Das Generationenkochbuch eines Familienbetriebs

Gruppenbild mit Karola, Sepp und Felix Schellhorn.



Pommes mit Mayo und Ketchup: Felix’ Verweigerung der Küche seines Vaters Sepp im Kindeshalter.

Ein gutes Kochbuch muss mehr können als ein paar Rezepte aufzulisten, seien sie auch noch so ausgewogen und perfekt kalibriert. Ein gutes Kochbuch muss eine Geschichte erzählen. Hier ist eines. Es ist ein Buch über den Seehof in Goldegg, unser Hotel des Jahres, der seit vielen Jahren mit einer unvergleichlichen Küche punktet (wobei wir punkten nicht mit Höchstbewertungen verwechseln wollen).

 

Die Schellhornsche Küche ist so individuell wie locker und zugänglich, arbeitet am Boden der Traditionen und sehr saisonal beziehungsweise regional. Die Fische aus dem See vorm Haus tragen zum Gelingen bei wie die Gemüse aus dem Garten hinterm Haus.

 

Jetzt hat die Familie ein Buch herausgebracht, dass sich mit der Küche von Felix, Sepp und Karola Schellhorn auseinandersetzt, eingerahmt in Texte von Christian Seiler, der auch gleich den Verleger gibt.

 

Hier finden sich Lieblingsgerichte, feine Suppen, regionale Herrlichkeiten ebenso wie Innereien von Bries bis Hirn, möglichst im Ganzen gebraten, und von Ingo Pertramer mit lockerer Hand wie zufällig und opulent inszeniert. Das Lieblingsgericht vom damals noch sehr jungen Felix Schellhorn hat sich eine Doppelseite verdient.

 

Es sind Pommes Frites mit Mayo und Ketchup, so schön dunkel gebacken, dass Brüssel eigentlich gleich die Lebensretterpolizei ausschicken müsste, das Buch zu konfiszieren. Im Generationenkochbuch finden sich natürlich auch Rezepte für Krebse im Sud, für Sellerietascherln nach Schellhorns Lehrer Jörg Wörther, wie auch die von vielen Gästen vergötterten Buchteln mit Vanillesauce.

 

Felix Schellhorn, der bei der Präsentation des Buches im Altstadt Wien erzählte, er wäre eigentlich gerne Leistungssportler geworden, wollte sich aber nicht die Jugend zerstören lassen, ist mittlerweile ein weitgereister junger Koch ohne festen Wohnsitz. Mit der Küche seines Vaters und seiner Oma hatte er als Bub so seine Schwierigkeiten: „Ich habe die Seehofküche immer gehasst“, sagte er. Ein Statement, das auch von Sepp Schellhorns Lieblingsschriftsteller, Thomas Bernhard, stammen könnte.

 

Das Schellhorn Generationenkochbuch, Christian Seiler Verlag, Preis 48,-


Text: Alexander Rabl