Wenn der Bauch entscheidet


Peter Brabeck-Letmathe




Dicke Menschen essen einfach zu gerne, schlanke Personen sind disziplinierter und genießen bewusster. Das stimmt einfach nicht, behauptet Peter Brabeck-Lemanthe in seinem Buch „Ernährung für ein besseres Leben“. Der langjährige Nestlé-Chef erklärt, dass unser Ernährungsverhalten größtenteils im Bauch und nicht im Kopf entschieden wird.    

 

Peter Brabeck-Lemanthe beendete 2008 seine aktive Manager-Karriere bei Nestlé nach vierzig Jahren und hat heute als Aufsichtsratspräsident mit dem Tagesgeschäft nichts mehr zu tun. So findet er heute Zeit, sich mit den großen Fragen der Ernährung zu beschäftigen und darüber Bücher zu schreiben. Ein Mann, der zehn Jahre lang die Geschicke des größten Lebensmittelkonzerns der Welt bestimmte, schreibt natürlich keinen banalen Ernährungsratgeber, auch wenn der Titel des Buches darauf hindeuten könnte. Zum einen behandelt das Buch das Thema Ernährung im globalen Rahmen, denn nicht überall auf der Welt sind Kalorien im Überfluss vorhanden. Der Lebensmittelindustrie kommt dabei, in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, eine entscheidende Rolle zu, um den Hunger auch in den ärmeren Regionen dieser Welt zu besiegen.


Besonders spannend ist das Kapitel zum Thema Life-Science, das sich mit den neuesten Forschungsergebnissen bezüglich des menschlichen Stoffwechsels beschäftigt. Eine zentrale Erkenntnis dieser Forschung, die übrigens auch bei Nestlé – nicht zuletzt auf Initiative von Brabeck-Lemanthe – im großen Rahmen betrieben wird, ist, dass das Genom jedes Menschen mit seinen 25.000 Genen einen entscheidenden Einfluss darauf hat, was wir essen. Entscheidungen darüber, was und wie viel wir essen, werden nur bedingt bewusst im Gehirn gefällt. Der Bauch sendet starke Signale aus, was „er“ haben will. Wie das genau passiert und in welcher Form man unerwünschte Effekte, die zu gesundheitlichen Schwierigkeiten etwa in Form von Fettleibigkeit führen, beeinflussen kann, wird derzeit erforscht.  


Klar scheint jedoch, dass jeder Mensch anders auf bestimmte Stoffe anspricht und es eine Ernährung, die für alle Menschen gesund ist, nicht geben kann. Während manche Menschen tatsächlich salzige Speisen meiden sollten, ist eine Überdosis Salz für andere bedenkenlos. Das Gleiche gilt für viele andere Genussmittel, die manchmal als gesundheitlich bedenklich beschrieben werden, nur, weil sie manchen Menschen Probleme bereiten. Bereits in naher Zukunft werden Gentests, bei denen jeder Mensch erfahren kann, was er gut und was weniger gut verträgt, für die breite Öffentlichkeit verfügbar sein.


Wenn wir besser verstehen, wie unser Körper tatsächlich funktioniert, wird auch „Functional Food“ im Bereich der Vorbeugung und sogar Heilung von Krankheiten ein wichtiges Thema werden.

 

Peter Brabeck-Letmathe

Ernährung für ein besseres Leben

Eine Reise von den Anfängen der industriellen Nahrungsproduktion zur Nutrigenomik

250 Seiten, 2016 im Campus Verlag erschienen; 25,70€