Tempranillo: Temperamentvoll, tiefrot und traditionsreich

06/10/2021

Die Rebsorte Tempranillo steht wie keine Zweite für Rotweine von der iberischen Halbinsel. Als bedeutendste rote Varietät Spaniens prägt sie besonders die Weine von Rioja und Ribera del Duero.

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Gut zu wissen

Der Name Tempranillo rührt vom spanischen Wort „temprano“ für „früh“ her. Wörtlich übersetzt bedeutet er also „Frühchen“, was sich sowohl auf die zeitige Reife der Trauben, als auch auf die geringe Größe der Beeren bezieht. Als meistangebaute Sorte wächst sie in so gut wie allen spanischen Weinregionen, besondere Bekanntheit erlangte sie in Rioja als dominanter Partner im Rioja-Cuvée und reinsortig ausgebaut in Ribera del Duero. Im portugiesischen Duorotal wächst Tempranillo unter dem Namen Tinto Roriz und ist wichtiger Bestandteil des Portweins. Im weltweiten Ranking der Anbauflächen liegt Tempranillo ganz weit vorne auf Rang vier. Über die Herkunft der Sorte ist noch wenig bekannt. Die ersten Rebstöcke pflanzten wahrscheinlich die Mönche des Zisterzienserordens nach der Rückeroberung Spaniens von den Mauren in der Rioja. Von hier aus startete der Tempranillo seinen Siegeszug über das ganze Land. Die Reben brauchen viel Wasser, sind aber sehr robust und unkompliziert, was klarerweise zu ihrer Beliebtheit beiträgt.

 

 

Wie schmecken die Weine?

Generell bringt die Traubensorte dunkle, elegante, fruchtbetonte und langlebige Rotweine hervor. Die typischen Aromen sind blaue Beeren, Pflaumen, Kirschen, Trockenobst, Tabak, Leder, Schokolade und Gewürze. Dabei haben die Weine keine besonders eigenständige oder unverwechselbare Note, wie sie beispielsweise klassischer Cabernet, Syrah oder Pinot aufweisen. Es verändert sich der Stil und Geschmack des Weins vielmehr je nach Art und Weise, wie er ausgebaut wird. In der Rioja wird Tempranillo häufig mit Garnacha Tinta, Graciano, Mazuelo oder der weißen Viura verschnitten. Dazu kommt eine Holznote, die mal üppig, mal zurückhaltend ausfällt. Der oftmals übliche Gebrauch amerikanischer Eiche zur Reifung der Weine führt zu Noten die an Vanille und Kokos erinnern.

 

 

Ein breites Tempranillo-Spektrum

Die Geschichte von Alejandro Fernández ist die eines beeindruckenden Selfmade-Mannes. Er war stets heimatverbunden und hatte immer ein Ziel vor Augen: in seinem Heimatort Pesquera del Duero einmal Land kaufen zu können. 1972, im Alter von bereits 40 Jahren, hatte er es geschafft. Durch die Einblicke in die regionale Landwirtschaft, die er aus seiner vorherigen Berufstätigkeit hatte, wusste er, dass man hier sehr gute, kraftvolle Rotweine aus Spaniens Königsrebsorte Tempranillo herstellen kann. Bis dato wurden in der Region, mit Ausnahme von Vega Secilia aber nur leichter, heller Roter für den baldigen Konsum produziert. Viña Alta heißt der erste Weinberg, den Fernández in den 1970er Jahren mit dem Tempranillo bepflanzt hat. Er ist der Ausgangspunkt einer vinologischen Erfolgsgeschichte, die mittlerweile vier Weingüter in den Weinbauregionen Ribera del Duero, La Mancha und Castilla y Leon umfasst – Tinto Pesquera, Condado de Haza, Dehesa la Granja und El Vinculo. Fernández war Pionier in Ribera del Duero und produzierte schon Tempranillo-Weine, ehe die offizielle Appellation geschaffen wurde und ist somit einer der Wegbereiter des Qualitätsweingebietes. Tempranillo ist Teil der Familien-DNA, alle sind so stark mit ihm verbunden, dass bis heute keine andere rote Sorte in den Betrieben angebaut wird.

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Text: Petra Bader