ECKART-Preisverleihung am Schloss von Versailles



Treffen der Kochgiganten Witzigmann und Ducasse auf Chateau de Versailles.


Wenn zwei Giganten der Spitzenküche einander treffen, wenn Eckart Witzigmann zur Überreichung des ECKART an Alain Ducasse schreitet, bietet sich dafür nur ein einziger Ort an, das Chateau de Versailles, prunkvoller, sonnendurchfluteter Regierungssitz französischer Könige und seit neuestem auch mit einem Restaurant aus der Gruppe von Ducasse ausgestattet.

 

Auf Versailles fand am 21. September auch die Krönungszeremonie beziehungsweise Preisübergabe an die Träger des prestigeträchtigen Witzigmann-Preises statt. Alain Ducasse hatte geladen. Es wurde viel geredet, noch mehr gelobt und schließlich auch exzellent gekocht, serviert und gegessen. Die Verleihung des Preises an Ducasse (Kategorie „Große Küche“) läutet eine neue Phase in der Geschichte des ECKART ein. Der Preis soll jetzt mehr auf Reisen gehen. Nach Paris ist beispielsweise auch an New York gedacht.

 

Über Alain Ducasse ist viel geschrieben worden. Auch hier. Er ist ohne Zweifel der zurzeit wichtigste Protagonist in der französischen Küche. Selbstbewusst und zielsicher verfolgt er sein Konzept einer produktorientierten Küche, die auf den französischen Traditionen fußt und sich so modern und zeitgemäß präsentiert wie selten eine.

 

Ducasse hatte schon in den späten 80er Jahren ein rein vegetarisches Menü in seinem Louis XV in Monaco. Da konnten die meisten Köche das Wort Vegetarisch oder Vegan noch gar nicht buchstabieren. Die Gäste ohnehin nicht. In seinem Restaurant im Plaza Athenée verzichtet Ducasse nun überhaupt auf Fleisch. Fisch vom Besten, Gemüse und Getreide sind die Helden der Speisenkarte. Paris ist entzückt.

 

Der von den Avantgardisten in Spanien und den Naturköchen im Norden ein wenig unter Druck geratenen Küche Frankreichs will Ducasse ihr Selbstvertrauen und den Platz 1 am Podest zurückgeben. Falls er jemals weg war, was in Frankreich ohnehin keiner ernsthaft glaubt. Dazu lässt er sich einiges an Veranstaltungen einfallen. Zum Beispiel einen weltweiten Event unter dem Namen „Good France“, der in allen frankophilen Lokalen zelebriert wird.

 

Wer hat sonst noch die Auszeichnung erhalten? Die französische Kochlegende Michel Guerard von Le Prés d’Eugénie“ in Eugénie les Bains im Südwesten Frankreichs erhielt den Eckart in der Kategorie „Lebensart“. Guerard gilt als Erfinder der kaloriensparenden und auf Frische konzentrierten „Nouvelle Cuisine“. Und nicht etwa Bocuse, wie es in deutschen und österreichischen Medien immer wieder gerne behauptet wird.

 

Der Preis für „kreative Verantwortung“ ging an Tiffany Persons, Dokumentarfilmerin und Gründerin von Shine On Sierra Leone.

 

Der Preis für „Innovation“ ging an María Marte und Luisa Orlando, zwei Frauen, die in der kulinarischen Szene beispiellosen Mut und Willen bewiesen haben. Die Karriere von der Tellerwäscherin zur Küchenchefin im „Club Allard“. María Marte schaffte das. Und Frau Orlando half ihr dabei als Chancengeberin.

 

Erstmals wurde der ECKART in allen Kategorien mit einem Preisgeld von 50.000€ dotiert. Das ist nicht nichts.


Text: Alexander Rabl