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Haubenreigen in den Bergen

Der mondäne Wintersportort Lech am Arlberg hat auch im Sommer seine Reize – vor allem kulinarisch. An keinem anderen Urlaubsort unseres Landes haben derzeit so viele Hauben-Restaurants geöffnet wie hier.

Fast alle Lecher Hoteliers tragen aktuell ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, auch wenn es sich zumeist hinter einer durchsichtigen Maske verbirgt. Der beliebte Wintersportort erlebt aktuell einen sommerlichen Boom, wie schon lange nicht. Selbst die Nächtigungszahlen des legendären Hitze-Sommers von 2003, als viele Österreicher die kühleren Temperaturen am Berg gesucht hatten, dürften heuer noch übertroffen werden. Der aktuelle Nächtigungsanstieg hat überwiegend mit den coronabedingten Reisebeschränkungen zu tun, die viele Österreicher von Auslandsreisen Abstand nehmen lassen.


Apropos Abstand: Die Disziplin, mit der man in der Lecher Hotellerie und Gastronomie mit den Themen Abstandsregel, Hygiene, Testungen und Mund-/Nasenschutz der Mitarbeiter sowie Nachverfolgbarkeit eventuell auftretender Infektionen umgeht, ist vorbildlich und sucht österreichweit seinesgleichen. Negative Schlagzeilen wie zuletzt in St. Wolfgang oder im vergangenen Winter in Ischgl will man in Lech unter allen Umständen vermeiden. 


Ötztaler Bauernsalat im Aurelios. (c) Wolfgang Schedelberger


Obwohl man sich in einem Luxusquartier wie dem 5-Sterne Superior Hotel Aurelio um ausreichend Platz und Abstand keine Sorgen machen muss, tragen sämtliche Mitarbeiter durchsichtige Masken. An zahlreichen Begegnungspunkten wie Eingang, Lobby oder Lift besteht die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Außerdem gehen sämtliche Mitarbeiter wöchentlich zu einer freiwilligen Gesundheits-Untersuchung. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und der Gäste steht über allem. Wir haben interne Abläufe adaptiert und auch die Reinigung der Zimmer und des SPA-Bereichs neu definiert, sodass sich unsere Gäste absolut sicher fühlen können“, erklärt Direktor Axel Pfefferkorn.


Im Aurelio sind auch externe Gäste willkommen, die sich dort auf die Kreationen des 4-Haubenkochs Christian Rescher freuen dürfen. Das sommerliche Menü hat sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert – beliebte Klassiker wie der Osttiroler Bauernsalat oder das verführerische Steinpilz-Dessert „Wald & Wiese“ sind auch heuer wieder dabei.

 

Chefstable in zwei Akten


Auch die anderen beiden 4-Hauben-Restaurants Griggeler Stuba in Oberlech und der Chefstable im Schualhus in Zug haben in diesem Sommer geöffnet. Im Schualhus geht man jetzt allerdings neue Wege, weil die Abstandsregel im gewohnten Setting des Chefstable, wo die Gäste Schulter an Schulter rund um die offene Show-Küche sitzen, nicht eingehalten werden könnte. „Wir machen jetzt am Abend zwei Sitzungen mit maximal 14 Personen, bei denen zwischen fremden Gästen immer ein Sitz frei bleibt. Die ersten 
Gänge servieren wir ebenerdig in der ehemaligen Jausenstation, damit auch die Gäste, die zur ersten Sitzung kommen, entspannt und ohne Zeitdruck genießen können“, erklärt Patron Joschi Walch.


