Getränk

Uhudler: Hoch-Zeit für den Kultwein

„Du schaust ja aus wie ein Uhu“ – mit diesen Worten dürften die burgenländischen Bauersfrauen oft ihre, dem Alkoholgenuss nicht abgeneigten, Männern gerügt haben. Woher der stierende Blick und die Augenringe kamen? Der erdbeerige Wein war schuld! So entstand, der Legende nach, der Name „Uhudler“. 


Aus der Not eine Tugend gemacht

Die LiebhaberInnen des einzigartigen, oft unterschätzten Weines müssten sich eigentlich bei der Wurzel-Reblaus bedanken. Über den Import von Wildstöcken aus Amerika kam der Schädling nach Europa und richtete eine Katastrophe im Weinbau an. So wurden amerikanische Reben importiert, deren Wurzeln resistenter waren. Die Weine dieser hatten einen anderen Geschmack, an den sich die Leute zwar gewöhnten, dennoch entwickelte sich die Veredelung. Der Weinbau heutzutage funktioniert nämlich so, dass die robusten Reben sich im Boden verwurzeln und die Unterlage für die heikleren, früchtetragenden Sorten bieten. Eine kluge Lösung.


Uhudlerblüte, Foto: (c) TV Oberwart Fotografie RobertB


Trotzdem wird noch immer Wein aus den Unterlagsreben, auch Direktträger genannt, gewonnen – der Uhudler. Wenn auch mit Hindernissen, denn eine Zeit lang war der Uhudler in Österreich aufgrund seines etwas höheren Methanolgehaltes sogar verboten. Seit 1992 kann man den besonderen Wein aber wieder getrost genießen – vor allem dank der Bemühungen des Vereines „Freunde des Uhudler“. Auf jeden Fall ist er bis 2030 zugelassen, hoffentlich auch darüber hinaus. 


Bei der Rarität aus dem Südburgenland kann man sich absolut sicher sein, ein Naturprodukt zu erhalten. Denn chemischen Schutz benötigen die robusten Reben überhaupt nicht. Die klingenden Sorten Ripatella, Delaware, Concordia und Elvira dürfen für den gemischten Satz verwendet werden. Um die Bezeichnung „Uhudler“ überhaupt tragen zu dürfen, wird der Wein stark kontrolliert - vor allem auf Geschmack und Geruch: Er muss die typische Waldbeer-Note aufweisen. 


(c) TVR Oberwart


In den meisten Köpfen ist der Uhudler wohl als rosaroter Wein verankert, jedoch geht die Farbpalette von Strohgelb bis Ziegelrot. Säurebetont sind sie aber alle und enthalten eine „fuchsige“ Note. Der Wein ist vielleicht nicht jedermanns Sache – aber haben Sie schon mal Uhudler-Essig, Marmelade oder Uhudler-Pflegecreme ausprobiert? 


Ein Ausflug in die Uhudler-Bezirke Güssing und Jennersdorf im Südburgenland lohnt sich auf jeden Fall. In der wunderschönen Hügellandschaft macht eine Verkostung besonders viel Spaß. Aber schnell sein! Der charakteristische Wein erfreut sich großer Beliebtheit und ist oft schnell aus, da er nur auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche von ca. 50 Hektar angebaut wird und der Ertrag daher nicht so groß ist. Also: Frohes Verkosten!


Und bitte verraten Sie uns, ob Sie mit dem Uhudler tatsächlich auch den Uhu-Blick bekommen. Wir sind uns nämlich nicht ganz sicher, ob das denn nicht allgemein mit dem Genuss alkoholischer Getränke einhergeht. Was nimmt man nicht alles auf sich?


Hier finden Sie übrigens alle Uhudler-Winzer: /www.uhudlerverein.at


Text: Astrid Panowetz

Foto oben: (c) TVR Oberwart