Gastwirt-Landwirt-Betriebswirt?






















































Kokett könnte man Peter Zangerl als Nebenerwerbsbauern bezeichnen, denn als Brotberuf betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Maria das Sporthotel Silvretta in Ischgl. Doch die Erwerbskomponente spielt für den Landwirt Zangerl nur eine untergeordnete Rolle, wenngleich er seinen neuen Bauernhof sehr ambitioniert betreibt.

       

Die meisten Hoteliers in Ischgl haben einen familiären Bezug zur Landwirtschaft. Bevor das Paznaun touristisch erschlossen wurde, bemühten sich die Einheimischen, während des kurzen Sommers mit Viehwirtschaft genug Lebensmittel zu produzieren, um über die langen Wintermonate zu kommen.


Mit dem aufkommenden Fremdenverkehr wurde alles anders. Das Geld wurde im Winter mit der Vermietung von Gästebetten verdient, der Betrieb der Landwirtschaft im Sommer spielte – zumindest ökonomisch betrachtet – keine Rolle mehr und ging deutlich zurück. Wieso soll man sich die Hände schmutzig machen, wenn man mit touristischen Dienstleistungen wesentlich leichter wesentlich mehr verdienen kann? Dazu kam noch, dass der verzerrte Wettbewerb des europäischen Agrarmarktes ein profitables Betreiben von Bergbauernhöfen trotz verschiedener Förderungen kaum möglich machte.


Auch Peter Zangerl befand sich in einer derartigen Zwickmühle. Das elterliche Hotel lief zwar wunderbar, doch die nebenher betriebene Landwirtschaft brachte außer viel Arbeit nur wenig ein. Gleichzeitig liebte Zangerl jedoch die Arbeit mit den Tieren und verbrachte jede freie Minute bei seinen Kühen. Als vor ein paar Jahren ein größerer Umbau des Hotels anstand, entschied sich Zangerl zu einem weitreichenden Schritt. Die ehemalige Garage für Traktor und landwirtschaftliches Gerät wurde ins Hotel integriert und er errichtete auf der grünen Wiese einen großen, modernen Bauernhof.


Für einen Betriebswirt macht eine derartige Investition nur wenig Sinn, zumindest, wenn man nur den kurzfristigen Return-on-Investment sieht. Man kann das Ganze jedoch auch anders betrachten. „Ich will, dass auch meine Kinder in einer intakten Naturlandschaft aufwachsen und – so wie unsere Vorfahren – ehrliche Produkte essen können, die nicht von weit her importiert werden müssen“, so Zangerl.


Der Blick nach hinten ist für Zangerl gleichzeitig ein Blick nach vorne. Dem Vieh wird zwar viel Auslauf gewährt – und das auch im Winter. Gleichzeitig ist der Betrieb top-modern, auch wenn er von außen wie ein traditionelles Bauernhaus wirkt, das sich harmonisch in die Landschaft einpasst.


Die Milchproduktion für den eigenen Bedarf und die Käserei im benachbarten Galtür spielen für Zangerl nur eine untergeordnete Rolle. Ihm geht es vor allem um das Fleisch. Und da nimmt er das Ideal, dass Fleisch von glücklichen Tieren einfach besser ist, ernst. Neben viel Auslauf und der Fütterung mit Heu von den umliegenden Almen, hat auch die Schlachtung eine entscheidende Auswirkung auf die Qualität des Fleisches. Deshalb hat er einen eigenen Schlachtraum samt großzügig dimensionierten Kühlräumen errichten lassen. Ein eigener Mitarbeiter beschäftigt sich ausschließlich mit Fleisch und verarbeitet Teile zu Würsten und Schinken. Auch Wild aus dem Paznaun wird hier für das Restaurant küchenfertig zubereitet.


Und dann beschäftigt sich Zangerl auch intensiv mit der Suche nach der perfekten Rasse. Zum überwiegenden Teil hat er Tiroler Braunvieh, das er jedoch mit japanischem Koberind kreuzt. „Die beiden Rassen passen gut zueinander, aber wir brauchen wohl noch ein paar Jahre, bis wir den perfekten Mix gefunden haben. Beim Züchten von Rindern geht es vor allem um Erfahrung“, weiß der begeisterte Landwirt.


Anfang Dezember hat Zangerl im Hotel das A la Carte Restaurant Stiar eröffnet, wo mit Gunther Döberl ein junger 2-Haubenkoch am Herd steht. Das Thema Rindfleisch spielt hier natürlich eine zentrale Rolle, wobei sich Döberl nicht nur auf Steak & Co beschränken, sondern auch weniger gängige Teile forcieren will.

 

www.sporthotel-silvretta.at