Restaurant Awards: Just Another List?


Andrea Petrini, Mastermind unter anderem hinter Gelinaz.


Das Geschäft der Netzwerker und PR-Leute, die Foodblogger, Journalisten und Küchenchefs quer durch die Welt karren lassen, in der Hoffnung und Annahme, damit ihren Kunden (Küchenchefs, Restaurants, touristische Regionen) zu guten Platzierungen in den diversen Listen (50 Best, La Liste, andere regionale Listungen) zu verhelfen, wird auch 2018 weiterhin exzellent blühen. Denn es gibt eine neue Liste.

 

Sie nennt sich Restaurant Awards.

 

Ins Leben gerufen wird das Ganze von Andrea Petrini und Joe Warwick, Publizisten (50 Best, Where Chefs Eat) und bestens vernetzten Organisatoren im kulinarischen Zirkus der weltbesten und relevantesten Restaurants sowie deren Küchenchefs. In einem Statement, nachzulesen in der Food & Wine Gazette, heißt es, dies wäre nicht „just another fucking list“.

 

Die Awards werden, ähnlich den Golden Globes oder den Academy Awards, als spezielle Ehrungen in bestimmten Kategorien übergeben. Also gibt es: Ein Restaurant des Jahres, ein neues Restaurant des Jahres, einen Klassiker, der seit mehr als 50 Jahren offen hat, Pop-Ups, Restaurants in Residence, Bars, alles, was halt so einen Besuch wert wäre. Sagen Warwick und Petrini.  

 

Man will auch originell sein, und kreiert Preise wie einen für den besten Koch ohne Tattoos, oder bewusstseinsverändernd mit einem Preis für das beste Rotwein-Restaurant, denn, so Andrea Petrini „viele Sommeliers servieren in ihren Pairings vor allem Weine, die mit Fermentation und Gemüse harmonieren.“ Isst und trinkt da jemand öfter mal im falschen Restaurant?

 

Petrini nähert sich im Food & Wine-Gazette-Gespräch über den Award dem immer stärker um sich greifenden Phänomen der stets nicht in ihrer Küche anwesenden Köche und dem Thema, wie es wäre, wenn Gäste mehr bezahlen müssten, wenn der Chef dann doch mal anwesend wäre. Interessanter Gedanke.

 

Joe Warwicks Traum einer solchen Liste, wie er sagt, kommt mit dieser Awards-Idee endlich ein wenig der Verwirklichung näher. Was liegt näher, den Preis dann auch in Paris zu präsentieren. Ein passender Platz, wie Petrini und Warwick meinen. Immerhin wäre Frankreich und damit Paris der Geburtsort der westlichen Gastronomie.

 

Im Mai soll es dann soweit sein. Bis dahin werden an die 100 Juroren von Spitzenköchen, Restaurantkritikern, Journalisten sowie Globetrotter einiges an Essen und Trinken hinter sich bringen müssen. Dann geht es ans Nominieren von Restaurants in 18 Kategorien. Shortlists werden erstellt, später die Shortlist noch einmal anonym getestet. Apropos Anonym: Was bei Michelin, Gault&Millau oder auch 50 Best gilt, die Anonymität, soll im ersten Durchgang wegfallen.

 

Die Juroren werden nämlich namentlich bekannt gegeben. Und auch Einladungen werden gerne akzeptiert. Schließlich, so Petrini: „Die Wahrheit ist doch, dass nur wenige ihre Rechnung bezahlen können, wenn sie öfter in ein Restaurant gehen. Ein schlechtes Restaurant wird nicht besser, nur weil es eingeladen hat. Eine Liste der 100 Juroren wird veröffentlicht, aber niemand erfährt, wer wo testet.“ Und über etwaige Einladungen werde Transparenz herrschen.

 

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Text: Alexander Rabl