Collab-Brews: Gemeinsam brauen

(c) Schedelberger: Hawidere-Eigentümer Adalbert Windisch mit Napar-Barcelona Chef Sven Bosch und den beiden Brauern Dominique Schilk und Beinat Gutierrez.

















































































Die neue Bierwelt ist bunt und international geworden. Teil dieser neuen grenzüberschreitenden Biervielfalt sind so genannte „Collab-Brews“, bei dem sich zwei Braumeister zusammen tun, um gemeinsam etwas Neues und Einzigartiges zu schaffen.

 

Tote Tante oder nicht? „Tia muerta“ – also tote Tante auf Spanisch – gehe gar nicht, meint Beinat Gutierrez, aber auf Deutsch hätte das einen guten Klang. Das könne man im Napar Pub in Barcelona durchaus verkaufen. Aber was machen tote Tanten in Barcelona? Und was hat das mit Craft Bier – oder Cervezas Artesanales, wie man in Spanien dazu sagt – zu tun?


Beinat Gutierrez ist als Braumeister für die Napar Bier Niederlassung in Barcelona verantwortlich und  in dieser Rolle auch viel unterwegs, um seine Biere in ganz Europa bekannt zu machen. So war er auch in den vergangenen beiden Jahren beim Craft Bier Festival in Wien zu Gast und hat dort neue Freundschaften geknüpft. Das ist zumeist der erste Schritt, bevor es zu einem Collab-Brew kommt. Im vergangenen Herbst hat er bei den Beer Lovers in der Gumpendorfer Straße in Wien ein kräftiges Imperial Witbier mit schwarzem Pfeffer gebraut, das Viva La Pepper getauft wurde. Ausgeschenkt wird es aktuell in Barcelona und im Wiener Hawidere, wo sich Dominique Schilk um das Bier kümmert. In Ermangelung einer eigenen Braustätte arbeitet sie regelmäßig mit Brauereien im In- und Ausland zusammen, um dort sogenannte Collab-Biere zu brauen. Dem Sauerlump, den Schilk gemeinsam mit der britischen Thornbridge Brauerei ins Leben gerufen hat, wurde mit Uhudlersaft eine österreichische Note verliehen. Bei der Toten Tante, die Ende Jänner mit Beinat Gutierrez in Barcelona gebraut wurde, erfüllt Inländer Rum diese patriotische Aufgabe.

 

Grenzenlose Kreativität

„Wir haben ein dunkles Milk-Stout eingebraut, bei dem schokoladige Aromen im Vordergrund stehen. Dominique hat gemeint, dass die Aromen von Inländer Rum sehr gut dazu passen könnten, also haben wir Eichenholzchips mit dieser doch sehr speziellen Spirituose getränkt, um unserem Stout eine unverwechselbare Note mit auf den Weg zu geben“, erklärt Gutierrez. Auf der Suche nach dem passenden Namen hat Schilk Assoziationen bemüht. Ein schokoladiges Milch-Stout mit Inländer Rum-Noten könnte so ähnlich wie „Lumuba“ – heiße Schokolade mit einem Schuss Rum – schmecken. Eine kurze Webrecherche ergab, dass dieses in Getränk in Norddeutschland auch als Tote Tante bezeichnet wird. Der Name gefiel ihr, also wurde das Bier so getauft. „Die Namensfindung ist immer schwierig, weil man sämtliche Freiheiten hat. Gleichzeitig soll der Name jedoch nicht beliebig sein und gut klingen, weil wir das Bier ja auch verkaufen wollen“, meint Schilk.

 

Bayerisch-Tirolerische Freundschaften

Anders als in der Welt der im großen Maßstab hergestellten Biere, ist die Craft Bier-Szene ständig in Bewegung. Ständig wird experimentiert, laufend werden neue Biere gebraut und das Reinheitsgebot spielt auch keine Rolle. Außer in Deutschland. Als Martin Simonis im vergangenen Jahr von der Ottakringer Biermanufaktur Brauwerk zur bayerischen Kleinbrauerei Cambia gewechselt ist, musste er feststellen, dass es in Bayern schlicht und einfach verboten ist, ein aromatisiertes Bier zu brauen. Also hat er sich mit den befreundeten Tiroler Brauern von Bierol zusammen getan, um gemeinsam ein Collab-Bier mit Wacholdergeschmack zu machen. Der Wacholder wurde auf einer Tiroler Alm gepflückt und auch gebraut wurde diesseits der Grenze. Ausgeschenkt wurde das „illegale“ Bier dann aber auch bei Cambia in Bayern, denn als Importbier muss es nicht dem Reinheitsgebot entsprechen.


Eine echte Konkurrenz für große Bierkonzerne werden solche Collab-Biere wohl niemals werden. Von der Toten Tante wurden gerade einmal 2.000 Liter gebraut, von denen die Hälfte in Barcelona und die andere Hälfte im Wiener Hawidere ausgeschenkt werden. Und doch sind derartige Projekte eine echte Bereicherung für neugierige Biertrinker. Dass solche Biere nur einmal gebraut werden und nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung stehen, erhöht nur deren Reiz.


Wer die Tote Tante persönlich kennen lernen will, sollte ab Mitte Februar ins Hawidere in der Wiener Ullmannstraße kommen. Oder man fliegt nach Barcelona, um dann akzentfrei im Napar eine originelle Bestellung abzugeben.

 

www.hawidere.at

www.naparbcn.es