Getränk

Krisenzeiten erfordern Solidarität

Franz Weninger und seine Idee des solidarischen Weinabos.

Das Weingut Weninger aus dem burgenländischen Horitschon ist nicht nur durch seinen prätentiösen biodynamischen und biologischen Weinbau bekannt. Vielmehr zählen dessen Rotweine mit zu den besten im ganzen Land und begeistern mit ihrer Tiefgründigkeit und unglaublicher Eleganz. Als Franz Weninger 1999 nach seinem in Kalifornien absolvierten Praktikum zurück zum elterlichen Weingut kehrte, war für ihn eine Sache klar: es muss ein Umdenken in den österreichischen Weingärten stattfinden. Enttäuscht war er von den Kopien wie er sie in Kalifornien erlebte, den Weingütern, die Bordeaux kopierten oder die Toskana.


„Es fühlte sich in diesen Weingütern an wie in Disneyland. Wer die schon einmal besucht hat, weiß, was ich meine.“

So begann er noch im Jahr 2000 gemeinsam mit seinem Vater die Lehre des Weinbaus neu zu lernen, las dazu zahlreiche Bücher und besuchte Seminare, die sich rund um das Thema Bodenkultur beschäftigten. Stets auf der Suche nach der eigenen Identität, der eigenen Handschrift, die in ihren Weinen zum Ausdruck gebracht werden sollte, starteten sie alle ihre Weine spontan und ohne Zusätze zu vergären und sich dabei auf einen neuen, ihren neuen Weg zu begeben. Dabei wird die Nachhaltigkeit und Reduktion bei keinem Arbeitsschritt außer Acht gelassen und die Weninger’sche Reduktion auf das Wesentliche beweist, dass mit dem nötigen Know-How und Feingefühl keineswegs Einbußen im Geschmack, der Eleganz, geschweige denn der Qualität verzeichnet werden müssen.


„Reduktion auf das Wesentliche, das ist der Weg.“


Gerade in Krisenzeiten wie diesen, in welchen Wirtschaft, die Tourismusbranche sowie allen voran die Gastronomie und Hotellerie zahlreiche Rückschläge erleidet, erlebt auch der Weinbau derzeit große Not und befindet sich vor neuen Herausforderungen. Speziell Individualisten, die biologisch und biodynamisch wie Franz Weninger arbeiten, sind eng an den Vertrieb an Top-Restaurants gekoppelt. Nachdem deren Markt aber gerade vollends zusammenbrach und sich von heute auf morgen quasi auf 0 reduzierte, ist dieser folglich auch nicht mehr für den Weinbau gegeben. Kurz und prägnant heißt das: 


Biologisch und biodynamische WinzerInnen wie Franz Weninger, haben derzeit faktisch keinen Markt.


Um aber auch diese Hürde erfolgreich zu meistern, entschloss sich das Weingut Weninger ihren Kunden im Sinne der solidarischen Landwirtschaft ein ebensolches Abo anzubieten.


Was es damit auf sich hat und worin Franz Weninger die derzeit größten Probleme im Weinbau sieht, wie entsprechende Lösungsansätze aussehen könnten und welche Flasche Franz Weningers persönlicher Energielieferant in den letzten Wochen war – all das haben wir Ihnen in Kombination eines spannendem Interviews zusammengefasst.




Was versteht man unter solidarischer Landwirtschaft?


Biodynamisches Arbeiten am Weingut Weninger mit Kamillentee


Nachhaltige Landwirtschaft erfordert Commitment – speziell in diesen Zeiten. Das Pflanzen von Bäumen, das Pflegen von Hecken, das Halten von Schafen in den Weingärten, die händische Lese (Rage against the Machine), der Humusaufbau auf den Böden, die biodynamische Bewirtschaftung der Weingärten – all dies sind Dinge, die das Weingut Weninger aus Überzeugung tut, aber leider auch nicht mehr selbstverständlich sind. Eine nachhaltige Landwirtschaft benötigt daher auch eine Verpflichtung der Kunden, die sich auch in schlechten Zeiten wie diesen dafür begeistern und ihr entsprechend Rückhalt geben.


Wie ist der nötige Rückhalt und Support von Konsumentenseite möglich?

 

Persönliches Weinfach im Weinarchiv Weninger durch das Solidarische Abo


1 Flasche von jedem Wein aus unserem Sortiment

Monatlich gezahlt – jährlich geliefert

Preis 30 Euro (pro Monat)

 

Mit der vom Weingut Weninger initiierten Idee des Solidarischen Abos haben Sie die Möglichkeit den Betrieb regelmäßig aber vor allem auch langfristig zu unterstützen. Sie als Konsument, geben mit Abschluss des Solidarischen Abos eine langfristige Abnahmegarantie und werden gleichzeitig Teil der Landwirtschaft. Mit einer monatlichen Unterstützung in Höhe von € 30,- erhalten Sie ein Fach im Weinarchiv der Familie Weninger, in welches bei jeder der diesjährigen Abfüllung eine Flasche gelegt wird. Mit Ablauf des Jahres bekommen Sie Ihren persönlichen Ernteanteil, alle Ihrem Weinfach enthaltenen Weine (zwischen 19-24 Flaschen), zugesendet.




