Kalter Kaffee



16. Juni 2017


Im Sommer sind kühle Getränke gefragt. Das gilt seit kurzem auch für den Kaffee. Der traditionelle Eiskaffee hat jede Menge Konkurrenz bekommen. Vor allem junge Leute holen sich ihren Koffein-Kick lieber ohne Extraportion Schlagobers.

 

Kaffee lässt sich auf verschiedene Art und Weise zubereiten. Dass er in unseren Breiten vor allem als Heißgetränk beliebt ist und „kalter Kaffee“ sprichwörtlich für etwas Minderwertiges steht, ist ein historischer Zufall.


Bekanntlich ist Kaffee zuerst einmal ein Strauch, dessen Frucht Bohnen enthält, die erst durch Röstung ihr Aroma entfalten und genießbar werden. Mit heißem Wasser lassen sich die Aromen wie auch das Koffein leichter lösen, als mit kaltem, doch auch das ist möglich. In Japan, wo das Thema Heißgetränk seit jeher stärker als bei uns mit Tee besetzt ist, hat kalt zubereiteter Kaffee eine lange Tradition. In den USA wurde dieser Trend wiederbelebt und ist seit zwei, drei Jahren auch bei uns angekommen. Im Gegensatz zur Zubereitung mit heißem Wasser dauert ein „Cold Brew“ mehrere Stunden und der Kaffee sollte auch weniger fein gemahlen sein. Das Ergebnis ist wesentlich milder, weil weniger Bitterstoffe und Säure ausgewaschen werden.


Vor allem trendige, junge Kaffeebars bieten ihren Gästen immer öfter kalt gebrühten Kaffee an, der ohne Milch und Zucker getrunken wird. Der österreichische Röster Hornig hat vergangenes Jahr sogar damit begonnen, kalt gebrauten Kaffee in Flaschen zu verkaufen.


Aber auch herkömmlich gebrauten Kaffee kann man kalt genießen, wie Starbucks seit vielen Jahren zeigt. Im Sommer wird ein Gutteil der angeboten Kaffees in der Variante „iced“ – also auf Eiswürfeln – angeboten.

Die einfachste Alternative zum klassischen Eiskaffee ist der italienische Affogato, bei dem ein Espresso mit einer Kugel Vanilleeis in der Tasse serviert wird: eine perfekte Vermählung von kleinem Dessert und belebendem Kaffeegenuss.


Aber auch in Cocktailbars wird Kaffee zunehmend zum Thema. Anstatt wie beim legendären Caffé Coretto (Espresso mit einem Schuss Grappa) werden die meisten Kaffee-Cocktails kalt auf Eis serviert. Mario Hofferer hat bei seinem alljährlich ausgetragenen International Wörther See Cocktail Cup schon länger auch eine Kategorie mit Kaffee-Cocktails dabei.


Erstmals hat Nespresso heuer seine zwei „Limited Editions „Intenso on Ice“ und „Leggero on Ice“ den kalten Genuss gewidmet, wobei die Kapseln ganz konventionell heiß zubereitet werden, bevor sie auf Eis gekühlt werden. Barkeeper Bert Jachmann vom Heuer in Wien hat für beide Limited Editions jeweils einen alkoholischen und einen alkoholfreien Cocktail entwickelt, die man bei ihm Lokal genießen oder auch zu Hause selbst zubereiten kann.


Text: Wolfgang Schedelberger