Weinbau ohne Pflanzenschutz?

25/01/2021

Publicité
Die heimische Sommelier Union nutzte die andauernde Zeit des Lockdowns wieder einmal für Weiterbildung. Das Thema: PIWI’s – pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Sie gelten angesichts des steigenden klimatischen und biologischen Drucks als Chance im Weinbau. 


Sie tragen selbst für den Weininteressiertesten wenig geläufige Namen wie Muscaris, Souvignier Gris, Johanniter oder Bronner. In den heimischen Weinregalen und auf Restaurantweinkarten tauchen sie momentan noch kaum auf. Doch eine Gruppe überzeugter Winzer, vornehmlich aus der Bio-Ecke, schwört auf pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – kurz PIWI’s genannt. Vor allem in der Steiermark mit ihrem feuchten Klima und somit auch einer hohen Anfälligkeit der Weingärten für Pilzkrankheiten, hat sich bereits eine relativ große Lobby gebildet. Aber auch in Südtirol gibt es eine wachsende Zahl an Winzern, die PIWI-Sorten in ihre Rebanlagen pflanzen.



EIN PLUS IN KLIMATISCH SCHWIERIGEN JAHRGÄNGEN


Die hiesigen klassischen Edelreben (Vitis Vinifera) sind dem Befall von Mehltaupilzen – Oidium und Peronospora praktisch schutzlos ausgeliefert. Um sie davor zu bewahren, muss der Winzer durch Pflanzenschutz eingreifen. Sei es mit konventionellen synthetischen Mitteln oder im Bioweinbau durch das Ausbringen unter anderem von Kupfer. Und das mitunter bis zu zwölf Mal im Jahr. Vor allem, wenn Jahrgänge wie heuer klimatisch schwierig sind, bieten nur Spritzungen ausreichenden Schutz vor Pilzbefall und somit Missernten. Um dies zu optimieren, befassen sich Forschungsstationen und Rebzüchter mit der Einkreuzung widerstandsfähiger, amerikanischer Sorten in bekannten europäischen Reben. PIWI’S haben aber nichts mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu tun.


Wichtiger Faktor bei den Kreuzungen ist neben der Resistenz gegen Pilzkrankheiten auch der Anbauwert im Weingarten und die Qualität der Trauben. Das bedeutet also nicht nur Einsparungen beim Pflanzenschutz, weniger Traktordurchfahrten in den Weingärten und somit eine geringere Bodenverdichtung, sondern auch spannende, geschmacklich hochwertige Weine.



KAUM BEKANNTHEIT BEIM KUNDEN


Walter Frauwallner aus Straden im Vulkanland Steiermark baut mittlerweile - wie seine Kollegen Winkler-Hermaden und Ploder-Rosenberg - Muscaris und Souvignier Gris an. Für ihn sind die pilzwiderstandsfähigen Sorten ein weiterer Baustein um sein Weingut zukunftsfit zu machen.


Die Sauvignier Gris-Traube: Burgunderaromen treffen auf pikante Säure.


Die Sorte Muscaris beschreibt er im Duft und Geschmack sehr ähnlich dem Muskateller. Die Weine gingen allerdings mehr in die Aromatik von Zitruszesten und hätten eine ganz kleine Spur mehr Gerbstoff.


Der Souvignier Gris erinnere ihn vom Typ her an Weiß- und Grauburgunder mit der pikanten Säure des Rieslings. In den Tankproben, welche Frauwallner anlässlich der Verkostung mit den Mitgliedern der Sommelier Union präsentierte, war das Geschmacksprofil klar wiedererkennbar. Er baut seine PIWI-Weine bewusst im Edelstahltank aus, um sie frisch und fruchtbetont in die Flasche zu bringen.


Momentan hätten die Weine allerdings noch keine große Akzeptanz beim Kunden, meint er. Die klassischen Sorten wie Sauvignon Blanc oder Weißburgunder sind sehr stark in den Köpfen der Konsumenten verankert. PIWI’s liegen da noch weit hinten. Dabei sind sie aus ökologischer als auch geschmacklicher Sicht reizvoll.


Jedoch: Österreich hinkt beim Anbau und der Akzeptanz von PIWI’S noch ziemlich hinterher. In Italien, der Schweiz und auch in Deutschland ist man der bereits gepflanzten ha-Zahl nach viel offener. Die Entwicklung in Sachen PIWI’s bleibt also interessant. 

 


IM DETAIL


In Österreich sind die nachfolgenden Rebsorten für den Anbau und die Weinbereitung zugelassen. Ráthay und Roesler wurden an der Weinbauschule in Klosterneuburg bei Wien gezüchtet. Die restlichen Sorten stammen vorwiegend aus Deutschland und der Schweiz.










 


____________________________________________________________________________________________

 

 


Text & Fotos: Petra Bader