Lette Raimonds Tomsons gewinnt Sommelier-EM in Wien


Von den vier Finalisten der Sommelier-EM freute sich gestern einer besonders.


Neben den anderen Ereignissen etwas weniger im Mittelpunkt der täglichen Berichterstattung, dennoch in gewisser Weise von großer Wichtigkeit. Es geht um den Wettbewerb der besten Sommeliers Europas, der während der vergangenen Tage in Wien stattfand.

 

Gestern gab es während einer Galaveranstaltung das Finale der besten Vier, die auf einer Bühne ihre Fertigkeiten vor dem Gast, bei Verkostungen und in der Allgemeinbildung unter Beweis stellen mussten. Ein harter Test mit vielen kleinen und großen Fallen, die die Jury den Kandidaten gestellt hatte. Und das alles vor nicht gerade wenig Publikum und unter ziemlichem Zeitdruck.

 

Platz Eins sicherte sich in einem vom Publikum so wahrgenommenen Herzschlagfinale der Lette Raimonds Tomsons, der sich nach der Entgegennahme seiner Trophäe an die Veranstalter und ans Publikum (viele Winzer, Fachjournalisten, Cheerleader) wandte um sich für die Gelegenheit zu bedanken, als Sommelier seine Fertigkeiten präsentieren zu können. Eines lässt sich sagen: So perfekt und rund sah man einen Kandidaten noch selten bei der Arbeit.

 

Doch seine Mitbewerber machten es ihm nicht leicht. Unglaublich, wie gut diese Leute aufgestellt sind, wie schnell sie denken, wenn auch da und dort die Nerven flatterten: Piotr Pietras aus Polen, Julia Scavo aus Rumänien, Raimonds Tomsons aus Lettland und David Biraud aus Frankreich matchten sich vor Publikum um den ersten Platz. Es war knapp, wie auch schon der Einzug ins Finale knapp gewesen war (deshalb zu viert, nicht zu dritt).

 

Die Vier mussten zu einem Menü, das zu studieren sie gerade einmal 20 Sekunden Zeit hatten, eine Empfehlung von Weinen aus verschiedenen Ländern machen. Hier wählte der Lette Weine, hauptsächlich aus Ländern, durch die die Donau fließt, von Deutschland, Österreich bis Kroatien. Fast schon genial.

 

Einen Rotwein galt es zu verkosten und zu kommentieren. Hier waren sich die Kandidaten einig: Es handelte sich um einen Rotwein aus dem Piemont.

 

Die Kunst des Servierens und Dekantierens musste anhand eines Blaufränkischen von Markus Altenburger vor vier Gästen präsentiert werden. Da funktionierte schon mal ein Streichholz nicht, da wurde auch etwas nervös am Korken herumhantiert. Aber servieren Sie einmal vor mehreren hundert Leuten Wein, die nur darauf warten, dass ein Fehlerchen passiert.

 

Schließlich eine weitere Blindprobe: Spirits, Süßweine und Brände waren nach Gemeinsamkeiten zu untersuchen. Und dann gab es noch Süßweine aus verschiedenen Ländern, von Sauternes bis Ruster Ausbruch, einzuordnen. Spannend, welche Vermutungen da von den Kandidaten angestellt wurden. Der Lette erwies sich auch in den Blindtests zumindest nach außen als sattelfest und souverän. Perfid schließlich die Aufgabe, eine Weinkarte nach Fehlern bei Weingütern, Lagen, Jahrgängen oder Rechtschreibung zu untersuchen.

 

Am Ende mussten die Kandidaten dann noch Bilder von Winzern, Weingütern, Weinautoren und anderem erkennen.

 

Es war dann weit nach Mitternacht, als nach fünf Stunden Finale und ein paar sehr guten Gängen fürs Publikum, gekocht von vier Köchen der JRE  - Thomas Göls, Richard Rauch, Hubert Wallner, Josef Steffner – der Sieger feststand. Wie lange die Siegesfeiern dauerten, ist der GM-Redaktion nicht bekannt, die sich gegen eins vom Dienst verabschiedete.


Text: Alexander Rabl