoch immer mit einem speziellen Kick zu versehen, sodass jeder Teller überrascht, auch wenn man scheinbar Bekanntes serviert bekommt.

Wer ein bisschen Zeit und etwas Hunger mitbringt, fährt mit einem vier- beziehungsweise fünfgängigen Menü samt Weinbegleitung am besten, aber auch die á la Carte Gerichte sind absolut empfehlenswert. Besonders beliebt sind Eintopf- und Schmorgerichte, die auf dem großen, holzbefeuerten Herd, der mitten im Gastraum steht, langsam zur Perfektion köcheln. Von einer Haubenküche zum Schnäppchenpreis zu sprechen wäre vielleicht etwas übertrieben, aber das Preis-/Leistungsverhältnis ist absolut in Ordnung.

 

Zwei Kärntner Freunde wollen es wissen

Markus Katschnig und Martin Prückler kennen sich seit ihrer in Jugend in Klagenfurt, waren gemeinsam beim Heer und sind dann auch gemeinsam nach Wien zum Studieren gegangen. Bald wurde ihnen klar, dass man einen Nebenjob braucht. Also begannen sie 1989 bei dem damals weitgehend unbekannten Caterer Do & Co zu jobben. Sie wuchsen mit dem Unternehmen mit und übernahmen bald leitende Aufgaben. Das Studium rückte in den Hintergrund. Martin Prückler entschied sich 1996, das BWL-Studium doch zu einem Abschluss zu bringen und arbeitete die nächsten 20 Jahre für Alcatel und Kapsch im internationalen Management. Doch im Herbst 2015 hatte er von diesem Leben genug: er wollte etwas Eigenständiges machen, nur wusste er nicht genau, was.


Katschnig blieb elf Jahre lang bei Do & Co, bevor er zu einer internationalen Eventagentur in die Schweiz ging. Dort hat er Catering-Konzepte für Großveranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien oder die Olympischen Spiele in Sotchi entwickelt und betreut. Vor zwei Jahren kehrte Katschnig aus privaten Gründen in die Heimat zurück – ebenfalls ohne konkrete Vorstellungen, wie es beruflich weitergehen sollte. Was lag näher, als mit dem ältesten Freund über die Zukunft zu sprechen.


„Wir wollten zwar irgendetwas Gastronomisches machen, aber ein Restaurant am Land war eigentlich nicht geplant. Wir sind zufällig nach Walpersdorf gekommen und haben uns auf Anhieb in diesen Ort verliebt. Das war als Geschäftsgrundlage aber zu wenig. Ganz entscheidend ist für uns, dass wir hier auch Großveranstaltungen als Caterer betreuen können. Von diesem Geschäft verstehen wir beide ja ein bisschen etwas“, meint Katschnig.


Mit den Wendungen, die ihre Leben vor zwei Jahren genommen haben, sind die beiden „Quereinsteiger“ bis jetzt sehr glücklich. Gastgeber zu sein ist einfach eine wunderbare Rolle und das eigene Unternehmen zu führen macht auch Spaß. „Und dass wir auf unsere alten Tage endlich etwas gemeinsam machen, war ja auch irgendwie überfällig. Eigentlich haben wir darüber ja schon vor 20 Jahren gesprochen, aber erst jetzt war die Zeif dafür reif“, erklären die beiden unisono.


Text: Wolfgang Schedelberger