Getränk

Simon Schubert verrät uns seine 5 Lieblingsweine

Oder anders ausgedrückt: Weine mit hohem Begeisterungspotential, die für positive Überraschungen sorgen.

Simon Schubert ist Gault&Millau Sommelier des Jahres 2020 und zählt zu einem herrlich unprätentiösen Gastgeber im Restaurant aend. Er schätzt Bewährtes, beobachtet aber trotzdem jede spannende Entwicklung der Szene. Mit seiner enorm geschmackssicheren (Wein-) Begleitung wird ein Menü erst wirklich perfekt. Können wir uns zwar momentan auf Grund der derzeitigen Ausnahmesituation nicht diesem Genuss hingeben, heißt das nicht, dass man auf vinophiles Vergnügen im Glas verzichten muss. Wir haben unseren Sommelier des Jahres 2020 daher nach seinen 5 Lieblingsweinen befragt. Was er darauf geantwortet lesen Sie hier.


 

An Tag 9 in der sozialen Isolation, kam die Anfrage über einige meiner Lieblingstropfen zu schreiben natürlich mehr als gelegen. Ein wenig in Genusserinnerungen schwelgen… Zuvor muss ich nur unbedingt anmerken, dass es für mich keinen „Lieblingswein“ gibt und auch nicht geben kann. Die Weinwelt ist so vielschichtig, so komplex und weitverzweigt, da ist es unmöglich sich auf einen Wein, oder auch fünf, festzulegen. Also führe ich hier einige Weine an, die mich in letzter Zeit überrascht, beeindruckt oder berührt haben. Prost.

 


·       2018 THIBAUD BOUDIGNON, ANJOU BLANC (CHENIN BLANC)

Boudignons trockene Chenin Blancs zählen heute zu den besten und gefragtesten Weinen aus den Appelationen Anjou und Savennières im französischen Loiretal. Da die Weine auf lediglich 3,8 Hektar produziert werden, ist das Angebot dementsprechend gering. 2018 Anjou Blanc ist ein unglaublich gelungener „Einstiegswein“: Karg, puristisch, mit feiner Kräuterwürze und straffer, knackiger Säure. Perfekt für den Frühling in welchem die Tage wieder länger werden und die Temperaturen steigen, die ersten Frühlingsgerichte werden im Freien serviert  ̶̶  zweite Flasche bitte!


 




·       2017 PICHLER-KRUTZLER RIESLING DÜRNSTEINER KELLERBERG

Seit 2006 arbeiten Elisabeth Pichler Krutzler und Erich Krutzler auf ihrem eigenen Weingut in Loiben bei Dürnstein in der malerischen Wachau. Circa 13 ha in einigen der besten Wachauer Lagen und ein ausgesprochen feines Gespür für Wein sorgten dafür, dass das Weingut in relativ kurzer Zeit zu einem der Top-Produzenten der Wachau avancierte. 2017 Riesling Kellerberg ist ein Monument, dicht und konzentriert, aber keinesfalls schwermütig oder barock. Frische Zitrusnoten und feine Exotik, untermalt von einer würzigen Mineralik geben dem Wein großartige Komplexität. Die fantastische Säure verspricht langes Lagerpotenzial, am besten in den Keller legen und in 5-10 Jahren wieder genießen.






·       2016 FORADORI, TEROLDEGO SGARZON, CILINDRICA

Das Weingut von Elisabetta Foradori, mittlerweile von Sohn Emilio geführt, steht seit den 1990er Jahren für höchste Rotweinqualität im norditalienischen Trento. Schwerpunkt liegt dabei auf der Rebsorte Teroldego, eine autochthone Traube, heimisch im Campo Rotaliano. Emilio ist ein begnadeter Weinmacher, voller Ideen und Visionen. Sgarzon ist eine relativ kühle Einzellage, deren Trauben für 12 Monate in der Tonamphore (Cilindrica) vergoren und ausgebaut werden. Unglaublich saftiger, lebendiger Rotwein. Rotfruchtig mit viel Würze. Perfekte Balance zwischen Säure und Tannin. Jetzt wunderbar zu trinken und trotzdem auch viel Zukunft vor sich.

 





·       2016 MARKOWITSCH, PINOT NOIR RIED SCHEIBNER 

Dass Gerhard Markowitsch zu den besten Winzern Österreichs zählt ist unbestritten. Wenngleich die Mehrheit der Konsumenten, runde, vollmundige Rotweincuvées mit dem Weingut aus dem an der Donau liegenden Carnuntum verbinden, finde ich die Entwicklung beim Pinot Noir beeindruckend. Mittlerweile mischt auch Johanna, Gerhards älteste, „burgundernarrische“ Tochter kräftig mit. 2001 war der älteste Pinot, den ich vor einigen Jahren probieren konnte. Hat dieser Wein vor allem durch seine wunderbare Reife beeindrucken können, besticht der 2016er Scheibner durch enorme Präzession und Ausdruck. Burgundisch im Auftreten, intensive dunkle Frucht, konzentrierte Würze und doch spielt er genauso all die feinen Töne, die den Pinot Noir auszeichnen. Fantastisch.








·       1989 CHÂTEAU HAUT BRION 1ER GRAND CRU CLASSÉ, PESSAC LEOGNAN 

     Zu guter Letzt noch ein Wein für die Galerie. Vor unzähligen Jahren war dieser große         Bordeaux einer der ersten Weine, die mich dem Thema Wein und meinem Job verfallen         ließen. Drei Mal hatte ich bisher das große Vergnügen diesen Wein im Glas zu haben, immer       war es ein Erlebnis. Unendlich komplexe Nase, dunkle Beeren, Cassis, Graphit und Tabak.      Am Gaumen Äquilibrium aus perfekt reifem Tannin und wahnsinnig präziser Säure, die für         jahrzehntelangen Trinkgenuss sorgen wird. Wenn nicht sogar noch länger…