Aus Blüten ein blumiges Bier gemacht



Alexander von Humboldt lässt grüßen. Die Bilder, die Braumeister Axel Kiesbye und sein Team von den Bundesforsten beim Ernten der Blüten der Traubenkirsche hoch in den Bäumen zeigen, gemahnen an ernsthafte Expeditionen in unerforschte Erdteile. Auf bis zu zehn Meter hohe Leitern musste das Ernteteam klettern. Was tut man nicht alles für einen guten Schluck Bier?

 

Gebraucht wurden 100 Liter der duftenden Traubenblüten, die dem Waldbier 2017 schließlich das verleihen sollten, was man als die Aromen von Bittermandel und Marzipan umschreibt. Deshalb schmeckt das Waldbier des aktuellen Jahrgangs weniger harzig oder bitter wie frühere Jahrgänge, sondern eher duftend, animierend und eben blumig.

 

Die Natur im Schmecken zu begreifen ist den Bundesforsten das Anliegen. Das jährlich neu komponierte Waldbier ist eine feine Initiative, eigentlich eine Rarität, was Mengenbeschränkung und auch was die Haltbarkeit betrifft (bis zu fünf Jahre). Die Zutaten dieses Jahrgangs kommen aus Hermagor, aus den Auwäldern der Gail in den karnischen Alpen.

 

Dort ist die „Wilde Kirsche“ zu Hause, sie verschönert den Förstern und Spaziergängern die Natur. Der in punkto geschmacklicher Einbildungskraft begabte Braumeister Axel Kiesbye fand in ihr eine schöne Abwechslung zu Wipfel, Harz und Nadeln, aus denen frühere Waldbierjahrgänge gebraut wurden. Der aus den Blüten und Zuckersirup in mehreren Monaten gewonnene Sud wurde danach noch fermentiert und schließlich mit dem Basisbier vermengt. Eine zweite Gärung sorgte für die Anreicherung des Biers mit den Aromen der Wildkirsche.

 

Was tun mit diesem Bier? Es eignet sich unter anderem hervorragend für Wild, für winterliche Fischküche aller Art (Karpfen wird dieses Bier lieben), für Krautfleisch oder als Begleiter zu einem würzigen Käse.

 

Falls Sie beim Biergenuss mit Wissen glänzen wollen: Die Traubenkirschen gehören zur Familie der Rosengewächse und sind Teil der heimischen Wildkirschenarten. Sie fühlen sich wohl in einem Habitat, welches sie sich mit Flüssen und Auwäldern teilen. Sonne tut ihnen dabei gut. Wem nicht?


Text: Alexander Rabl