Was geschah wirklich in der Traube Tonach



27. Juli 2017


Einer der berühmtesten Köche Deutschlands, Harald Wohlfahrt, 61, kam während der vergangenen Tage in die Schlagzeilen. Doch es war nicht eine seiner aufregend präzise gedachten Kreationen, über die berichtet wurde. Es war ein Brief seines Anwalts an Wohlfahrts Arbeitgeber, den Hotelier Heiner Finkenbeiner von der Traube Tonbach in Baiersbronn, der beide – beziehungsweise ihre Anwälte – vor das Arbeitsgericht in Pforzheim bringen sollte.

 

Was war los? Es herrschte Stillschweigen, doch so viel war bald klar: Der deutsche Spitzen-Chef, unter anderem Lehrherr und Förderer von 19-Punkte-Koch Silvio Nickol, hatte Streit mit seinem Arbeitgeber, der ihm bei aufrechtem Arbeitsverhältnis verboten hatte, die Küche der Schwarzwaldstube, in der er über 25 Jahre Topwertungen in allen Guides erkocht hatte, auch nur zu betreten. Darauf scheint ihm nichts als der Gang zu Gericht geblieben sein.

 

Dabei drangen Details nur in Minimaldosierung nach außen, so als würde Wohlfahrt die Würzverhältnisse zu einem Rezept festlegen. Vom Koch selbst war und ist bis jetzt nichts zu hören gewesen. Und nachdem vor zwei Tagen vor Gericht eine Einigung stattfand, wird es vermutlich auch beim Stillschweigen bleiben.

 

Faszinierend dennoch, was aus einem gelungenen Verhältnis zwischen Arbeitgeber und seinem berühmten Angestellten innerhalb einiger Wochen werden kann. Der Übergang der Küchenleitung in der Schwarzwaldstube (19,5 Punkte) galt als besonders lange und besonders gut geplant. Immerhin: Souschef Torsten Michel steht seit langer Zeit in den Startlöchern.

 

Wohlfahrt feierte vor kurzem den 61. Geburtstag. Ein gutes Alter, andererseits sind viele seiner berühmten Kollegen mit 61 noch lange nicht darauf aus, die Kochpfannen zur Seite zu legen.

 

Dann scheint es irgendwann gerumpelt zu haben. Wohlfahrt erhielt einen Brief, er sei ab jetzt zum Küchendirektor befördert worden. Von der Küche ins Office wegbefördert. Als er dann am 2. Juli doch in der Küche auftauchte, gab es Zoff. Und ein Betretungsverbot der Schwarzwaldstuben-Küche für den künftigen Küchendirektor der Traube Tonbach. Witzig.

 

Wer von der ganzen Sache profitiert, ist ja eher unklar. Hotelier Heiner Finkenbeiner ist es nicht, Harald Wohlfahrt ist es auch nicht. Der neue Küchenchef ist es vermutlich ebenfalls nicht. Wiewohl er ja jetzt hat, worauf er seit Jahren gewartet hat. Die Chance, die hohen Bewertungen der Schwarzwaldstube in Baiersbronn, über deren Qualität sich alle Guides in Deutschland einige sind, höchst selbst zu verteidigen. Das Fest, an dem am 3. Juli feierlich die Übergabe des Küchenzepters begangen werden sollte, war naheliegender Weise abgesagt worden.

 

Von Wohlfahrt selbst gab es nur Folgendes zu hören: "Ich bin unheimlich froh über die Einigung." Ob er sich wirklich als Küchendirektor ohne Portefeuille als Küchenchef in der Traube Tonbach niederlässt, um auf den Rentenantritt mit 65 Jahren zu warten, wird man sehen. 


Text: Alexander Rabl