Interview: Rachel Khoo


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Ich mache einfach, was ich will


Sie kocht im 50er-Jahre Pünktchenkleid, kostet mit knallroten Lippen, rührt in abgeschlagenen Email-Töpfen und ihr Ofen ist nicht größer als ein besseres Campingmodell. Ein Interview mit Rachel Khoo – der sympathischste Star des britischen Kochfernsehens mit malaysischen Wurzeln. Und einer österreichischen Mutter.


Von Martina Hohenlohe



Sie ist die neuzeitige Antwort auf Jamie Oliver, der Erfolg macht sie sicher. Ihre Kochsendung "Paris in meiner Küche" wird mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt, bei uns ist sie auf Sixx zu sehen. Das Geheimnis ihres Erfolges ist eine Mischung ihrer entwaffenden Fröhlichkeit, ein Anti-Perfektionismus, der erfrischende Retro-Look und ihre herzerwärmenden Rezepte. Flotte 1,56 Meter Frauenpower. Am Donnerstag kommt Rachel Khoo auf Einladung von Dominique Meyer zum Wiener Opernball.


KURIER: Waren Sie schon einmal in Wien?

Rachel Khoo: Zum ersten Mal kam ich mit der Schule nach Wien, wir besuchten ein Kloster, nicht wirklich prägend (lacht). Auch letztes Jahr war auf einem Kurzbesuch hier, um mein Kochbuch vorzustellen und ich wollte unbedingt wieder zurück.


Warum?

Ich habe acht Jahre in Paris gelebt, vieles hier erinnert mich daran. Diese herrlichen Torten und Kuchen, die Architektur... ich fühle mich einfach superwohl hier. Auch die Menschen sind so nett. Das letzte Mal hatte ich eine Signierstunde in Wien – noch nie sind so viele Menschen gekommen!


Was erwarten Sie sich vom Opernball?

Als ich ein kleines Mädchen war, bewunderte ich immer die schönen Kleider und den eleganten Tanz. Das hat sich bis heute nicht geändert. Für mich ist das ein richtiges Ereignis. Als ich meiner Mutter von der Einladung erzählte, hat sie gesagt: " Du bist wirklich zum Opernball eingeladen? Nein, das kann nicht sein!"


Was werden Sie anziehen?

Ich werde wahrscheinlich etwas von Lena Hoschek anziehen, ich liebe ihre Kleider, ich habe schon ein Dirndl von ihr.


Kulinarische Pläne?

Ein gutes Schnitzel muss sein. Mein Lieblingsgericht aus der österreichischen Küche sind Kasspatzeln. Beim Süßen kann ich mich nicht festlegen, aber Marillenknödel, vor allem die meiner Großtante, und Strudel gehören zum Besten überhaupt. Ich liebe Süßes, nicht umsonst habe ich ein Konditorstudium bei Le Cordon Bleu in Paris gemacht, aber schon als Kind mit meiner Mutter zu backen begonnen. Meine Großmutter hatte ein eigenes Strudelbrett, wo man den Teig darüber spannen konnte. Es hat mir immer sehr imponiert, dass sie ihn so lange zog, bis ich das Muster darunter erkennen konnte.


Ihre Mutter kommt ja aus Österreich, von wo genau?

Ja, sie kommt aus Vorarlberg, aus Feldkirch. Manchmal habe ich Probleme, meine Verwandten zu verstehen, aber sie ziehen mich nur auf, weil ich Hochdeutsch spreche. Bei den Kasspatzeln verstehen wir uns dann wieder perfekt.


Wo haben sich ihre Eltern kennen gelernt?

Mein Vater hat in London studiert, meine Mutter war Aupair-Mädchen und sie haben sch typisch britisch in einem Pub kennen gelernt. Ich bin ich London aufgewachsen, dann war ich fünf Jahre in Bayern in der Klosterschule. Dann wieder nach London zum Kunststudium, zwei Jahre machte ich PR für Mode und hing mit Mitte 20 einen gut bezahlten Job an den Nagel, packte meine Koffer und fuhr nach Paris, um Kuchen zu backen. Meine Eltern hielten mich für verrückt. Aber man muss etwas riskieren, wenn man gewinnen will.


Hat Essen bzw. Kochen schon immer eine große Rolle in Ihrem Leben gespielt?

Ja, auf jeden Fall. Aber der Weg zum Kochen führte bei mir über das Backen. Gutes Essen ist meine Leidenschaft, das wurde mir in die Wiege gelegt. In der Verwandtschaft meines Vaters fragt man nicht "How are you?", wenn man sich kennen lernt, sondern "Hast du schon gegessen?".


Als ihre Mutter hörte, dass Sie eine Kochshow präsentieren sollen, war sie erstaunt und fragte: Warum soll dich jemand im Fernsehen sehen wollen? Du bist normal! Stimmt das?

Was ist schon normal? Wie ich mich im Fernsehen präsentiere, so bin ich. Ich bin keine Schauspielerin. Als ich zum ersten Mal gedreht habe, wollte mich die BBC in einen Kurs schicken. Aber der Regisseur sagte: "Rachel, just cook!" Ich habe mir dann einfach vorgestellt,  die Kamera wäre eine Freundin und wir plaudern über das, was ich gerade mache Ich bin nicht so ernst, wenn ich Fehler mache, schneiden wir es nicht raus, sondern lachen darüber. Und das ist wohl das, was die Menschen an meiner Sendung mögen.


Eine junge Britin mit malaysisch-österreichischen Wurzeln lebt in Paris und bekommt eine Kochshow bei der BBC – wie wurden Sie entdeckt?

Ich arbeitete gerade an meinem dritten Kochbuch, in dem ich unbedingt etwas über mein Leben in Paris schreiben wollte. Als es fast fertig war, dachte ich mir, das wäre eigentlich eine ganz nette Sendung für das Fernsehen. Ich habe dann einen Piloten gedreht und ihn mit ein paar Schokoladenkeksen an die BBC geschickt. Das war's!


Haben Sie jemals erwartet, so erfolgreich damit zu werden?

Nein, nie. Paris in meiner Küche ist mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt worden, dieses Jahr sogar auf koreanisch. Es macht mir viel Freude, obwohl die Drehtage auch sehr anstrengend sein können, machmals drehen wir bis vier Uhr früh. Aber mit ein bisschen Gaudi überlebt man das auch ganz gut. Und wenn ich keinen Spaß mehr daran habe, mache ich etwas anderes.


Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ich habe in den letzten vier Jahren fünf Kochbücher geschrieben und fünf verschiedene Formate gedreht, das war ziemlich turbulent. Dieses Jahr konzentriere ich mich auf meine neue Website, die seit gestern online ist: khoollect.com. Für mich ist das eine Plattform, auf der ich alles schreiben kann, was mich interessiert – von Reisen über Essen bis zu Mode und vor allem Menschen. Ich würde gerne ihre Geschichten erzählen. Gemäß meines Lebensmottos: Ich mache einfach, was ich will.