Im Gespräch mit Franz Weninger:


Biodynamischer und biologischer Winzer aus Leidenschaft: Franz Weninger 


G&M: Woran arbeiten Sie gerade bzw. welche Aufgaben fallen derzeit in Ihrem Weinkeller/Weingarten an?


FW: Wir pflanzen gerade neue Weingärten und machen einen Regentanz, da wir auf Regen hoffen. Im Keller ist es derzeit ruhig, es werden nur die wichtigsten Abfüllungen durchgeführt.


G&M: Worin sehen Sie auf Grund der derzeitigen Ausnahmesituation die größten Herausforderungen im Weinbau in Österreich?


FW: Die größte Herausforderung wird sein, die Mitarbeiter zu halten und somit die Bewirtschaftung der Weingärten aufrecht zu halten. Ohne die Gastronomie fehlt der Umsatz und somit die Liquidität. Einen Weinbaubetrieb kann man aber nicht „runterfahren“. Die Natur wächst, blüht und fordert unseren Arbeitseinsatz. 


G&M: Was wären Ihrer Meinung nach entsprechende Lösungsansätze?


FW: Schwierige Frage. Das Wichtigste ist der bewusste Konsument, denn nur dieser kann sicherstellen, welche Betriebe weiter bestehen. Unsere Aufgabe sehe ich darin, diese Information zu vermitteln und selbst bei meinem Einkauf darauf zu achten. Ansonsten wird die vielschichtige österreichische Landwirtschaft noch mehr industrialisiert aus dieser Krise herausgehen.


G&M: Man sollte meinen die Nachfrage nach biologisch und biodynamisch produzierten Weinen ist vor allem die letzten Jahre rasant gestiegen. Nichts desto trotz bleibt neben dem derzeit boomenden Online-Handel (noch) der Verkauf an die Gastronomie aus. Wie schaffen Sie es in Zeiten wie diesen die KonsumentInnen für Biodynamik und Produktqualität zu sensibilisieren und vor allem Ihre Motivation am Weingut aufrecht zu erhalten?


FW: Die Motivation erhalten wir von den Kunden, welche direkt bei uns bestellen und besonders in dieser Zeit erhalten wir von unseren Kunden positives Feedback auf allen Kanälen. Der Onlinehandel wird bleiben, als Winzer sollte man dies auch nutzen. Unser Solidarisches Abo ist genau dieser Versuch, den Kunden klar zu zeigen, wie wir Winzer von Natur und Wirtschaft abhängig sind. Durch die Bindung über den monatlichen Beitrag und die „Ernte“ seines Weinfachs bekommt er auch einen Teil unserer Gefühlswelt vermittelt.


G&M: Wie verbrachten Sie die letzten 6 Wochen der Ausgangsbeschränkung und was/wer war Ihr persönlicher Energielieferant?


FW: Wir kaufen von den Bio-Bauern in der Nähe – Eier, Milch, Mehl kommt vom Biohof Christine Hofer aus Ritzing, als Fleischlieferanten mussten unsere eigenen Lämmer herhalten (wir haben im Frühjahr zwei Stück geschlachtet), mein Sauerteig läuft seit dem Winter und wir backen wöchentlich Brot. Auch habe ich einen Versuch mit Kombucha laufen, „dazu“ aus Lackendorf beliefert uns mit Honig, Senf und neuerdings auch mit Honigseife – große Empfehlung! Bio-Bier kommt auch aus der Region von der Kobersdorfer Brauerei, Wein weiterhin hauptsächlich aus unserer Privatsammlung im Keller.

G&M: Welche Flasche öffnen Sie sich derzeit gerne zu Hause und welche Erinnerungen verbinden Sie damit?


FW: Emidio Pepe – Trebbiano – ein Wein den ich mit meiner Frau letztes Jahr in Verona genossen habe, davon haben wir uns jetzt 6 Flaschen bestellt und genießen die Erinnerungen.

G&M: Und zu guter Letzt: Worauf darf man sich beim Solidarischen Abo besonders freuen?


FW: Auf das persönlich beschriftete Weinfach in unseren Eichenholz-Weinarchiv, auf das Beobachten, wie sich das Fach ganz langsam füllt. Und somit die Freude auf die Ernte wächst. Und wenn alles gut klappt, auf ein persönliches Entdecken und Kennenlernen bei unserem Hoffest Ende Juli.  



Weingut Weninger

Florianigasse 11, 7312 Horitschon, Austria

Tel. +43.2610.42165

Fax.+43.2610.42165-50

weingut@weninger.com

www.weninger.com

 


Fotorechte: Weingut Weninger
Text & Interview: Franziska Ettmeier