Veranstaltung

Gelinaz!

Manu Buffara (Brasilien), Magnus Nilsson (Schweden), Konstantin Filippou (Wien)




Rene Redzepi (Dänemark) im Gespräch mit Magnus Nilsson (Schweden)




Die Gäste taumeln über die von den Köchen gebaute Brücke




Open-air-Küche bei 10 Grad im August. Am Mühltalhof ist vieles möglich.










Lukas Nagl (Traunsee), Antonia Klugmann (Italien), Virgilio Martinez (Peru)




Heinz Reitbauer im Gespräch mit Margot Janse (Südafrika)



Fotocredit: Tom Mesic

22. August 2017


Weltbekannte Köche kommen an eine unbekannte Location und kochen mit unbekannten Kollegen und mit unbekannten Zutaten. Gelinaz – eine Chef-Challenge, die alle Zeitzonen streift.

 

Gelinaz war hier. Wer? Während man noch fieberhaft überlegt, ob es sich hier um einen neuseeländischen Techno-Musiker oder einen südamerikanischen Experimentalkünstler handelt, der einem leider entgangen ist, schüttelt der erfahrene Foodie verständnislos den Kopf. „Gelinaz!!! Wo lebst du eigentlich? Das ist der coolste Chef-Shuffle ever!“ Während man also Chef Shuffle googelt, dämmert es im Hinterkopf. Da war doch dieser Gastro-Netzwerker, der Köche aus der ganzen Welt an einen Herd stellt, wo sie mit ungewohnten Zutaten ein lokales Gericht interpretieren sollen. Ah ja.

 

Gelinaz heißt also die Veranstaltung und sie war toll. Der Gastro-Netzwerker hinter dem Event heißt Andrea Petrini, hat nach Gent, Lima, New York, der Toskana, London, São Paulo, San Francisco, Brüssel und zwei weltweiten Events nun den oberösterreichischen Mühltalhof auserkoren, wo vergangenen Sonntag weltweite Kochgrößen alle kulinarischen Grenzen überwanden. Aus Slowenien, aus Kanada, aus Hongkong, aus New York. Köche und Köchinnen, deren Namen alleine schon die Herzen der Gastro-Szene zum Rasen bringen – der Kopf der Momofuku-Gruppe und TV-Größe David Chang aus N. Y., die derzeit als "Beste Köchin der Welt" gelistete Ana Roš, „Asia’s best female chef“ May Chow aus Hongkong, Noma-Gründer Rene Redzepi oder Virgilio Martinez, mit seinem „Central“ maßgeblicher Vertreter der neuen peruanischen Küche. Philip und Helmut Rachinger gaben drei Gerichte bzw. lokale Zutaten vor, mit denen sich die internationalen Köche auseinandersetzen sollten – Gulasch, Süßwasserfisch, Reh.

 

Es gab 140 Tickets für das Spektakel, die angeblich innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft waren. Diese 140 wurden in sieben Gruppen eingeteilt, vorglühen durfte man mit Wasser und Brot, bis man zur ersten Station wanderte – Noma-Chef Rene Redzepi wurde per Los mit Milena Broger aus Vorarlberg, dem Salzburger Felix Schellhorn und Gabriela Camara aus Mexiko kurzzeitig vereint. Ein kurioser Think-Tank, der Rehzungen in Flechtensud gegart mit einer Idee mexikanischer Schärfe hervorbrachte. Spannend. Redzepi soll seit zwei Uhr Früh am Herd gestanden sein, um seinem Anspruch an Perfektion gerecht zu werden.

