Süß, aber keine Kartoffel


Süß, aber keine Kartoffel

 

Die Süßkartoffel ist eine der wichtigsten Speisepflanzen der Welt, schmeckt gut und ist darüber hinaus extrem nährstoffreich und gesund. In unseren Breiten ist sie jedoch weitgehend unbekannt. Wieso eigentlich?

 

Die spanischen Eroberer kamen im Kielwasser von Christoph Columbus mit reicher Beute zurück nach Europa. Am geraubten Gold, mit dem Spanien ab 1500 seinen zeitweiligen Aufstieg zur Weltmacht finanzierte, klebte Blut. Andere Mitbringsel  waren jedoch in jeder Hinsicht ein Segen und konnten von den Konquistadoren ohne Gewalt mitgebracht werden.  Sie haben nicht nur Spanien, sondern ganz Europa genutzt. Dass Tabak, Mais, Tomaten und Kartoffel ursprünglich aus Amerika stammen und erst vor 500 Jahren nach Europa importiert wurden, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass sich unter den neuartigen Nutzpflanzen auch die Süßkartoffel befand.


In Gegensatz zur Kartoffel, die auch in kühlem Klima gedeiht, mag es die Süßkartoffel warm – unter zehn Grad stellt sie ihr Wachstum komplett ein, optimal sind 25 Grad. Weil man es damals botanisch noch nicht so gut nahm, hat man die wertvolle Knolle (Spanisch: Batata) als süße Kartoffel bezeichnet, was irreführend ist, weil sie mit der normalen Kartoffel nur sehr weitläufig verwandt ist. Gut, es handelt sich bei ihr auch um eine Knollenfrucht, die unterirdisch wächst und sehr stärkehältig ist. Im Gegensatz zur Kartoffel enthält sie auch einen beachtlichen Anteil an Zucker.


In den Küchen Lateinamerikas spielt die Süßkartoffel eine ähnliche Rolle wie die Kartoffel. Sie ist Bestandteil fast aller Eintöpfe, wird in Suppen mitgekocht, zu Püree verarbeitet und natürlich auch frittiert. Die Batatas Frittas schmecken mitunter besser als die auch bei uns als Pommes Frittes bekannten Papas Frittas. Sie haben auch mehr Biss. Im Vergleich mit der Kartoffel enthält die Süßkartoffel wesentlich mehr Nährstoffe und wertvolle Spurenelemente. Sie ist also nicht nur aufgrund ihres Geschmacks ein überaus wertvolles Nahrungsmittel.

 

Weltweiter Siegeszug

 

Nach Kartoffel und Maniok ist die Süßkartoffel weltweit die drittwichtigste Knollenfrucht, die hunderte Millionen Menschen ernährt. Vor allem in Westafrika ist sie extrem populär und aus den lokalen Küchen nicht mehr wegzudenken. Überraschend ist jedoch, welchen Siegeszug die Süßkartoffel in Asien geschafft hat. China ist heute der mit Abstand größte Produzent von Süßkartoffeln, aber auch in den Küchen anderer asiatischer Länder wie Korea und Japan spielt sie eine wichtige Rolle. So werden in Korea die Glasnudeln aus Süßkartoffel-Stärke produziert, in Japan wird daraus das Dessert Yōka gebacken. Außerdem wird in beiden Ländern aus Süßkartoffeln ein Shōchū genannter Schnaps gebrannt.


Im Gegensatz zurKartoffel können Süßkartoffeln auch roh verzehrt werden, etwa dünn geschnitten als Zutat eines Salats. Köstlich schmecken sie auch als Chips, die man im Rohr zubereiten kann. Als Püree sind sie eine wunderbare Alternative zu Kartoffeln oder Pastinaken und passen zu kräftigen Fleisch- oder Wildgerichten.


Egal ob gekocht, gebacken, püriert oder frittiert – die Süßkartoffel ist eine günstige und wohlschmeckende Möglichkeit, das Speiseangebot zu erweitern.