Weine richtig lagern



Weine mögen es dunkel, erschütterungsfrei und ohne fremde Gerüche.











Der eine altert schnell, der andere reift.


Kann sein, dass von den vergangenen Festtagen das eine oder andere Geschenk in flüssiger Form übrig geblieben ist. Die meisten unserer weininteressierten Leser verfügen vermutlich über eine Möglichkeit der Weinlagerung, idealerweise einen eigenen Keller oder einen anderen Raum, in dem Weine ohne Beeinträchtigung ein paar Jahre reifen, bevor sie genossen werden. Für interessierte Novizen halten wir hier ein paar Dinge fest, die man übers Weinlagern wissen muss.


Erstens – und das sei gleich einmal festgehalten – nicht jeder Wein eignet sich für eine längere Lagerung. Ein primärfruchtiger steirischer Muskateller ist in der Regel im ersten Jahr am besten zu trinken. Drei Jahre später macht er eine traurige Figur. Gleiches gilt auch für alle Weine mit geringem Alkohol und Frische. Je eher man sie trinkt, desto mehr Vergnügen bereiten diese. Ausnahmen bestätigen die Regel, bleiben aber Ausnahmen.


Zweitens – Lagerfähigkeit beziehungsweise Reifepotential sind klarerweise eine Frage der Qualität. Wie es der große F.X.Pichler einmal zu sagen pflegte: „Ein großer Wein ist immer ein großer Wein.“ Was in der Jugend nichts ist, ist auch später nichts. Man nehme sich dabei die Weine aus Bordeaux als Beispiel: Dort gilt die Regel, dass man eine Cru Bourgeois aus einem mittelprächtigen bis guten Jahr fünf bis maximal zehn Jahre liegen lassen kann, eine Cru classé zehn bis fünfzehn und eine Premier Cru beziehungsweise vergleichbar gute Weine zehn bis dreißig Jahre und mehr. Alles Richtwerte, klar, aber worauf wir hinauswollen: Terroir, Arbeit im Weingarten, Rebsorte und Qualifikation des Kellermeisters beziehungsweise die Arbeit im Keller beeinflussen die Lagerfähigkeit. Manche Jahrgänge großer Bordeauxweine sind noch nach fünfzig und mehr Jahren ein Genuss, wenn sie in einem guten Keller reifen durften. Gleiches gilt für Burgunder oder viele Weine aus dem Brunello. Mit heimischen Blaufränkischen gibt es noch keine Erfahrungen, welche ihre Reifemöglichkeit über ein halbes Jahrhundert beschreiben würden. Man soll sich aber keine übertriebenen Vorstellungen machen. Weine aus den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind jetzt besonders gut. Ein guter Blaufränkischer von einem unserer besten Weingüter hat gut und gerne zehn bis fünfzehn Jahre Potential.


Drittens – wie schon Willi Bründlmayer immer gerne sagt: „Die meisten Weine werden entweder zu spät getrunken. Oder zu früh.“ Will heißen, dass man es mit dem Lagern auch übertreiben kann. Leider bleiben Weine, für deren Lagerung sich ein Weinliebhaber einmal entschlossen hat, dann viel zu lange in der Warteposition, bis sie ihren Höhepunkt überschritten haben. Schade.


Viertens – gerade österreichische Hochklasse-Weißweine haben überraschend viel Potential. Ob es sich um einen Sauvignon Blanc vom Weingut Tement oder einen Riesling Singerriedel vom Hirtzberger handelt, diese Weißweine reifen gerne zehn Jahre und mehr und machen dann unheimliches Trinkvergnügen. Gerade die Rieslinge aus dem Kamptal sind nach zehn oder fünfzehn Jahren immer wieder wunderbar (Hirsch, Bründlmayer, Loimer). Leider kann man dieses Vergnügens nur als privater Sammler teilhaftig werden. In den österreichischen Restaurants werden Weißweine fast ausnahmslos zu jung angeboten.


Fünftens – ein paar Worte zur Lagerung. Frei von Gerüchen, Licht, Erschütterung und großem Wechsel in der Temperatur sollte diese sein. Wenn es zu warm ist, reifen beziehungsweise altern Weine generell schneller. Ein Unterschied von maximal fünf Grad in der Temperatur, wenn er sich nicht zu rasch vollzieht, bereitet hingegen kein Problem. Wenn in einem Weinkeller zu große Feuchtigkeit herrscht, bereitet das vor allem den Etiketten Ihrer Schätze ein Problem. Ist es zu trocken, könnten die Weinkorken in Mitleidenschaft gezogen werden. Für beides gibt es Lösungen.


Sechstens – Wer für besonders wertvolle Weine aus Platzgründen keine Lagermöglichkeit aufbringen kann, fragt einen Freund oder den Stamm-Hauben-Wirten. Der hat für gute Gäste vielleicht einen Platz im eigenen Weinkeller.


Text: Alexander Rabl