Obauer

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Fangen wir beim weniger Erfreulichen an, das geht schneller, denn das Erfreuliche braucht deutlich mehr Zeit und Raum. Also: Das streng gegenderte Amuse gueule (Jungrindtatar mit Karottencreme für die Männer, Karfiolcreme mit Apfel und Papaya für die Frauen) hat seine Zeit gehabt, sie war nicht schlecht, aber sie ist vorbei. Wir kommen zum Erfreulichen, also zum Rest unseres Besuchs im Frühsommer 2021 (die Amuses schmeckten übrigens gleichgeschlechtlich göttlich). Es beginnt mit ersten Lockerungsübungen nach einer schwierigen Zeit, in der Rudi Obauer sein Talent zum Instagram-Vorkocher entdeckte, was sein Talent als Chefkoch nicht geschmälert hat. Rudi und sein älterer Bruder Karl sind so etwas wie die Doppelmonarchen der österreichischen Hochküche, Könige eines kulinarischen Weltreichs, das sein Zentrum in Werfen hat und keine Grenzen kennt. Produkte von hier, Geschmäcker von dort, Aromen aus dem Orient, Butter vom Hausberg. Zum Aperitif kommt Murmeltier im Backteig, dazu eine levantinisch angehauchte Kirchererbsencreme, Lammsulz und Olivenkeks. Mit ein paar Happen wird da der Pongau am Mittelmeer verortet. Die Reise kann losgehen, das Ziel ist eine klassische Gourmetküche, die hervorragenden Zutaten die bestmögliche Behandlung zugesteht und dabei keine Kleckse macht. Die Kreativität ist bei Obauers nicht Selbstzweck, sondern Geschmacksfrage: mit Kurkuma eingelegte Gurken, marinierte Wassermelone, Couscous mit Gartenkräutern und Safranjoghurt – nicht auszudenken, wie viel weltzugewandte Komplexität in einem so sinnvoll simplen Gericht möglich ist; und wie viel Frische in einem Fleischsalat vom Ziegenkitz mit Gänseleber, Kohlrabi und Buchen-Aschen-Joghurt. Karl und Rudi Obauer stehen über den Trends der Stunde, sie spielen sich mit den Zeiten, es gibt Klassiker und solche, die es noch werden werden: ihren Forellenstrudel mit Veltlinersauce natürlich, aber auch das Gams-Carpaccio mit rosa Rehfilet, Safranapfel, Gewürzhonig und Schwarzbeersenf. Bei aller Liebe zur Regionalität lassen sich die beiden Kochgrößen nicht festlegen, sie kochen frei von Zwang und Zwanghaftigkeit, spielen mit Luxuszutaten (Karpfenaspik mit Hummer, Sauerampfer-Creme, Essig-Reinanke und Kaviar) und selten Gewordenem (glacierte Kalbsniere, ganz puristisch mit Jus und Eierschwammerln) und können sich dabei immer auf ihr hervorragendes Serviceteam verlassen sowie auf einen Weinkeller, der alle alten und neuen Stücke spielt. Das Erfreuliche nimmt in Werfen tatsächlich kein Ende, das Menü leider schon, doch es ist ein Happy End: Topfenpfirsich mit Buttermilch-Kokos-Mus und Zitronenblatt-Eis. Mit einem Wort: Pures Glück.

Adresse

Markt 46
5450 Werfen

Kontakt

06468 52 12

Website

Team

  • Rudi Obauer,  Chef
  • Peter Buchegger,  Sous Chef

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