Getränk

Kork- oder Schraubverschluss beim Wein: Was ist besser?


Die Wiener Weinwandertage (28. und 29. September 2019) stehen vor der Tür, die Traubenlese ist in vollem Gange und überhaupt laden die freundlichen und dennoch kühlen Herbsttemperaturen dazu ein, den Abend mit einem gemütlichen Glas Wein ausklingen zu lassen. Der Wein ist eingekühlt bzw. temperiert, die Gläser stehen bereit und lediglich die Flasche muss noch geöffnet werden. Ob dabei Korkenzieher oder bloße Hände benötigt werden, liegt ganz daran, ob es sich beim Verschluss um einen Korken oder Schrauber handelt.

 

Worin dabei die Unterschiede liegen und ob diese wirklich auf den Geschmack sowie das Bukett des Weines zurückzuführen sind, erfahren Sie hier.

 

Naturkorken

 

 

Bereits die alten Römer wussten sich vor vielen Jahren zu helfen und lernten die positiven Eigenschaften von Kork zu schätzen. Flaschen gab es zu dieser Zeit zwar noch keine, jedoch nutzten sie die Rinde des Natureichenbaumes um ihre Tonamphoren damit zu schließen. Durch die einhergehende Elastizität des Materials passt sich der Kork ideal an die Flascheninnenwand an und verhindert dadurch einen Gasaustausch. Eine lange Haltbarkeit ist dadurch garantiert.

 

Preislich liegen gute Korken mangels verfügbaren Rohmaterials mit einem Preis von etwa 1,70 € pro Stück wesentlich über den Kosten von Drehverschlüssen. Seltene und doch immer wieder auftretende Korkfehler auf Grund des auftretenden TCA (= Stoffwechselprodukt einer Gruppe von Schimmelpilzen, die sich von Chlorverbindungen ernähren) können zu den Nachteilen des Materials gezählt werden, sind jedoch nicht ausschließlich auf den Kork zurückzuführen und daher auch bei Schraubverschlüssen möglich.

 

 

Drehverschluss

 

 

Bei Drehverschlüsse handelt es sich um die am häufigsten verwendeten Alternativverschlüsse am österreichischen Markt. Sie sind wesentlich kostengünstiger in der Herstellung, das Öffnen der Flasche wird dadurch erleichtert und auch ein unproblematisches Wiederverschließen ist dadurch gesichert. Ein klarer Vorteil beim Ausschank von offenen Weinen.

Doch auch wenn der Wein luftdicht verschlossen ist und der Schrauber im Vergleich zum Kork keine Geschmacksspuren hinterlässt, ist die Akzeptanz gerade bei hochwertigen Weinen bei vielen noch umstritten. Aber warum? Selbstverständlich ist die Zeremonie des Flaschenöffnens eine andere als bei seinem eleganten Freund, dem Kork. Jedoch sollten nicht nur optische Faktoren ausschlaggebend für Präferenzen und engstirnige Vorurteile sein.

 

 

Unterschiede im Geschmack? Wir haben getestet:

Nach einer von uns durchgeführten Blindverkostung (gleicher Wein und Produzent, selbiger Jahrgang, differenter Verschluss) im Rahmen des Wiener Sommelier Vereins, können wir zwei interessante Erkenntnisse festhalten:

 

*Bei jüngeren Jahrgängen zeigt sich der Kork im Vorteil.

 

*Je älter die Weine werden, desto mehr zeigen Drehverschlüsse ihr Potential.

 

Ob man lieber zum Schraubverschluss oder Korken greift, kann unter anderem mit eigenen Vorlieben, Ritualen und weiteren externe Faktoren beantwortet werden. De facto gilt, und das hat bereits Armand-Jeand du Plessis Richelau, einstiger französischer Aristokrat und Staatsmann, im 16. Jahrhundert auf den Punkt gebracht:

 

Wer keinen Wein trinkt, dem entgeht viel Genuss. Wer aber den Wein falsch trinkt, verdirbt sich und den anderen den Genuss.“

 

In diesem Sinne: à votre santé!


Text: Franziska Ettmeier