Oh, du geliebtes Brot!

27/01/2020

Über die Bedeutung der Kombination von nur drei Zutaten und die Symbolkraft eines Brotlaibes.
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Die Geschichte des Brotes reicht weit zurück, sie gilt als eine der ersten Erfindungen bzw. Entdeckungen der Menschheit und hat diese Jahrtausende lang ernährt – ob in Form von Brei oder gebacken. Sauerteigbrote etwa wurden erstmals vor fast 6000 Jahren hergestellt. Und auch heute halten sich Brauchtümer sehr hartnäckig, sei es in Verbindung mit Salz oder solo. Mit der Städtebildung erlangte das Bäckerhandwerk einen bedeutenden Aufschwung, da die Bewohner die Selbstversorgung an den Nagel gehängt haben. Bäcker hatten ab dann die ehrenvolle Aufgabe der täglichen Bereitstellung von Brot.


 

Zeit = Brot

Die Erfindung des Dampfbackofens im frühen 19. Jahrhundert revolutionierte das Brotbacken. Die Wiener Bäcker fanden heraus, dass Dampf während des Backens entscheidenden Einfluss auf die Qualität des fertigen Produktes nimmt. Der junge Unternehmer August Zang eröffnete 1837 eine Bäckerei mit Wiener Backwaren in Paris und wurde dort in kürzester Zeit für seine Brote aus dem Dampfofen bekannt.

 

Die fortschreitende Mechanisierung des Backens veränderte die Standards und damit auch das emotionale Produkt Brot maßgeblich. Die Massenfertigung von Brot erfordert effiziente Arbeitsprozesse, die Folge: Teige erhalten nicht mehr die notwendige Zeit für die Ausbildung der Aromen. Backmittel, Emulgatoren, im Labor hergestellte Enzyme, etc. werden eingesetzt, um viel Brot in wenig Zeit herzustellen. Dass dabei Geschmack und Bekömmlichkeit darunter leiden, gerät zunehmend in das Bewusstsein der Konsumenten.


 

 

Einst heilig, heute Lifestyle

Beschäftigt man sich mit dem Herstellungsprozess eines Brotlaibes, wird nachvollziehbar, warum ihm eine derart große Bedeutung zukommt. Das Endprodukt ist auf die Wirkungsweisen aller Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer, angewiesen

 

In Österreich scheint das frische, knusprig-flaumige Gebäck mit unvergleichbarem Duft noch den Stellenwert eines Grundnahrungsmittels zu haben, jedoch auch hier hat sich ein Wertewandel vollzogen. Immer mehr Menschen bevorzugen hochwertige Backwaren mit ursprünglicher Herstellung. Bäcker müssen den Spagat zwischen traditionellen Erfahrungen und Rezepturen und Wissenschaft bzw. Konsumenten-Präferenzen schaffen, sogar die Sinne wecken, Erlebnisse kreieren. Individualität und Unverkennbarkeit vor Masse ist das Motto.