Unsere Köche hautnah: Gerhard Fuchs im Interview

16/04/2020

Haubenköche im Porträt.
Publicité

In der Südsteiermark hat sich Gerhard Fuchs nicht nur ein wunderschönes Platzerl für seine „Weinbank“ ausgesucht, auch das Konzept des Restaurants ist einmalig. So darf man den Namen ruhig beim Wort nehmen. Der Koch des Jahres 2004 versteht die nicht weniger wunderbare Weinbegleitung durch Sommelier Christian Zach nicht als bloßes Beiwerk, sondern als gleichberechtigtes kulinarisches Statement. Essen und Trinken haben hier nicht nur die gleiche Wertigkeit, sie werden auch mit der gleichen Lust am Geschmack zelebriert. So freuen wir uns jetzt mindestens genauso wie Gerhard Fuchs, wenn wir bald wieder in die „Weinbank“ in Ehrenhausen einkehren dürfen. Bis dahin wird dem Haubenkoch aber auch daheim nicht langweilig.

 

 

*Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Quarantänezeit?

Die Bibliothek durchforsten und die Zeit zum Lesen genießen, ausgedehnte Waldspaziergänge, Gartenarbeit…..die Kräuter freut’s, Gerichte und Menüs für die „Zeit danach“ vorbereiten……..einfach die stressfreie Zeit genießen.

 

*Was ist Ihr Geheimtipp gegen einen Lagerkoller?

Wer, so wie wir Gastronomen, keine geregelte Arbeitszeit hat, kommt, glaube ich, auch mit der momentanen Situation zurecht. Ich mache einfach alles, wozu ich sonst nie Zeit habe – und meine Frau freut sich auch über mehr Familienzeit. Zurzeit hebt das Durchforsten alter Zeitungsartikel die Laune – manche Fotos von Früher…….

 

*Welches Produkt darf in Ihrem Einkaufskorb derzeit nicht fehlen?

Frischgemüse!

Wildkräuter wie Brennnessel und Löwenzahn, Bachkresse usw. gibt’s zum Glück vor der Haustüre……..und den Schlüssel zur Weinbank habe ich auch noch.

 

*Wie halten Sie sich fit?

Der Heimtrainer hat nicht viel Ruhe zur Zeit. Ansonsten bringt Gartenarbeit und Spazieren Farbe ins Gesicht.

 

*Gibt es ein Gericht, dass Sie bei besten Willen nicht essen können?

Alles was mit Schnecken zu tun hat……entgegen der Mode!

Industrieessen vom Massenlieferanten und Junk geht gar nicht.

 

*Weißer Rettich, Kakao und Bergamotte? Was bereiten Sie daraus zu?

Mit weißem Rettich und Bergamotte gibt’s ein wunderbares Rohkostgericht…..den Kakao zum Frühstück?

 

*Mit wem würden Sie die Quarantäne absolut nicht verbringen wollen? Und mit wem unbedingt?

Nicht: mit selbsternannten Virologen und Experten, die die Ansteckungsgefahr leugnen….der Blick nach Italien und Spanien sollte genügen.

Unbedingt: so wie es ist – mit meiner Frau.

 

*Was war Ihr größter Kitchen-Fauxpas?

Lievre a la Royal……..eine Neuinterpretation des Gerichtes bei einer Veranstaltung in der Saziani Stuben im Jahr 2002……..für mich war es perfekt, für 44 der 45 Gäste eher nicht. Das Gefühl, das man hat, wenn alle Teller- bis auf jenen, den der einzelne Begeisterte essen konnte – unangetastet zurück in die Küche marschieren ist unbeschreiblich.

Da war ich meiner Zeit etwas voraus…

 

*Wenn Sie die Einladung zu Kitchen Impossible bekommen würden, welche Gemeinheit würden Sie Tim Mälzer antun?

Der Tim Mälzer hat für mich bei diesem Format enorm gewonnen – ein rundum kompakter Koch, der wie ich mit modischem Schnickschnack und Sinnlosigkeiten nichts anfangen kann. Also keine Gemeinheit……würde mich aber gerne der Herausforderung stellen und ihm klassisch Österreichisch – Steirisches vorsetzen…..eventuell ja in Kombination mit Wildkräutern usw. Ich denke, der Gang in die Natur würde bei ihm nicht so gut ankommen! Also ja vielleicht Zweierlei Schädl – Leber- und Blunzenschädl. Einfach genial und wenn man es nicht kennt, nicht wirklich nachkochbar.

 

*Ihre Lieblingskonserve:

Essiggurkerl und Anchovis.

 

Foto oben: (c) Tina Veit-Fuchs