Vegane Botschafterin aus Israel


Ori Shavit hält ihren veganen Kochkurs.




Das fertige Shakshouka.












Vegane Botschafterin aus Israel

 

Die ehemalige Restaurant-Kritikerin Ori Shavit ist heute die bekannteste vegane Köchin Israels. Wir haben einen ihrer Kochkurse in Tel Aviv besucht und mit ihr über die Besonderheiten der israelischen Küche gesprochen.

 

Die Freude an gutem Essen begleitet Ori Shavit seit ihrer Kindheit, die am veganen Kochen ist erst vier Jahre alt. Damals wollte sie mit einem sympathischen jungen Mann ausgehen. Sein einziges Manko: er war Veganer, Ori jedoch eine bekannte Food-Journalistin und bekennende Allesfresserin. Das Interesse an der neuen Bekanntschaft war jedoch so groß, dass sich Ori auf das Wagnis einließ und beschloss, zu probieren, ein paar Wochen als Veganerin zu leben. Die Beziehung funktionierte schlussendlich nicht, das neue Leben als Veganerin hingegen schon.


Allerdings war mit dieser Entscheidung die Ausübung ihres bisherigen Berufs als Restaurant-Kritikerin nicht mehr wirklich möglich. „Anfangs habe ich die Küchenchefs der besten Restaurants gebeten, für mich ein veganes Menü zu kochen, was viele tatsächlich gemacht haben. Aber die Mehrheit der Israeli isst nach wie vor regelmäßig Fleisch. Statt zu versuchen, als vegane Food-Journalisten weiterzuarbeiten, habe ich begonnen, Kochkurse zu geben und mit meinem Blog ‚vegansontop’ Werbung für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung zu machen“, erklärt die sympathische Köchin.


Teil ihrer Mission ist es, vegane Kochkurse anzubieten. Eines ihrer Lieblingsgerichte ist das traditionelle Shakshouka. Bei diesem typisch levantinischen Gericht werden Eier in einer pikanten, warmen Tomatensauce gegart. Dazu reicht man Brot. In der veganen Variante ersetzt Ori die Eier durch Maiscreme, die sie mit einem scharfen Messer im Handumdrehen frisch zubereitet. Hier der Link zur Videoanleitung: http://vegansontop.co.il/vegan-shakshouka-with-corn-cream/

 

Eine Frage des Glaubens

 

Mit über vier Prozent Veganern ist Israel weltweit Spitzenreiter. Dazu kommen noch rund zehn Prozent Vegetarier, was für reiche Nationen ebenfalls rekordverdächtig ist. Ein Grund für dieses außergewöhnliche Ernährungsverhalten hat wohl mit dem religiösen Charakter des Landes zu tun. Zwar ist es weder den Juden noch den in Israel lebenden Moslems verboten, Fleisch oder Eier zu essen, aber das Thema koscher (bzw. halal) zu kochen, ist außerhalb des säkularen Tel Avivs weit verbreitet.


Viele Israeli sind es also gewohnt, ihre Ernährung an weltanschaulichen Grundsätzen zu orientieren. Und um nichts Anderes handelt es sich bei den Veganern, auch wenn diese zumeist jung und prinzipiell areligiös sind. „Natürlich ist der Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte für viele junge Israeli eine bewusste Absage an die Massentierhaltung und somit ein gesellschaftspolitisches Statement. Dass eine vegane Ernährung auch gesünder ist, spielt für die meisten eine geringere Rolle und wird ihnen erst bewusst, nachdem sie Veganer geworden sind“, erklärt Shavit.


Ihr ist es vor allem wichtig, dass vegane Gerichte auch gut schmecken, denn sie will keineswegs den Verzicht, sondern vielmehr einen gesunden und unbedenklichen Genuss propagieren. Dass es in Israel keine ausgeprägte Kultur an Käse und Milchprodukten gibt, macht es leichter, denn gerade der Käse ist etwas, worauf Genießer nur schwer verzichten können.


Gut die Hälfte der Leute, die an ihren veganen Kochkursen teilnehmen, ernährt sich konventionell und aus zahlreichen Diskussionen weiß sie, dass sie nur einen kleinen Teil von ihnen von einer fleischlosen Ernährung überzeugen kann. Das mache jedoch nichts, so Shavit: „Natürlich ist es besser, wenn man ganz auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet, aber es ist schon viel gewonnen, wenn sich Menschen bewusst werden, was sie essen und ihren Fleischkonsum entsprechend einschränken. Wenn sie dann noch lernen, wie man auch ohne Fleisch schmackhaft kochen kann, habe ich meine Aufgabe erfüllt.“

 

www.vegansontop.co.il