Kritische Anmerkungen zur Avocado


Perfekt gereifter Genuss aus dem Supermarktregal: Die Avocado hat's geschafft. Die Umwelt freut sich nur bedingt darüber.


Das Superfood mit dem ökologischen Fußabdruck eines Riesen

 

Avocados stehen auf jeder Speisenkarte gesundheitsbewusster Foodies. Sie sind erstens vegan, zweitens gesund, drittens angesagt, weil Teil der Superfood-Bewegung, die beim Essen nichts mehr dem Zufall überlassen will.

 

Die Avocado hat sich dank geschickten Marketings und einer Vervielfältigung der Produktionsmenge zu einem Alltagsphänomen gemausert. Sie schmeckt ja auch gut, und dieses nicht nur dann, wenn Perus Starkoch Virgilio Martinez ihr einen eigenen Teller widmet.

 

Früher galt die Avocado als eher seltener Gast auf den Tellern Europas, wurde höchstens an festlichen Buffets gemeinsam mit Shrimps und Cocktailsauce angeboten. Ach, die guten schlechten alten Zeiten!

 

Mittlerweile gibt es sie in jedem Supermarkt, im Bioladen sowieso. In einer der letzten Ausgaben von Die Zeit (Link weiter unten) war unlängst zu lesen, dass es sich bei diesem, zweifellos gesundem, Essen nicht gerade um ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit handelt. Ein Kilo Avocados brauche 1.000 Liter Wasser (im Vergleich dazu 1 Kilo Paradeiser 180 Liter), liest man da. Und das in Gegenden wie Südafrika, wo ein Großteil der in Europa verzehrten Avocados gezüchtet wird und Wasser nicht gerade im Überfluss vorhanden ist. Der Transport der Avocados übers Meer, der eine perfekte Klimatisierung und weiche Lagerung erfordere, sei laut Zeit-Recherche auch nicht eben die umweltschonendste Methode.

 

Bis die Avocado dann im perfekt gereiftem Zustand sozusagen ready to eat ins Supermarktregal und danach auf unsere Teller kommt, brauche es noch einmal klimatische Behandlung in einer holländischen Firma namens Nature’s Pride.

 

Und das Geschäft boomt. Laut Die Zeit wären auf dem deutschen Markt im Jahr 2015 um ein Drittel mehr Avocados gekauft worden als im Vorjahr. Über Österreich gibt es keine Zahlen, man darf davon ausgehen, dass der Markt sich auch hier in einem Wachstum befindet, das gewaltig ist.

 

Reden wir hier dem Verzicht auf Avocados das Wort? Sicher nicht, denn wir beim Gault&Millau sind keine Besseresser. Aber wer jede Woche ein paar Avocados verzehrt, soll sich nicht moralisch überlegen fühlen über jene, die um die Weihnachtszeit Kirschen und Himbeeren aus Chile erwerben.

 

Avocados schmecken übrigens auch sehr gut mit Lachs, einem ehemals luxuriösen Lebensmittel, welchem ebenfalls das Odeur der mangelnden Nachhaltigkeit anhaftet.

 

http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/komplettansicht


Text: Alexander Rabl