Die Küchenleistung hat sich gegenüber dem Vorjahr noch einmal gesteigert, was nicht nur auf die Verringerung der jeweils anwesenden Anzahl der Gäste zurückzuführen ist. Mit dem jungen Linzer Julian Stieger hat Natmessnig auch eine willkommene Verstärkung im Team bekommen. Stieger hat, so wie Natmessnig, ebenfalls eine hochkarätige New Yorker Vergangenheit vorzuweisen. Nach Stationen im Landhaus Bacher und dem Wiener Steirereck ging Stieger im Vorjahr zu Daniel Humm ins weltberühmte Eleven Madison Park, wo er eigentlich länger bleiben wollte. Doch coronabedingt musste das Restaurant – so wie die meisten anderen New Yorker Top-Adressen – im März schließen. Stieger kam zurück nach Österreich und heuerte bei Natmessnig, der bekanntlich drei Jahre lang mit César Ramirez im Brooklyn Fare gekocht hatte, an.


Die beliebten Traditionsgerichte der ehemaligen „Jausenstuba“ kann man jetzt mittags und abends im á la Carte-Restaurant Rote Wand Stube genießen, wobei man auch hier größere Abstände zwischen den Tischen vorgesehen hat.


Schualhus, (c) Wolfgang Schedelberger

 

Südtirol und Singapur im Klösterle

Das 5-Sterne Superior Hotel Almhof Schneider und dessen zwei a la Carte-Restaurants bleiben diesen Sommer zwar geschlossen, das urige, in einem kleinen Bergbauernhof hinter Zug gelegene Restaurant Klösterle, das ebenfalls von der Familie Schneider betrieben wird, hat jedoch geöffnet. Dort kocht das Kreativ-Duo „Jakob & Ethel“ aus regionalen Produkten überaus eindrucksvolle Gerichte auf internationalem Top-Niveau. Jakob Zeller stammt aus Südtirol, Ethel Hoon aus Singapur. Beide haben an verschiedenen internationalen Top-Adressen gearbeitet, bevor sie sich vor drei Jahren bei Magnus Nilsson im nordschwedischen Faeviken kennengelernt haben. 


Ethel Hoon und Jakob Zeller, (c) Almhof


Im vergangenen Winter haben sie die Küchenleitung des rustikalen Mini-Restaurants Klösterle übernommen, das ohne Zweifel eine der spannendsten Adressen am Arlberg geworden ist. Geöffnet hat das Klösterle am Freitag Abend sowie Samstag und Sonntag zu Mittag und am Abend. Am Montag Abend sind wechselnde Gastköche mit überraschenden Pop-Ups zugegen.

 

Viele Gäste aus Österreich

Aber auch im Lecher Ortskern kann man sich in diesem Sommer kulinarisch verwöhnen lassen. Das Fine-Dining Stüberl in der noblen Post hat zwar erstaunlicherweise erstmals im Sommer geschlossen, dafür ist das neu gestalteten A la Carte Restaurant der Post zumindest an den Wochenenden sehr gut besucht. Geöffnet haben die Kronen Stuben im Hotel Krone und erstmals auch das italienische Restaurant La Fenice im Hotel Arlberg, das sich nach einem vorübergehenden Tief im Vorjahr wieder auf gewohntem Niveau zeigt. Auch wenn nicht alle Lecher Hotels und Restaurants in diesem Sommer offen haben (das Murmeli und das Severins sind geschlossen, das Kristiana hat als „Pop-Up mit eingeschränktem Angebot und ohne A la Carte-Restaurant geöffnet), so zeigt sich Lech in diesem Sommer so lebendig wie schon lange nicht.


Aufgrund der problematischen Reise-Möglichkeiten fehlen heuer die Gäste aus Übersee, dafür hört man an den Nachbartischen der Restaurants viele verschiedene österreichische Dialekte – darunter auch erstaunlich oft Vorarlbergerisch.


„Dass wir heuer so viele Gäste aus dem Ländle bei uns haben, ist sehr erfreulich. Viele sind das erste Mal im Sommer heroben und wollen auch im nächsten Sommer wiederkommen. Es ist ja weithin bekannt, dass Lech einer der schönsten Orte der Welt für Wintersport ist. Aber unsere Berge haben auch im Sommer ihre Reize“, freut sich Joschi Walch von der Roten Wand über die beste Sommersaison, die er jemals erlebt hat.


Text: Wolfgang Schedelberger