Konstantin Filippou

Gault&Millau Bewertungen

„Wiedersehen macht Freude.“ Wer schon einmal das Vergnügen hatte, in Konstantin Filippous wunderbarem Restaurant Gast zu sein, den wird dieses Gefühl ziemlich sicher bereits beim Betreten des dezent, stilsicher eingerichteten Lokals und dem herzlichen Empfang durch Filippous Ehefrau Manuela überkommen. Etwas überraschend hingegen, dass sich die positive Wiedersehenserfahrung auch beim Blick auf die Menükarte einstellt. Dort werden nämlich lauter Gerichte angekündigt, an denen man sich auch schon im Vorjahr erfreuen konnte. Unserer leichten Verwunderung darüber wird aber gleich mit dem ersten Amuse gueule entgegengewirkt. Seesaibling mit Rettich und Senfkörnern in einem unglaublich raffinierten Escabeche-Fischfond-Gelee. Eine neue, fantastisch schmeckende Kreation, auf die gleich der nächste Höhepunkt folgt. Gillardeau-Auster mit Tapiokaperlen in Liebstöckelcreme. Hier treffen zwei intensive Geschmäcker aufeinander und der Küche gelingt es, nicht nur beide gleichermaßen zur Geltung zu bringen, sondern auch eine verblüffende Harmonie zwischen ihnen zu erzielen. Ganz ähnlich beim Tatar von der „Wiener Auster“ mit Roggenbrotcreme, Herzmuscheln und Artischocken: eine auch optisch faszinierende, wie von Baudelaires „Blumen des Bösen“ inspirierte Version einer Sonnenblume, zu der es ein paar Missverständnisse aufzuklären gilt. Anders als auch in diesem Guide schon irrtümlich geschrieben, handelt es sich bei der „Wiener Auster“ nicht um eine heimische Abart der Muschel. Auch die offizielle Wikipedia-Definition, wonach der Begriff die Fachbezeichnung für eine spezielle Stellung beim Geschlechtsverkehr darstellt, führt kulinarisch in die Irre, ist doch in Wahrheit eine Weinbergschnecke damit gemeint, wie sie Andreas Gugumuck am Wienerberg züchtet. Auch geklärt. Beim Menü geht es mit bewährten greatest Hits weiter. Brandade mit Amurkarpfen und Kaviar ist schon die längste Zeit ein Signature Dish, der Krustentierflan mit Flusskrebsen, Ingwer und Erbsen ein Musterbeispiel für kochtechnisch feinste Klingen und der Zander mit Wacholder, Trüffel, Markscheiben und Haselnuss verblüfft angesichts der Geschmacksintensität der einzelnen Komponenten durch Subtilität. Höhepunkt ist die Lachsforelle mit Dill und Kohlrabi, die in einem Café de Paris-Saucenbad thront, das man zur Gänze ausschlürfen möchte. In der gleichen Liga spielt nach wie vor die Kombination aus Aal und Mangalitza, der ein Hauch Entenleber den Extrakick verleiht. Bei den Desserts gibt es dann doch wieder was Neues, nämlich eine Ziegenmilch-Panna cotta mit Erdbeeressig und Buttereis. Die ist so gut, dass wir uns durchaus über ein Wiedersehen freuen würden.

Adresse

Dominikanerbastei 17
1010 Wien

Kontakt

01 512 22 29

Website

Team

  • Konstantin Filippou,  Chef
  • Dennis Buchberger,  Sous Chef

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Einige andere Adressen

Öl
Ausgewählt von Gault&Millau Selection

Öl

Leopoldsgasse 26, 1020 Wien

Das Design der Öl-Bar ist einfach cool – die Stimmung und die Drinks ebenso. Der Blick wird von kreativen Wandbemalungen, dem herausstechenden Tresen und stylishen Beleuchtungselementen eingefangen. In diesem gelungenen Ambiente oder im Sommer im Schanigarten genießt man eine hervorragende Auswahl an Bieren, (Natur)-Weinen und anderen Getränken. Für Unterhaltung sorgt außerdem der Wuzler im hinteren Bereich.

Émile
Ausgewählt von Gault&Millau Selection
11 / 20

Émile

Schottenring 11, 1010 Wien

Einst eine Heimstatt, an der die österreichische Küche weiterentwickelt wurde, findet man heute in dem schicken Bistro eine pragmatische Küchenlinie vor, die aber mit einer gewissen Verve vorgetragen wird. Eine gute Basis an Hotel-Standards umfasst Schnitzel, Pizza, Pastagerichte, Tatar und Burger – das erwarten sich die Reisenden, mögen aber auch Einheimische von Zeit zu Zeit. Das Avocado-Lachs-Tatar mit Dotter und die amerikanischen Short Ribs vom Rind sind gefällige Neuerungen auf der Karte. Die regionalen Weine werden vom freundlichen Personal passend zum Bestellten empfohlen.

o boufés
Ausgewählt von Gault&Millau Selection
15.5 / 20

o boufés

Dominkanerbastei 17, 1010 Wien

Konstantin Filippou, der umtriebige Grazer Grieche in Wien, hat ein wenig an den Konzeptschrauben seiner niederschwelligen Weinbar mit der so wunderbar schmackhaften wie unkomplizierten Küche gedreht. Denn wie im Fine Dining-Tempel, der seinen Namen trägt, ist der Fokus nun auch hier ganz klar auf Fisch und Fleischloses gerichtet, auch wenn jeden Abend eine Hauptspeise die Ausnahme von der Regel sein darf. Bei Goldbrasse mariniert mit Miso, Orange und Koriander (unserem Favoriten des Abends) sowie dem pikanten Chinakohl mit Chili, Liebstöckel und Suchtfaktor oder dem panierten Seeteufel an Spargel und Remoulade waren wir einfach nur im Glück. Gleiches lässt sich auch von der butterweichen Lachsforelle mit Fenchel und Café de Paris-Butter und den beiden Desserts – Trahanas mit eingelegten Trauben und knuspriger Schokolade sowie dem hoch erfrischenden Rhabarber in Begleitung von Nussbuttereis und Verjus unter Filoteig –bestätigen. All diese unprätentiösen und doch präzise gefertigten Köstlichkeiten in Verbindung mit dem jungen, charmanten Team und einer schon legendären Natural Wine-Karte ließen den Abend zum unvergessenen Erlebnis reifen.

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