 

Weiter ging es zu zwei, die einander gefunden haben – the Wildcat unter den Köchen, Magnus Nilsson, der die Gourmet-Szene mit seinem Restaurant knapp unter dem Polarkreis seit Jahren in Erregung versetzt, traf auf sein österreichisches Äquivalent in Sachen Unangepasstheit, Konstantin Filippou. Gemeinsam mit der Brasilianerin Manoella Buffara kauften sie eine Pergola im Baumarkt, auf der sie einen Bock über offenem Feuer baumeln lassen. Konzentriert bepinselt Manoella Buffara das Tier mit einem Eigenbau-Pinsel aus Maishaar, getränkt in Pilz- und Wildfond. Wenn die drei in ihrem Pavillon umrankt von Schlehezweigen, Tierfüßen und Melanzani stehen, den restlichen Wildsaft mit Gragger Brot auftunken, nimmt man mit Erleichterung wahr, dass Arroganz keinen Platz bei Gelinaz hat. Spaß am Experiment, am Kennenlernen von Neuem lässt Attitüde nicht zu. Dieser Eindruck bestätigt sich an der Station von Vier-Hauben-Koch Heinz Reitbauer, der mit Margot Janse aus Südafrika und der Japanerin Chiho Kanzaki den mühltalerischen Schindlfisch transkontinental interpretierten –Reinanke in einem Holzstamm in Graggers Holzofen geräuchtert, auf knuspriger Fischhaut in einem unglaublich dichten Fond, ein Gericht, mit dem alle drei ihre Herkunft würdigten.

 

Der gesamte Mühltalhof inklusive Museum und Atelier des Schwagers am anderen Ufer der Großen Mühl ist eine gut gecastete Spielwiese für Gelinaz. Man wandert durch Haus und Garten, bekommt hier ein Glas natural wine, dort ein Bier, in dem ein Stamperl Pflaumenschnaps versenkt wird, überquert eine wackelige Brücke, die die Köche eigenhändig gebaut haben und wird am Waldweg von elegischen Klängen begleitet. Eine kleine Wunderwelt, die hier inszeniert wurde. Mit Köchen, die man im Normalfall nur aus der einschlägigen Literatur kennt, zum Angreifen nah. Auch, wenn sie das nicht gerne mögen. Verständlich.

 

Die Köche bei Gelinaz am Mühltalhof:

 

Milena Broger, Klösterle, Lech, ÖSTERREICH

Manoela Buffara, Restaurante Manu, Curitiba, BRASILIEN

Gabriela Camara, Cala, San Francisco, USA

David Chang, Momofuku Ko, New York, USA

May Chow, Little Bao, Hong Kong, HK – ASIA50BR 2017 Best Female Chef

Mauro Colagreco, Le Mirazur, Menton, FRANKREICH – W50BR N°6

Konstantin Filippou, Restaurant Konstantin Filippou, Wien, ÖSTERREICH

Margot Janse, ex-Quartier Français, SÜDAFRIKA

Chiho Kanzaki, Virtus, Paris, FRANKREICH

Antonia Klugmann, L'Argine di Vinco, Cividale, ITALY

Karime Lopez, ex-Central, Lima, PERU

Virgilio Martinez, Central, Lima, PERU

Lukas Mraz, Cordoba, Berlin, DEUTSCHLAND

Lukas Nagl, Bootshaus, Das Traunsee, ÖSTERREICH

Magnus Nilsson, Fäviken, Järpen, SCHWEDEN

Colombe Saint-Pierre, Chez Saint-Pierre, Le Bic, KANADA

Rosio Sanchez, Hija de Sanchez, Kopenhagen, DÄNEMARK

Helmut & Philip Rachinger, Mühltalhof, Neufelden, ÖSTERREICH

Heinz Reitbauer, Steirereck, Wien, ÖSTERREICH W50BR N°10

René Redzepi, Noma, Kopenhagen, DÄNEMARK

Ana Roš, Hiša Franko, Kobarid, SLOWENIEN – W50BR 2017 Best Female Chef

Felix Schellhorn, Hansi Hansi, Bad Gastein, ÖSTERREICH

Bo Songvisava, Bo.lan, Bangkok, THAILAND – ASIA50BR N°19

 

Text: Martina Hohenlohe