Wie der Weinhandel unter dem Brexit leidet

Gerade die finanziell gut ausgestatteten Mitarbeiter des Londoner Finanzbezirks hatten bisher immer großen Durst auf teure Weine. Der droht nach dem Brexit zu versiegen.

Der Weinmarkt England droht, nach dem Brexit zusammenzubrechen


Stellen Sie sich vor, Sie sind Investmentbanker in London, finanziell gut aufgestellt und die Angebote für die Subskription des aktuellen Jahrgangs 2015 flattern ins Haus. Sie gustieren. Dann kommt das Referendum über den Brexit. Plötzlich wird Ihre Zukunft als Investmentbanker ungewiss und wegen des Kursverfalls des Pfund Sterling kostet der Bordeaux auf einmal um ein Erkleckliches mehr als noch vor einem Tag. Was tun Sie? Sie legen die Subskriptionsliste zum Altpapier.


Großbritannien ist einer der wichtigsten Weinmärkte der Welt. Nach dem Brexit herrscht dort eine Stimmung der Ernüchterung, denn Weine sind auf einmal teuer bis unleistbar geworden. Die unsicheren Aussichten auf die Zukunft der britischen Wirtschaft und des Finanzplatzes London tun ihr Übriges, um die Kauflust zu dämpfen.


Das Pfund Sterling sank auf den tiefsten Stand seit 1985 und niemand geht davon aus, dass es sich so schnell wieder erholen wird. Damit werden alle kontinentaleuropäischen Güter für die Engländer deutlich teurer und ihre Kaufkraft nimmt zusätzlich ab.

Diese Zielgruppe der am Finanzmarkt Beschäftigten macht einen wesentlichen Teil der Gäste aus, die die teuren Londoner Lokale frequentieren und dort teuren Wein trinken.


Luxusgüter im Allgemeinen und Wein im Besonderen dürften in Folge dieser Entwicklungen einem starken Preisverfall unterliegen. Dass die meisten Londoner Weinimporteure gegen den Brexit waren, ist nicht weiter verwunderlich.


Dafür sind Reisen nach London und den Rest Großbritanniens jetzt gerade besonders leistbar. Man darf sich nur nicht von der schlechten Stimmung dort anstecken lassen.


Text: Alexander Rabl