Zwei Kochbücher für den Herbst




Zwei Kochbücher, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind kürzlich erschienen. Das eine stammt von einer heimischen Meisterköchin, einer der wirklichen Persönlichkeiten der österreichischen Gastronomie. Das andere von einem weitgereisten Foodjournalisten und Autor, der im deutschen Sprachraum eine große Fangemeinde hat.
 
Lisl Wagner-Bacher hat ihr vermutlich finales Kochbuch vorgelegt. Wobei in Anbetracht der vielen Aktivitäten und des Ideenreichtums der vor kurzem offiziell als Chefin des Landhaus Bacher in Mautern in Pension gegangenen Köchin weiß man nie.
 
Zwischen all ihren Verpflichtungen fand Lisl Wagner-Bacher während der letzten Monate Zeit für eine sehr persönlich gehaltene Rezeptsammlung, teilweise mit genussvollem Retro-Faktor.
 
Das Buch trägt den Titel, „Meine Küche“, so hieß auch ihr erstes, vor vielen Jahrzehnten erschienenes Kochbuch, damals, als Lisl Wagner-Bacher, Reinhard Gerer oder Helmut Österreicher zu den unbestrittenen Vorbildern und, wenn man so will, Stars unter den heimischen Köchen gehörten.
 
Frau Wagner-Bacher listet verlockende Gemüse-Rezepte auf - sie zählte immer schon zu den besten Gemüse-Köchen Österreichs. Da widmet sich ein eigenes Kapitel auch den Gerichten, die sie daheim für ihre Familie kocht. Burger und Spieße müssen sein. Wie eine höchstpersönliche Variante der Fischstäbchen. Da sind das berühmte Kaviar-Ei und die Wachauer Weinsuppe mit Strauben, zwei echte Lisl-Klassiker. Oder die Erdäpfel-Krautfleckerl zum Zander. Die Desserts sind wie immer im Landhaus auch in diesem Buch eine Freude und ein Kapitel für sich. Zum Beispiel der legendäre Apfel in der Mandelhippe und das Rezept für Lisls nicht weniger beliebte Marillenknödel.
 
Dazu gesellt sich zum Einstieg ein sehr persönliches Vorwort, in dem Lisl Wagner-Bacher die Geschichte des Erfolgs des Familienbetriebs in Mautern erzählt, der seit vielen Generationen Gäste anzieht.
 
Gerichte für die schönste Tageszeit
Die blaue Stunde zählt weltweit zu den schönsten Tageszeiten für Genießer undkulinarisch Flaneure. Der weitgereiste Autor Stevan Paul hat ihr ein Buchgewidmet. Was trinkt man wo und was serviert man dazu, die große Frage, die anden Bartheken, in den Cafés und Restaurants der Welt jedes Mal ein bisschen anders beantwortet wird.
 
Paul listet die gängigen und auch weniger bekannten Gerichte auf, die zwischen Ungarn und Spanien, Italien und Japan, zwischen Griechenland und der Türkei serviert werden, wenn es zum Aperitif etwas Festes sein darf. Eine faszinierende Geschmacksreise.
 
Man lernt dann nebenbei auch über die Grundzüge dieser Weltküchen einiges und nimmt zur Kenntnis, dass etwa die Brötchen vom Wiener „Schwarzen Kameel“ unter den heimischen Aperitif-Häppchen bereits Ikonen-Status besitzen.
 
Sehr anregend lesen sich dann die Rezepte selbst. Ein kleines Buffet zum Apero aus schottischen Eiern, Guacamole, Heringsteller, Rosinenbrot mit Sardinen und Mangochutney, Artischocken mit Anchovis und Focaccia oder selbst gemachtem Popcorn sollte in den kommenden Monaten für die Besitzer dieses Buches eigentlich kein Problem sein.
 
Der Vorteil: Man muss danach kein Essen mehr zubereiten, denn die meisten dieser feinen Rezepte haben durchaus sättigende Eigenschaften.
 
Ins Bild gesetzt wurden die Rezepte übrigens hervorragend von Daniela Haug, einer internationaler Food-Fotografin, die das alles sehr stimmungsvoll hinbekommen hat.
 
 
Lisl Wagner Bacher
Meine Küche
Euro 35
 
Stevan Paul
Blaue Stunde
Euro 35
 
Beide Bücher erschienen im Brandstätter Verlag.

Text: Alexander Rabl