Jacqueline Pfeiffer verlässt das Vestibül

Jacqueline Pfeiffer streift die Küchenschürze ab – vorerst


Es gehört zu den Lieblingsereignissen für Herausgeber und Chefredakteure von Restaurant-Guides. Knapp vor oder nach Redaktionsschluss des aktuellen Guides erfährt man vom Abgang bedeutender Chefs aus bedeutenden Restaurants. So etwas mag keiner wirklich. Ob der Abgang von Jacqueline Pfeiffer sich auf die Bewertung des Vestibüls noch auswirken kann oder auswirkt, soll und darf hier nicht verraten werden. Nur so viel und gleich mal zur Beruhigung: Das gefeierte Burgtheater-Vestibül unter Patron und Chef Christian Domschitz hat seine 16 von 20 Punkte nicht erst seit der Verpflichtung von Jacqueline Pfeiffer im Frühsommer 2015.


Sie hat dem Vestibül aber zweifellos gut getan. Stand bis zuletzt (gemeinsam mit Domschitz) für eine phantasievolle, aber immer klassisch inspirierte Küche mit breitem Repertoire. Jetzt begibt sich die Köchin, die zu den wenigen Frauen in Österreichs Topliga zählt, auf neue Wege. Ob ein Platz am Herd eines Restaurants noch einmal in Frage kommt, ist fürs erste einmal dahin gestellt. Oder anders gesagt: Darüber wird zur Zeit nichts verlautbart.


Frau Pfeiffer ist bereits sehr gut aufgestellt. Mit verschiedenen Consulting-Jobs für unterschiedliche Unternehmen im gastronomischen Bereich sowie als fixes Mitglied des „Frisch gekocht“-Teams im ORF wird sie über Beschäftigungsmangel nicht klagen können. Reicht das? Sie zählte auch als Restaurantköchin jahrelang (wir erinnern uns an das „Le Ciel“ im Grand Hotel) zu den erfreulichen Erscheinungen in Wiens Szene, eine Köchin, der Tupfen am Teller suspekt sind, die statt zur Pinzette lieber zum Küchenmesser greift, und deren frankophile Schule sich wohltuend von der oft zum Verwechseln ähnlichen und oftmals recht pastelligen Dekorationsküche vieler männlicher Kollegen unterschied. Einmal geht noch, Jacqueline Pfeiffer!


www.jacquelinepfeiffer.com


Text: Alexander Rabl