Mit 90 immer noch im Restaurant


Paul Bocuse feiert diese Woche den 90er











Monsieur Paul feiert den Neunzigsten


Paul Bocuse einstmals auf die Frage eines eifrigen Journalisten, wer denn koche, wenn er einmal nicht in seinem Restaurant in Collonges Mont d’Or weile: „Derselbe, der kocht, wenn ich da bin.“ Immer noch macht Monsieur Paul mittags und abends bei den Gästen nach getaner Arbeit die Honneurs. Neuerdings gerade in Begleitung eines Rollators, wie man erzählt.


Paul Bocuse ist die Integrationsfigur der französischen Gastronomie, da kann man über dicke Saucen und überschätzte Trüffelsuppen lange diskutieren. Bocuse feiert seinen 90er im vollen Bewußtsein dieser Tatsache, auch wenn Alain Ducasse als französischer Nationalkoch längst sein Erbe angetreten hat.


Im kommenden Jahr findet somit auch wieder der Bocuse d’Or in Lyon statt, der weltweit wichtigste Kochwettbewerb, der in seiner Struktur zwar auch etwas museal wirkt, aber medial große Aufmerksamkeit bekommt und für so manchen Koch schon ein effizientes Sprungbrett war.


Bocuse ist nicht nur als Betreiber mehrerer gut gehender Restaurants zu Ruhm gekommen, sondern steht auch im Gerücht, es nicht bei einer Frau beziehungsweise Lebensgefährtin belassen zu haben.


Zum 90. Geburtstag von Bocuse möchten wir den Lesern als Geschenk folgende Erkenntnis überreichen: Paul Bocuse gilt in Frankreich mitnichten als Erfinder der französischen Nouvelle Cuisine, wie das in österreichischen und auch anderen Fachmedien gerne und gebetsmühlenartig behauptet wird.


Die Nouvelle Cuisine kommt von Michel Guerard aus Eugenie Les Bains. Bocuse ist allerdings der Erfinder der kulinarischen Selbstvermarktung, die er beherrscht wie eine Morchelsauce zum Bressehendl. 



Text: Alexander Rabl