Rund um die Vievinum

(c) VieVinum/Eva Kelety
Trinkerlaune: Willi Klinger, Hugh Johnson und Alexandra Graski-Hoffmann 

Heiß war es. Ausgerechnet während der größten Weinmesse Österreichs bescherten die Wettergötter der Haupstadt eine Hitzewelle, die sich gewaschen hatte. Die war selbst den Klimaanlagen der Hofburg zu viel, die auf diese tropischen Temperaturen dann nur noch mit einem kleinlauten W.O. reagieren konnten.
 
Da hatte die beispielsweise wunderbare Familie Wetter auf der Feststiege ihren traditionellen Schnapsstand aufgebaut. Wunderbare Schnäpse. Wetters herrliche Apfelsäfte wären den Temperaturen eher angemessen gewesen.
 
Doch zwischendurch traf man Birgit Reitbauer, wie aus dem Ei gepellt, die sich zum schon wiederholten Mal um den reibungslosen Ablauf im Hintergrund kümmert. Den wirklich großen Helden können auch ein paar Grad mehr nichts haben.
 
Eine der weltweit legendärsten Weinpersönlichkeiten konnte zum 20-jährigen Jubiläum der VieVinum als Ehrengast begrüßt werden. Der Besuch des vielfach ausgezeichneten Weinautors Hugh Johnson (Der kleine Johnson ist Pflichtbuch in jeder Tasche eines Weinreisenden, der große gehört in die Bibliothek) ist gleichermaßen Kompliment für die Veranstaltung wie auch für das Schaffen der österreichischen Winzer. Johnsons Kompliment: „Eigentlich gehe ich auf keine großen Weinveranstaltungen mehr. Aber die Einladung war so liebenswürdig formuliert, die Bilder, die ich von dem Weinfestival sah, waren so nett und auch befreundete Weinexperten empfahlen mir zu kommen.“ Hugh Johnsons Lob in seiner Ansprache galt sowohl den Weinen wie auch der Gastfreundschaft der heimischen Winzer.
 
Besonders interessiert zeigte er sich unter anderem an den Weinen der jungen österreichischen Winzergeneration. Bereits im Vorfeld besuchte Hugh Johnson Weingüter in Niederösterreich, dem Burgenland und Wien. „Nur zu sagen, österreichischer Wein ist gut, das ist zu wenig. Österreich wird noch ein ganz großer Player in der Weinwelt“, lautet seine aussichtsreiche Prognose in einem TV- Interview.


Autochthone Rebsorten vom Nachbarn
Dass die Schweizer beim Wein einiges draufhaben, ist bekannt. Österreichische und internationale Messebesucher konnten sich diesmal in einem Kurz-Seminar, sprich an einem Stand, von der Vielfalt der Rebsorten und Güte der Weine überzeugen. Denn dieses Jahr stand die Schweiz als Vievinum-Gastland im Mittelpunkt. Schon Petit Arvine, Bondola und Completer probiert? Auf der VieVinum konnten Sie es.  
 
Wobei es wieder so viel an Rahmenprogramm gab, dass man sich schwer tat, die Fülle des Angebots an regulär in den Sälen und Seitentrakten der Hofburg angebotenen Weine ausreichend zu würdigen.
 
Als Besuchermagnet haben sich diese Rahmenprogramme entwickelt. Als besonders publikumswirksam erwies sich wieder der traditionelle Weinländerkampf Österreich – Deutschland. Diesmal schickten die Teamchefs und freundschaftlich verbundenen „Rivalen“ Prof. Dr. Walter Kutscher (Österreich) und Rudi Knoll (Deutschland) ihre persönlich ausgewählten „11“ Top-Schaumweine ins Spiel. Mit einem fulminanten 7:4 gelang die Sensation für die sehr lebendige und sich rasant entwickelnde Sektnation Österreich. Darauf ein Glas!
 
Da waren aber auch noch die Verkostung der Respekt-Biodyn-Gruppe oder die Verkostung der Wachauer Winzer mit einer Retrospektive auf vier Jahrzehnte ihrer Weingeschichte. Indessen stellten sich die Jungen Wilden Winzer der Frage, ob sie selbst oder ihre Weine besser gereift sind. Um die Suche nach Antworten ging es auch bei der Verkostung der Weine vom Leithaberg, welche „Eine Frage der Lage“ stellten. Weltoffene Fans von Pinot Noir freuten sich wiederum über die Verkostung „The world‘s greatest Pinot Noir outside Burgundy“ des Institute of Masters of Wine (IMW).
 
Mit einer Vertikale zurück bis in das Jahr 2003 gab das Österreichische Sektkomitee ein Statement in Sachen Reifepotenzial ab und einen „Blick in die Tiefe“ des Terroirs wagten die Winzer der Steiermark mit Sauvignon Blanc in Verbindung verschiedener Bodentypen. Man sieht sich in zwei Jahren.


Text: Alexander Rabl