Ein Wein in Sommerlaune


(c) RoSée Connection




(c) ÖWM/Anna Stöcher


Rosé hatte die längste Zeit den eher schlichten, einfachen Ruf als nicht wirklich ernst zu nehmender Terrassenwein. Die letzten Jahre hat sich aber Einiges getan.


Rosafarbener Wein im Glas – das bedeutet Sommer, freie Zeit, ein Gartenfest mit Freunden oder ein Sonnenuntergang zu zweit am See. Wenn die Temperaturen steigen und sich die Menschen beim Barbecue, Picknick oder im Straßencafé treffen, hat man wieder Lust auf den frischen, lachsfarbenen bis kirschroten Wein. In Österreich ist der Trend unaufhaltsam, auch weltweit zeichnet sich das ab. Teil des Erfolges sind Winzer, die sich engagieren und über den eigenen Glasrand hinaus schauen.


Es war eine Reise nach Frankreich, die Bernadette und Markus Altenburger zum Nachdenken über das Thema Roséwein brachte. Das junge Winzer-Couple aus Jois am Neusiedlersee fand die Art und Weise, wie Rosé in Österreich hergestellt wurde und den Stellenwert den er deshalb hatte, mehr als schade. Vielfach wurden für Roséweine Trauben verwendet, die nicht zum Rotwein taugten aber für Rosé noch kellertechnisch mit kühler Vergärung plus Reinzuchthefe optimiert wurden. Das Produkt: ein meist hellrosa bis pinkfarbiger Wein, der oft nicht mehr als eine frische Säure und künstlich wirkende, dropsige Noten hatte. Was die Altenburgers in Frankreich an Rosé kosteten war dagegen hochwertig und machte ihnen so viel Spaß, dass sie sich 2012 entschlossen das Projekt „RoSée Connection“ zu starten. Ihr Ziel: dem heimischem Rosé ein anderes Gesicht zu geben. Seither keltern sie jährlich drei verschiedene Weine – einen leichten, fruchtbetonten (Jerry & Barry), einen im südfranzösischen Stil (En Garde) und einen reinsortigen, lagerfähigen (Witzbold) und haben damit verdienten, großen Erfolg.


Die Altenburgers blieben mit ihren Bemühungen um den Rosé aber nicht alleine. Überall tat und tut sich etwas. Auch in Niederösterreich. Das Power-Duo der Domäne Wachau Roman Horvath und Heinz Frischengruber, mit ihren Genossen seit Jahren auf einem hochqualitativen Erfolgskurs, griffen das Thema auf. Ihr Ziel war ein lagerfähiger Wein auf bestem Niveau, der im Sommer, eine ernstzunehmende Alternative zu Rotwein ist, aber auch das ganze Jahr über schmeckt. Dazu wird Pinot Noir und Zweigelt so spät wie möglich geerntet, auf der Maische angegoren und lange in kleinen Eichenholzfässern ausgebaut. Das Etikett des Weines erinnert übrigens an das Zusammentreffen der Napoleonischen Truppen mit dem alliierten Österreichisch-Russischen Heer im Jahre 1805 bei Loiben. Ein Roséwein impliziert wohl förmlich, wie auch hier, eine Anlehnung an Frankreich. Und: Jener der Domäne steht den Klassiker der Grande Nation in seiner Vielschichtigkeit, seiner rauchigen Würze und seinem Potential um nichts nach.


Gerhard Pittnauer, bio-dynamisch arbeitender Winzer aus Gols, verfolgt beim Rosé einen ganz eigenen Stil. Als Hedonist hat er nicht nur eine große Schwäche für authentischen Wein, er ist auch Musikliebhaber und Cineast. Inspiriert haben Pittnauer die „Dogma“ Filme der dänischen Regisseure um Lars von Trier und Thomas Vinterberg. Die beschlossen ein Manifest um mit einfachsten Mitteln wie der Handkamera zurück zum Ursprung des Qualitätsfilms zu kommen. Quasi als Gegenpol zu Hollywood. Pittnauers „Dogma“ Weine schlagen in die gleiche Kerbe. Es geht ihm um das Wesentliche, um die Abkehr von der übertechnisierten Weinproduktion. Er verzichtet bei seinen „Dogma“ Weinen auf kellertechnische Eingriffe, vergoren wird spontan, abgefüllt ohne Schwefel. Das oberste Ziel ist und bleibt hochwertiger Wein. Der ewig suchende Winzer sagt selbst, dass er sich durch diese Art Wein zu machen ständig weiter entwickeln könne. All das bringe ihn zurück zu seinen Wurzeln und zum wahren, natürlichen Genuss.


Top 10 Roséweine aus den Gault Millau Verkostungen

  1. 2015 Rosé 1805 Reserve, Domäne Wachau

Würzig, vielschichtig und rauchig, samt roter Frucht – dieser strukturierte Rosé ist eine wirkliche Ausnahme-Erscheinung und hat dazu Lagerpotential.

www.domaene-wachau.at – 14 Euro


  1. 2015 Dogma Rosé, Weingut Pittnauer

Schon die Farbe – dichtes Himbeerrosa – ist ein Hingucker. Der spannende, bio-dynamisch produzierte Wein ist super-leicht, elegant und gleichzeitig tiefgreifend.

www.pittnauer.com – 12 Euro


  1. 2014 Witzbold Rosé, RoSée Connection

Dieser Statement-Rosé ist sowohl ernsthaft als auch fröhlich, darf durchaus noch lagern, macht mit seiner Kräuterwürze aber auch diesen Sommer schon perfekte Figur.

www.rosee-connection.at – 19 Euro


  1. 2015 Rosé, Weingut Andert

Anderts dunkler Rosé gleicht in all seinen Attributen einem Tavel (Anm.: Kult-Rosé aus Südfrankreich). Er ist dicht, schmelzend und abseits des Mainstream.

www.pamhogna.at – 8,50 Euro


  1. 2015 Zweigelt Rosé Elf, Reinhard Winiwarter Winery

Erinnert an einen Sommer in der Provence – im Duft würzig und mineralisch, mit viel Kraft und Feuer am Gaumen, außergewöhnlich dicht und lang.

www.rw-winery.com – 17,50 Euro


  1. 2015 Zweigelt Rosé, Weingut Martin Diwald

Ein hinreißend frischer, nach Kräutern und Orangen duftender Bio-Rosé. Perfekt fürs Sommerfest oder einen romantischen Sundowner zu zweit. Vegan zertifiziert.

www.weingut-diwald.at – 7,50 Euro


  1. 2015 Schilcher Langegg, Weingut Friedrich

Rosé aus der Weststeiermark wie er sein soll – nach Ribiseln duftend, kraftvoll-erfrischend in der Säure und belebend. Ideal zu Bauernbrot, Speck und Bergkäse.

www.friedrich-schilcher.at – 7,80 Euro


  1. 2015 En Garde Rosé, RoSée Connection

Ein mineralisch, salzig-würziger und hochwertiger Rosé, der die beste Begleitung für einen lauen Sommerabend und zum Grillen mit Freunden abgibt.

www.rosee-connection.at – 11 Euro


  1. 2015 Rosé, Weingut Paul Achs

Eine Cuvée aus den klassischen Rotweinsorten des Burgenlands. Beerig-würzig, lebendig und lebenslustig, schmeckt nach einem Abend am Neusiedlersee.

www.paul-achs.at – 7 Euro


  1. 2015 Rosé, Weingut Soellner

Beste Bio-Qualität, duftet nach hellen Beeren und Sommerwiese. Ideal zu Salat, Antipasti und mehr. Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

www.weingut-soellner.at  - 6 Euro