"La Liste" als Verteidigerin der französischen Haute Cuisine


"La Liste": An der Spitze ein Restaurant in der Schweiz


Bereits im französischen Gault-Millau-Magazin des vergangenen Sommers äußerte sich der Außenminister der Grande Nation in einem Interview indigniert über die diversen Restaurant-Listen und Rankings und vornehmlich die Liste der „50 Best Restaurants“, in denen die französische Gastronomie als Marginalität vorkommt. Nun also: Das Imperium schlägt zurück. Nicht mit Waffen oder diplomatischen Sanktionen wie Einreiseverbote für die Redakteure des britischen „The Restaurant“-Magazins, sondern mit: „La Liste“.


Dahinter verbirgt sich das Ranking aller Rankings, nämlich mit satten 1000 Lokalen, die aus aller Welt zusammengestellt wurden, im Auftrag der französischen Regierung. Es handelt sich eher ein Kompendium als eine Hitliste, denn was dann die Nummern 677 und 678 wirklich unterscheidet und warum nicht Nummer 678 Nummer 677 ist, beziehungsweise umgekehrt, das macht die Liste nicht ganz klar. Spannend ist es vor allem in den vorderen Rängen.


Die Macher von „La Liste“ haben dazu eine mathematische Formel entwickelt, welche die Bewertungen für rund 4000 Restaurants von mehr als 200 international führenden Guides wie Gault & Millau und Michelin sowie Reiseführern, Food Blogs, Zeitungen sowie Gästebewertungen auf Plattformen wie Tripadvisor zusammenführt. Daraus ergibt sich ein Ranking, das von der San Pellegrino-Liste doch in vielem erheblich abweicht, was auch nicht anders zu erwarten war.


„La Liste“ ist in vielem konservativer als die von Nestlé gesponserte Konkurrenz, welche sich vor allem die Avantgarde auf die Fahnen geheftet hat, wenngleich die „50 Best“ während der vergangenen Jahre immer häufiger dafür kritisiert werden, dass sie vor allem das aktuelle Michelin-Sterne-Ranking abbilden würden.


Nummer 1 bei den Franzosen ist ein Restaurant in der Schweiz – das „Hôtel de Ville“ in Crissier bei Lausanne, dessen französischer Chef Benôit Viollier auch unter Kochkollegen einen bemerkenswerten Ruf genießt. Immerhin: 19,5 Punkte im Schweizer Gault & Millau sowie „Koch des Jahres“, gleich nachdem er von Philippe Rochat die Küche in Crissier übernommen hatte. Der zweite Schweizer Topchef Andreas Caminada folgt mit seinem „Schloß Schauenstein“ auf Platz fünf der Liste.


Ganz vorne auf den Plätzen zwei und drei „Per Se“ in New York und das „Kio Aji“ in Tokio, sowie Guy Savoy in Paris auf Platz 4, während die Roca-Brüder in Spanien auf Platz sechs folgen. Klar, dass es vor allem französische oder der französischen Küche nahestehende Restaurants sind, die in der Liste angeführt werden. Allerdings finden sich auch „Le Calandre“ oder „Osteria Francescana“ unter den besten 25. Von den Österreichern unter den ersten und zweiten Hundert sind die Restaurants „Obauer“, „Rosengarten“, „Döllerer“, „Steirereck“ und „Landhaus Bacher“ in dieser Reihenfolge.


Wer mehr wissen will, schaut unter www.laliste.com


Text: Alexander Rabl