GetränkStil

Roséwein: Auch ohne rosa Brille ein grandioser Begleiter

Am 14. August 2020 ist internationaler Tag des Roséweins und damit mal wieder ein Grund mehr, österreichischen Roeinen eigenen Auftritt zu bieten. Lange Zeit spielten Roséweine nur eine stumme Nebenrolle auf der österreichischen Weinbühne, während man in Frankreich – und das nicht nur im Sommer – eine hohe Beliebtheit und Überlegenheit beobachten konnte. Die heimische Skepsis war aber durchaus nicht unbegründet, denn vor einigen Jahren war es noch üblich, den Rosé vorwiegend als Nebenprodukt der Rotweinerzeugung herzustellen. Im Keller wurde geschönt, rosafarbener Zuckerlwein war das Resultat, der Ruf dadurch vorerst beschädigt.


Doch glücklicherweise tut sich in Sachen Rosé und der heimischen Weinszene mittlerweile einiges. Roséweine überschreiten das Stadium des reinen Sommergetränks. Es ist vielmehr ein Trend ersichtlich, der zeigt, dass Top-WinzerInnen jeweils einen qualitativen, wertvollen Roséwein in ihrem Portfolio haben. Wir möchten uns noch intensiver mit dieser Materie auseinandersetzen und haben uns gemeinsam mit unserer Gault&Millau Weinguide-Chefredakteurin Petra Bader die zwei Top-Winzerinnen Pia Strehn vom Weingut Strehn, und Bernadette Altenburger (RoSée Connection) ins Boot geholt. Den beiden ist es mit unermüdlichem Einsatz gelungen, die österreichische Roséwelt zu revolutionieren und KonsumentInnen ein neues Verständnis von Rosé zu vermitteln.


Was die beiden Top-WinzerInnen dazu angetrieben hat, welche Kriterien Ihrer Meinung nach einen qualitativ hochwertigen Roséwein ausmachen und vieles mehr, erfahren Sie hier.  



RoSée Connection: Roséwein trifft Neusiedler See


Bernadette und Markus Altenburger: die RoSée Connection                                                                  © RoSée Connection


Die „RoSée Connection“ (der Name soll die Verbindung des Roséweins mit der Herkunft – dem Neusiedler See – symbolisieren) versteht sich als erstes österreichisches Weinprojekt, das sich mit dem Jahrgang 2012 ausschließlich dem spannenden Thema Rosé widmete. Dahinter stehen die burgenländischen Winzer Markus Altenburger und seine Frau Bernadette, die seit einer Frankreichreise von der dort üblichen Rosétradition begeistert waren. Daraufhin entwickelten sie drei eigenständige Weine („Jerry & Barry“, En Garde!“ und „Witzbold“), die für jede Lebenslage die passenden Tropfen bieten. Sie versprechen die Frucht von Rotwein, gleichzeitig ist diese aber mit der Frische von Weißwein verbunden. Der „Witzbold und Entertainer im Portfolio, ein Blaufränkisch-Rosé, der im Holzfass ausgebaut wurde, kann sogar jahrelang reifen und überzeugt durch Tiefgründigkeit und Komplexität. Doch was macht einen hochwertigen Rosé laut Altenburger aus?


„Für uns sind es vor allem drei Dinge, die einen hochwertigen Rosé ausmachen: Struktur, die ihn zu einem geeigneten Speisenbegleiter macht, Langlebigkeit und die ernsthafte Beschäftigung des Winzers mit dem Thema Rosé. Denn Rosé muss vom Weingarten bis zur Flasche anders behandelt werden, als Weiß- oder Rotwein.“,

                                                                                                                                 so Bernadette Altenburger.

 

Der „Elefant im Porzellanladen“ – Pia Strehn und ihre Liebe, Leidenschaft und Geschichte zu Rosé


 "Der Elefant im Porzellanladen" - ein Blaufränkisch Rosé, der Pia Strehns Leben veränderte.                                © Paul Szimak


Wenn man mit der jungen Winzerin im Gespräch über Roséwein ist, ist ihre Begeisterung und Empathie zu diesem Thema nicht zu übersehen. Nein, vielmehr schafft sie es, mit nur wenigen Worten ihre brennende Passion zu teilen und dadurch neue Blickwinkel zu ermöglichen.



