Jenseits von Instant, Filter und Tabs










Fotos: (c) Christina Karagiannis







So wichtig das Wiener Kaffeehaus für das Image der Donaumetropole auch ist – Kaffeekultur wird heute woanders gepflegt und weiterentwickelt. Wie jung, lebendig und vielfältig junge Kaffeeszene geworden ist, zeigte sich beim dritten Vienna Coffee Festival, das Mitte Jänner auf dem Gelände der Ottakringer Brauerei über die Bühne ging.

 

Wer Kaffee lediglich als Muntermacher betrachtet, hat es heute einfacher denn je. Espresso kommt auf Knopfdruck aus der Maschine, Cappuccino & Co gibt es in Kühlregalen im Supermarkt und auf Tankstellen. Und dann gibt es ja noch eine Vielzahl an unterschiedlich schmeckenden Energy-Drinks. Mehr und mehr Menschen betrachten Kaffee jedoch als edles Genussmittel, bei dem es vor allem um sensorische Erlebnisse geht – die anregende Wirkung des Koffeins ist nur ein (durchaus erwünschter) Nebeneffekt.

 

Seit der Erfindung des Instant-Kaffees vor über 100 Jahren hat sich die Industrie immer ausgefeiltere Methoden einfallen lassen, aus den unscheinbaren Kaffeebohnen wohlschmeckende Getränke herzustellen. Und zweifellos haben Innovationen wie etwa jene Tabs, die es Konsumenten ermöglichen, zu Hause und im Büro unkompliziert Espresso mit Crema herzustellen, dazu beigetragen, das Niveau insgesamt zu heben.


Wer jedoch Top-Qualität sucht, kommt nicht um frisch gebrühten Kaffee herum – alles Andere stellt immer einen Kompromiss dar, weil Kaffee eine Vielzahl an flüchtigen Aromen enthält, die nach dem Mahlen unweigerlich zu verschwinden beginnen.

Somit eröffnen sich zahlreiche Parameter, die für die Qualität in der Tasse verantwortlich sind. Zum einen geht es um die Qualität der Bohne. Welche Sorte? Woher stammt sie? Wie wurde sie angebaut (sozial verträglich, ökologisch nachhaltig)?


Dann geht es um die Röstung. Wie dunkel wurde geröstet? Wann wurde geröstet und wie viel Zeit ist seither vergangen? Das Mahlen der gerösteten Bohne sollte erst unmittelbar vor der Zubereitung geschehen, der Mahlgrad richtet sich nach der gewünschten Zubereitungsform. Doch wie bereitet man Kaffee eigentlich am besten zu? Wie bringt man seine Aromenvielfalt am Effizientesten zum Ausdruck?

 

Viele Wege führen nach Rom

 

Die Zubereitung eines kurzen, kräftigen Espressos ist eine der beliebtesten Formen, aber bei Gott nicht die einzige. Auch Filterkaffee kann wunderbar schmecken, wenn man alle Parameter (richtige Mahlung, ausreichende Menge, richtige Wassertemperatur) beachtet. Doch auch mit kaltem Wasser („Cold Brew“) kann man köstlichen Kaffee zubereiten, wenn man sich genug Zeit lässt und weiß, wie man es macht.


Was bislang ein Thema für Freaks war, ist in den letzten Jahren mehrheitsfähig geworden. So bietet Julius Meinl in den nächsten Wochen ein Cold-Brew-Gerät gemeinsam mit einer speziellen Kaffeemischung für die Gastronomie an. Vorgestellt wurde diese Innovation einem begeisterten Publikum bereits am Coffee Festival.


Auf breites Publikumsinteresse stießen auch die SCAE Baristameisterschaften, die in vier Kategorien (Barista, Brewers Cup, Cup Tasting, Latte Art) ausgetragen wurden.


Bert Jachmann von der Bar Heuer am Karlsplatz, zeigte wie vielfältig man Kaffee bei Cocktails einsetzen kann. Unter dem Motto „Coffee in Good Spirits“ konnten Jachmann und Co. die Besucher mit koffeeinhältigen Cocktails verführen: ein absolutes Trendthema, dem wir in angesagten Bars in den nächsten Monaten wohl noch öfter begegnen werden.


Zahlreiche Vorträge und Workshops mit Top-Referenten aus der ganzen Welt rundeten das vielfältige Programm-Angebot ab. An den vier Veranstaltungstagen (13.-16. Jänner) kamen insgesamt über 8.500 Besucher zur dritten Auflage des Vienna Coffee Festivals, was unterstreicht, welchen Stellenwert Kaffee heute auch außerhalb der traditionellen Wände der Wiener Kaffeehäuser spielt.

 

www.viennacoffeefestival.cc