Eine Weinverkostung der Oberklasse

Die Brüder Ente kamen aus dem Burgund nach Wien. Im Gepäck: Die Jahrgänge 2016 und 2015.


Wie René Antrag sagte: „Birgit Reitbauer geht eigentlich nie zu Weinverkostungen. Diesmal ließ sie es sich nicht nehmen.“ So tauchten die Steirereck-Chefin und ihr genialischer Sommelier bei einer Verkostung von Weinen auf, deren Besucherliste sich wie das Who is Who der heimischen Sommelerie liest: Simon Schubert (aend), Andreas Katona (Amador), Markus Winkler (Auwirt), Steve Breitzke (MAST), André Drechsel (Tian), die Coburg-Sommeliers Wolfgang Kneidinger und Thomas Juranitsch, und viele andere waren gekommen, um die Weine der Brüder Arnaud und Benôit Ente zu verkosten.

 

Die beiden waren auf Einladung der Weinhändlerfamilie Schäffer ins Palais Coburg gereist, dort über ihre Weine und ihre Philosophie zu sprechen. Und ein paar Flaschen dieser Weine zu öffnen, die zum Teil auf internationalen Märkten gewaltige Preise erzielen, und von denen es in Österreich nur eine Handvoll für eine handverlesene Zahl an Restaurants gibt.

 

„Diese Verkostung ist deshalb so besonders, weil die Weine der Ente-Brüder am internationalen Weinmarkt eigentlich nicht erhältlich sind“, erklärte der Gastgeber des exklusiven Tastings, Philipp Schäffer. Der 32-Jährige betreibt in Graz mit „Schæffer’s Selektion feiner Weine“ eine gerade einmal 60 Quadratmeter kleine Weinboutique – als Weinhändler und Weinimporteur zählt Schäffer im deutschsprachigen Raum inzwischen aber zu den Größen.


Gerade einmal 7.500 Flaschen Wein sind es, die Arnaud Ente, der ältere Bruder, aus seinen 4 Hektar in Meursault erwirtschaften kann. 7.500 Flaschen, um deren Besitz die internationale Weinwelt wetteifert. „Diese Weine zu verkaufen ist nie das Problem. Sie jedoch an den richtigen Plätzen zu positionieren, um ihren Genuss jenen Menschen zu ermöglichen, die eine ebenso große Wertschätzung für die herausragende Arbeit der Winzer haben – das ist die Herausforderung und auch der Auftrag, den uns Weinbauern wie Benoît und Arnaud Ente mitgeben“, sagt der Weinhändler. Der Erfolg der Ente-Brüder ist Ergebnis eines Zusammenspieles von perfekter Lage, alten Reben und herausragendem Handwerk. Das hört man von Burgunder-Winzern übrigens immer wieder, wenn man sie nach ihren Erfolgsgeheimnissen befragt.


Doch was die Brüder so einzigartig macht, ist die Stilistik, die Finesse ihrer Aligotés und Chardonnays. Man erinnert sich an die heißen Jahrgänge Anfang der Nullerjahre, zum Beispiel 2003. Oft recht heftig, was da in die Flaschen und später ins Glas kam. Dazu noch, wie man sagt, sehr „oaky“, also der damaligen Mode des Eichenfasses entsprechend. Dies oft überdosiert, ergab fette, manchmal gleichförmige Weine. Nicht nur in Frankreich.


Bereits Ende der Neunziger hatte Arnaud beschlossen, seinen Weinen aus Meursault weniger neues Holz, dafür mehr Säure und insgesamt mehr Straffheit zu geben. Einen weltweiten Geschmackstrend nahm er damit vorweg. Der jüngere Bruder folgte dieser Stilvorgabe einige Jahre später. „Lange habe ich mich darauf konzentriert, üppige und kraftvolle Weine herzustellen,“ sagt Benôit Ente, „2003 war dann der Jahrgang, der zu reif war. Das hat mich dazu bewegt meinen Stil zu ändern, wobei der Schwerpunkt vor allem auf einem höheren Säuregehalt liegt“. Parallelen zu diesem „neuen“ Stil, bei dem neben der Säure auch Eleganz, Straffheit und wenig Alkohol im Fokus stehen, gibt es auch in Österreich. Die Zeit der schweren Weine mit viel Holz neigt sich dem Ende zu.


Während Arnauds Weine dank nur 4 Hektar Weinbaufläche in Meursault und ihrer beeindruckenden Qualität zum Teuersten zählen, was aus dem Burgund zu haben ist, sind die Weine des jüngeren Bruders Benôits (6 Hektar in Puligny Montrachet) noch etwas schlanker, natürlich ebenso fein und säurebetont wie die Meursaults, und preislich ein wenig günstiger.

 

Zumindest der Jahrgang 2016 zeigte sich dabei auch filigraner als die Weine des Älteren, was aber auch daran lag, dass Arnaud Entes Weine eben nicht aus 2016, sondern aus dem etwas wärmeren Jahr 2015 stammten. Große Weine, wenn auch etwas unterschiedlich, sind das und wer einer dieser Flaschen habhaft wird, kann sich glücklich schätzen.

 

Auskünfte über das Wie, Wo und Wieviel:

 

Schæffer‘s Selektion feiner Weine
Kaiser-Josef Platz 6
8010 Graz
www.schaeffers.at
office@schaeffers.at
Philipp Schäffer: +43 664 4502553

Text: Alexander Rabl