„Rosé vermittelt einen unglaublichen Lifestyle. Es ist mir sehr wichtig, Rosé als eigenen Weinstil zu sehen, wie Weiß- und Rotwein. Auch sollte man die Kategorien innerhalb dieses Stils deutlich abgrenzen. Rosé ist nicht Rosé, da gibt es so viele Unterschiede bei den Rebsorten, Regionen und beim Ausbau, so zum Beispiel auch Reserveweine.“



Pia Strehns große Rosé-Leidenschaft hat bereits sehr früh begonnen. Um genau zu sein, bereits in ihrer Kindheit, in welcher sie sich beim Durchblättern, der im Haus herumliegenden Weinkataloge des Vaters, in die wunderschönen rosafarbenen Rosé-Flaschen aus der Provence verliebt hatte. Während einem Sprachkurs in Nizza, als sie auf den Klippen saß und ein für Frankreich klassisches Picknick mit Käse und Roséwein machte, wurde diese Leidenschaft wieder zum Leben erweckt und Pia Strehn begann zu verstehen, wie man den Rosé in Frankreich inszeniert.


„Rosé ist ein Weinstil, der ein unglaublich starkes Lebensgefühl vermittelt. Natürlich geht’s in erster Linie immer um Qualität, aber er bringt von Haus aus gute Stimmung und Flair mit.“

 

Während Ihres Studiums beschäftigte sie sich erneut mit Weinen aus der Provence und entdeckte dabei einen ganz ungewöhnlichen Vertreter. Einen Roséwein, der in Holz als Reserve ausgebaut war – die Geburtsstunde des „Elefant im PorzellanladenZehn Jahre, hunderte internationale Roséflaschen und viele Verkostungen später, setzte Pia Strehn letztendlich ihr Herzensprojekt um: ein Rosé, der im Holz ausgebaut wurde, ein Wein, der ihrer Meinung nach, ihr Leben veränderte. Mit jahrelanger Erfahrung kann sie heute sagen, ihren eigenen Rosé-Stil gefunden zu haben. Dass sie aber bereits alle Richtungen und Prinzipien bei der Roséweinherstellung entdeckt hat, verneint sie mit lachendem Auge.



Rosé: ein grandioser Speisebegleiter und noch viel mehr



"Weine sind mehr als alkoholische Getränke. Sie sind eigenständige Charaktere, die Geschichten erzählen. Sie kommunizieren. Sie erzählen, wo sie herkommen und wer sie gemacht hat. Weine können berühren, inspirieren und vor allem: Freude machen.“

 (Pia Strehn)



Fassen wir zusammen und orientieren uns dabei an den 

Worten von Petra Bader: 



Roséwein ist mittlerweile ein fröhlich ernst zu nehmendes Trendgetränk und eine ideale Rotwein-Alternative 

im Sommer. Vor allem aber, ist er ein grandioser 

Speisebegleiter zu Fleisch, Meeresfrüchten, Ziegenkäse und vielem mehr. Durch die vielseitige Bandbreite was

Speisen- und Weinharmonie betrifft, treten Roséweine

vielmehr als „Universalgenies“ in der

heimischen Weinszene auf. 

 

 







 

RoSée Connection

Bernadette Altenburger

Untere Hauptstraße 62

7093 Jois

Web: www.rosee-connection.at

 

Weingut Familie Strehn

Weinbergweg 1

7301 Deutschkreutz

Web: www.strehn.at


Übrigens: Pia Strehn hat auch einen eigenen Youtube-Kanal, in welchem sie mit Verkostungen und verschiedensten Themen-Editionen alle Weinaffinen an ihrem Leben mit Wein teilhaben lässt.




Text: Franziska Ettmeier