Riedel und sein neues Glas für den Grünen Veltliner

Die Geschichte ist nicht nur nicht erfunden, sie ist auch gut. Der Erfinder der legendären Sommelier-Serie, Claus Josef Riedel, reiste oft mit einem Koffer durch die Länder, darin verschiedene Riedelgläser, jeweils passend zu verschiedenen Weinen unterschiedlicher Farben und Charaktere. Riedel, dessen Glasentwürfe gerade rechtzeitig zur Revolution der heimischen Weinszene kamen (es gab sie allerdings schon einige Zeit vorher), kannte beim Thema Weinglas keinen Kompromiss. Den Koffer mit den Gläsern kann, wer heute in Österreich, ja, in den guten Restaurants der Welt unterwegs ist, ruhig zu Hause lassen. Dank (auch) der Bemühungen von Riedelglas.
 
Ein Gespräch mit Maximilian Riedel in der Lobby des Ritz Carlton in Wien. Riedel stellt die rhetorische Frage: „Was hat Chardonnay mit Grünem Veltliner zu tun? Wenig bis nichts. Warum also serviert man gereifte Veltliner immer noch in einem Glas, das eigentlich für Burgunder gemacht wurde?“ Machen viele so, aber Riedel ist damit nicht einverstanden. Vor kurzem hat das Unternehmen aus Kufstein ein neues Glas für den Grünen Veltliner präsentiert.
 
Es hört, wie die neue Kollektion, auf den Namen „Performance“. Wie die Automarke Lamborghini, für die der weitreisende neue Chef des Unternehmens eine Schwäche hat. Das Glas, so wird erzählt, steht am Ende vieler Experimente mit der neuen Form. Immerhin: GV ist nicht irgendeine Rebsorte.


Maximilian Riedel mit der neuesten Errungenschaft des Unternehmens: Das neue Glas für den Grünen Veltliner.
 
Riedel arbeitete gemeinsam mit Winzern der Traditionsweingüter und aus dem Weinviertel. Es wurde gekostet, probiert, verworfen, neu entworfen. Es gab Workshops, an denen unter anderem Vinzenz Bründlmayer und Michael Moosbrugger teilnahmen. Hinter dem Glas, dem man kaum ansieht, dass es nicht mundgeblasen ist, steckt also eine Menge Entwicklungsarbeit. „Wir gehen in die DNA einer Weinsorte, wenn wir über Gläser nachdenken“, so Riedel. Klingt zumindest gut, das mit der DNA. Jetzt muss das Glas, muss die neue Serie, die Leute – und die Sommeliers – noch überzeugen.
 
Das Unternehmen hat sich 2015 vom Bleikristall verabschiedet. Es gab da gesundheitliche Bedenken seitens der EU, vor allem aber gegenüber den eigenen Glasmachern, für die das Bleikristall schädlich sei. Die Konsequenz des Weglassens von Bleikristall allerdings wirkt sich direkt auf das Handwerk aus: Der Glasbläser hat jetzt viel weniger Zeit für das einzelne Glas. „Bei mir stehen die letzten Glasbläser,“ erzählt Maximilian Riedel, „etwa hundert Leute auf der Bühne.“ Seit 20 Jahren ist Glasbläser kein Lehrberuf mehr. Der Beruf des Glasbläsers, so Riedel, ihn wird es schon bald nicht mehr geben.


Text: Alexander Rabl