Getränk

Sommer+Wein = Muss sein: Markus Gould & seine Lieblingsweine

Vol. 2

Mitte August und der Sommer ist bereits vorbei? Nicht für uns. Zwar sind die Tage bereits wieder kürzer, aber gerade jene, die mit angenehmen Sommertemperaturen einhergehen, ohne von Badesee zu Badesee hüpfen zu müssen, sind uns doch die liebsten. Um Ihnen auch die passende Begleitung im Glas und der Flasche zu bieten, geht unsere Sommerwein-Edition in die zweite Runde. Dafür haben wir Markus Gould, Sommelier und Gastronom des Heunisch & Erben nach seinen 5 Lieblingsweinen zu dieser Jahreszeit befragt. Das Resultat: 5+1 spannende Weine, die Lust auf mehr Sommerabende machen. Explizit, undogmatisch, zeitgemäß und mit Weitblick – Markus Goulds Repertoire macht Spaß und scheint schier unendlich. Für mehr Einblick legen wir Ihnen einen Besuch im mit 3-Hauben ausgezeichneten Restaurant schwer ans Herz.




Markus Gould, Sommelier und Wirt im Wiener Restaurant Heunisch & Erben © Heunisch & Erben


WIENER RAKETE 2018, JUTTA AMBROSITSCH




Ich fange lokalpatriotisch an mit dem Wiener Weingut Jutta Ambrositsch - da wird doch tatsächlich ein roter gemischter Satz verkauft. Verwirrt den Kunden? Keinesfalls! Bei der "Wiener Rakete" 2018 (2019 ist auch gerade auf den Markt gekommen) geben weiße und rote Reben gemeinsam den Ton des Sommers an, sie ist gegen den Durst konzipiert, rotbeerig, etwas Zitrus, Kräuter, Kirsche. Gekühlt und in großen Schlucken zu trinken.

 







* HÖLLE 2016, HOCHHEIMER RIESLING KABINETT, JÖRG BRETZ


Der hessische Jörg Bretz landete 1997 in Österreich und macht in Höflein (Carnuntum) nach kurzen Stationen bei Willi Bründlmayer und Gernot Heinrich seit der Jahrtausendwende - Gott sei Dank - eigene Weine, die für mich in Österreich weiß wir rot regelmäßig zur Spitze gehören und durch ihren extrem langen Ausbau im Holz herausstechen. Die Weine sind wie der Winzer selbst: voller Ruhe und manchmal fernab jeder Konvention.

Der 2016er Hochheimer Riesling Kabinett "Hölle" (mit einem Kollegen im Rheingau vinifiziert) ist das Paradebeispiel eines ersten Gewächses, saftig, vibrierend, Ananas, Steinobst, viel Ausdruck bei nur 11,5 % Alkohol. Flasche leer.

 



BLANC D´ARGILE 2015, BLANC DE BLANCS, BERTRAND GAUTHEROT



Ein erster Schwenk ins "gelobte Land" Frankreich; wer leicht und erfrischend sucht kann gerne auch in der Champagne Station machen: Bertrand Gautherot zieseliert in seinem 5 Hektar-Miniweingut "Vouette & Sorbée" im Südosten der Champagne biodynamisch fast nur jahrgangs- und parzellenreine Produkte, konsequent alle ohne Chaptalisierung (Zugabe von Zucker), Schönung, Filtration, Dosage und Reinzuchthefen - ohne all dieser üblichen Kellertechnik muss die Traubenqualität schon außergewöhnlich sein. Der Blanc de Blancs "Blanc d´Argile" 2015 hat einen sofort zupackenden Griff an den Gaumen, super straff, einen Zug nach vorne wie ein gespanntes Gummiband. Ein Champagner, der mich immer wieder emotional berührt.

 







* CLOS DE L´ÉCHELIER" 2016, SAUMUR BLANC, DOMAINE DES ROCHES NEUVES / THIERRY GERMAIN



Ein Laserschwert von Wein von der Loire aus der Rebsorte Chenin blanc von der Domaine des Roches Neuves / Thierry Germain: Saumur blanc "Clos de l´Échelier" 2016, baut unglaublichen Druck auf, rückerfrischend, engmaschig, die oft bemühte Mineralik aus dem Schulbuch. Eine über hundert Jahre alte Parzelle (Monopollage) liefert diesen Chenin, der in uralten Stockinger 600 Liter-Fudern minimalinvasiv ausgebaut wird und neben der enormen inneren Spannung mit Aromen wie Kernobst, Zitrusschale, Fenchelgrün und einem Hauch Exotik und Bienenwachs erfreut.


Leichter Preisalarm, aber die Leistung im Glas spricht für sich. Biodynamisches Top-Niveau.

 








* TERROIR DE SAINT ALBAN 2018, CUVÉE (ALTESSE, JACQUERE), MATHIEU APFFEL




Zwischenstopp in Savoyen - seit vielen Jahren eines meiner Lieblingsgebiete für Wein: Mathieu Apffel kommt eigentlich aus dem benachbarten Jura, hat dann in der Burgund studiert und macht nun in Saint Badolph seit 2016 (aber mit älteren bis alten Weingärten) biodynamisch eigene Weine, die man unbedingt am Schirm haben sollte. Meine Empfehlung für den Sommer ist die Cuvée aus den hier typischen Rebsorten Altesse und Jacquere, "Terroir de Saint Alban" 2018, unfiltriert und ohne Schwefelzugabe, trotzdem glockenklare Gebietstypizität, schlank, innere Spannung, eher verhaltene Nase, nasser Stein, gerade reife Zitrus, Vegetales wie gebrochenes Haselnussholz und ein paar Bergkräuter, alpiner Wein.

 






* WABI SABI WHITE 2017, CUVÉE (CH, SB, C), POPULIS




Zu guter Letzt ein Schritt über den großen Teich in den Norden Kaliforniens, Mendocino County, wo Diego Roig, Sam Baron and Shaunt Oungoulian mit dem Weingut Populis den "Wabi Sabi white" 2017 liefern. Die Cuvée aus Chardonnay (1972 gepflanzt), Sauvignon blanc (1940 gepflanzt!) und Colombard ergibt in guter Rebsorten-Balance einen dichten, cremigen, leicht grasig und rauchigen Wein im cool-climate-Gedanken. Funky. 

Dank sehr moderatem Marketing bleibt die Preis/Leistung im absolut grünen Bereich.









Heunisch & Erben, 3 Hauben (15,5 Pkt.)

Landstraßer Hauptstraße 17

1030 Wien

Web: www.heunisch.at

Tel.: +43 1 286 85 63 


Text: Markus Gould & Franziska Ettmeier